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24.02.1920 – Die Gründung der NSDAP: Die Geburtsstunde des institutionalisierten Antisemitismus

Der 24. Februar 1920 markiert eine Zäsur in der deutschen und jüdischen Zeitgeschichte. An diesem Tag wurde im Münchener Hofbräuhaus die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannt. Mit der gleichzeitigen Verkündung des 25-Punkte-Programms wurde ein politisches Fundament gegossen, das den Antisemitismus von einem gesellschaftlichen Ressentiment in eine staatliche Zielsetzung überführte. Besonders die Punkte 4 und 5 des Programms legten unmissverständlich fest, dass die Staatsbürgerschaft an die „Rasse“ gebunden sei und Juden somit dauerhaft aus der nationalen Gemeinschaft ausgeschlossen werden sollten. Diese juristische und ideologische Weichenstellung bildete die Basis für die spätere systematische Entrechtung, die in der Shoah mündete.

Adolf Hitler: Frühe Jahre und Aufstieg zum Führer der NSDAP | Die Hitler Chronik: 1889-1929 (1/4)

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Die Radikalisierung des Antisemitismus

Die Ereignisse in München zeigten eine neue Qualität der politischen Agitation. Adolf Hitler nutzte die Bühne, um komplexe wirtschaftliche und soziale Krisen der Nachkriegszeit auf ein einziges Feindbild zu reduzieren. Durch die Verankerung des Antisemitismus in einem Parteiprogramm wurde die Ausgrenzung jüdischer Mitbürger zu einer unumstößlichen Forderung erhoben. Was 1920 als Forderung nach dem Entzug der Bürgerrechte begann, entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer bürokratisch organisierten Vernichtungsmaschinerie. Es war der Moment, in dem der Hass eine Organisationsform fand, die darauf abzielte, die Rechtsstaatlichkeit zugunsten einer völkischen Ideologie aufzuheben.

Von der Schutzlosigkeit zur Souveränität

Die Tragweite dieser ideologischen Entwicklung am 24. Februar lässt sich besonders im Kontrast zu späteren Ereignissen desselben Datums ermessen. Am 24. Februar 1942 sank das Flüchtlingsschiff Struma im Schwarzen Meer – eine direkte Folge der durch die NSDAP ausgelösten Vertreibung und der weltweiten Weigerung, jüdischen Geflüchteten sichere Häfen zu bieten. Fast 800 Menschen verloren ihr Leben, weil sie staatenlos und schutzlos waren. Nur sieben Jahre später, am 24. Februar 1949, dokumentiert die Geschichte eine entscheidende Gegenbewegung: Mit dem Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und Ägypten auf Rhodos trat der junge jüdische Staat erstmals als souveräner völkerrechtlicher Akteur auf. Damit endete die Ära der kollektiven Schutzlosigkeit, die 1920 mit dem Programm von München ihren Anfang genommen hatte.

Die Geschichte des 24. Februar verdeutlicht die existenzielle Bedeutung staatlicher Zugehörigkeit und rechtlicher Absicherung. Von der Programmatik der Ausgrenzung im Jahr 1920 bis zur völkerrechtlichen Anerkennung im Jahr 1949 zeigt dieses Datum den Weg von der totalen Rechtlosigkeit hin zur mühsam erkämpften Selbstbestimmung.

Wie beurteilt Ihr die Tatsache, dass die juristische Ausgrenzung bereits dreizehn Jahre vor der eigentlichen Machtübernahme so präzise formuliert wurde? Ich freue mich auf Eure sachliche Diskussion in den Kommentaren.

Euer Schimon

Bild: Historisches Original-Dokument


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Peter Winkler ist Aquaponiker, Coach und Blogger. Sein theologisches Studium war die Basis für eine langjährige Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Seit 2012 beschäftigt er sich mit der Aquaponik. Durch seine Expertise entstanden mehrere Produktionsanlagen im In.- und Ausland. Mit dem Blog "Schimons Welt" möchte er die Themen teilen, die ihn bewegen und damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

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