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24.01.1933 – Wenn der Hörsaal zum Schlachtfeld wird
In den Januartagen des Jahres 1933, nur eine Woche vor dem endgültigen Umbruch in Deutschland, spielten sich an der Universität Breslau Szenen ab, die uns heute als Mahnung dienen müssen. Ein Bericht der Vossischen Zeitung vom Dienstag, den 24. Januar 1933, zeichnet ein erschütterndes Bild von Hass und organisierter Gewalt gegen die Freiheit der Lehre. Die Atmosphäre an den deutschen Universitäten war damals bis zum Zerreißen gespannt. Nationalsozialistische Studentenorganisationen hatten das Ziel, jüdische Gelehrte und demokratisch gesinnte Professoren systematisch zu vertreiben. Professor Ernst Cohn, ein anerkannter Jurist und Sozialdemokrat, stand im Fadenkreuz dieser Bewegung. Am Morgen des 24. Januar 1933 eskalierte die Situation: Schon beim Betreten der Universität wurden stürmische…
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19.01.1933 – Geld regiert die Welt: Wie Reiche damals und heute die Politik beeinflussen
Während ich hier an meinem Schreibtisch sitze, liegt die vergilbte Ausgabe der Berliner Volks-Zeitung vom 19. Januar 1933 direkt vor mir, und ich merke ziemlich schnell: Das ist nicht einfach nur staubige Geschichte, die man in Archiven vergraben sollte. Die Schrift ist zwar vergilbt und brüchig, doch vieles, was dort zwischen den Zeilen steht, fühlt sich heute, im Jahr 2026, erstaunlich gegenwärtig an. Es ist nicht so, dass jede Einzelheit identisch wäre, aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man bestimmte soziale und politische Abläufe, die sich mit einer fast unheimlichen Präzision wiederholen. In dieser historischen Ausgabe findet sich ein kurzer Hinweis auf ein sogenanntes Herrenessen. Das klingt zunächst fast harmlos,…
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15.01.1933 – Die Schicksalswahl in Lippe, die Agonie des Kabinetts Schleicher und der Antisemitismus an den Universitäten
Es ist dieser schicksalshafte Sonntag, der 15. Januar 1933, an dem ich beim Lesen der Berliner Morgen Zeitung das Gefühl bekomme, in die Abgründe einer Gesellschaft zu blicken, die gerade ihren moralischen Kompass verliert. Die Schlagzeilen schreien uns förmlich entgegen, dass das Kabinett umgebildet werden soll , während im kleinen Lippe eine Wahl stattfindet, die ein Spiegel für die Zukunft des ganzen Landes ist. Es ist eine Zeit, in der politische Intrigen wie dunkle Schatten durch die Korridore der Macht schleichen und die Hoffnung auf Stabilität so zerbrechlich wirkt wie dünnes Glas in einem Wintersturm. Das Orakel von Lippe und der Tanz auf dem Vulkan Der heutige Tag steht ganz…
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14.01.1933 – Hitler und Papen im Gespräch, Radikale Wirtschaftsvisionen und die moralische Elite
Die Zeitung, die wir hier vor uns haben, ist die Nummer 2 des 14. Jahrgangs des „Reichswart“, erschienen am 14. Januar 1933 in Berlin. Als Herausgeber fungierte Graf Ernst zu Reventlow, eine prägende, wenn auch eigenwillige Figur der damaligen Zeit. Was beim Lesen sofort auffällt, ist die scharfe Abgrenzung zu dem, was Reventlow als „Nurnationale“ bezeichnet. Es geht ihm nicht nur um ein patriotisches Lippenbekenntnis, sondern um einen radikalen, nationalen Sozialismus, der sich deutlich von den „Parteien der Rechten“ und den „Repräsentanten des Kapitalismus“ distanzieren will. Man spürt ein tiefes Misstrauen gegenüber Persönlichkeiten wie von Papen, der als „Generaldirektor Gottes“ verspottet wird, und gegenüber dem Einfluss des Großgeldes. Diese Ausgabe…
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06.01.1933 – Schicksalswahl in Lippe und das Geheimtreffen Hitlers bei Bankier Schröder
Dieser Artikel nimmt Dich mit zurück zum 6. Januar 1933 und blickt hinter die Fassade der Berliner Volks-Zeitung. Während die Schlagzeilen von politischer Gewalt in Breslau und einem bizarren Wahlkampf im winzigen Freistaat Lippe berichten, blieb das entscheidende Ereignis für die Leser damals unsichtbar: Das Geheimtreffen zwischen Hitler und Franz von Papen im Haus des Bankiers Schröder. Ich analysiere, wie die „Hochfinanz“ die bankrotte NSDAP rettete und damit die Materialschlacht ermöglichte, die den Untergang der Republik einläutete – während sich die Menschen in Berichte über Briefmarkensammlungen und Kinokomödien flüchteten.
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31.12.1932 – Adolf Hitler, der gefährliche Okkultismus und die Rolle des Hellsehers Hanussen
Es ist der letzte Tag eines Schicksalsjahres, und wenn ich mir vorstelle, wie die Menschen in Berlin an diesem Silvesterabend 1932 gefeiert haben, überkommt mich ein beklemmendes Gefühl. Während der Sekt floss und man sich ein frohes neues Jahr wünschte, ahnte kaum jemand, dass die Welt, wie sie sie kannten, nur noch vier Wochen existieren würde. In den Redaktionen der großen Zeitungen, wie der Berliner Volks-Zeitung, herrschte eine fast schon übermütige Stimmung gegenüber den Nationalsozialisten. Man lachte über Adolf Hitler. Er galt als politisch erledigt, seine Partei war nach den Verlusten der letzten Wahlen finanziell ruiniert und innerlich zerstritten. Doch was mich heute so tief bewegt, ist die Tatsache, dass…
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Richard Huber 1940: Das dunkle Geheimnis um das Gemälde „Zigeuner“
Manchmal stehe ich in einer Ausstellung und ein Bild lässt mich nicht mehr los. Nicht, weil es das lauteste oder bunteste im Raum wäre, sondern weil es mir eine Geschichte zuflüstert, die auf den ersten Blick gar nicht da ist. So erging es mir im Dachauer Bezirksmuseum, als ich vor einem Ölgemälde stand, das den schlichten Titel „Zigeuner“ trägt. Es zeigt eine Szene, wie sie romantischer kaum sein könnte: Wohnwagen stehen unter Bäumen, Pferde warten ruhig und eine Frau ist mit einer Ziege unterwegs. Der Maler Richard Huber hat diese Szene mit einem kräftigen, lebendigen Pinselstrich eingefangen. Die Farben sind erdig und gedeckt, man spürt förmlich die Stimmung eines längst…
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Martin Luther und die Juden: Ein schmerzliches Erbe und die lange Wirkung des Hasses
Die Auseinandersetzung mit Martin Luther ist für viele von uns, die sich mit der deutschen Geschichte und ihrer Komplexität befassen, eine Herausforderung. Luther war unbestritten eine zentrale Figur, die eine gewaltige Veränderung im Denken und Glauben der Menschen ausgelöst hat. Seine Rolle in der Reformation hat das Christentum und die westliche Welt geprägt. Doch seine Schriften zum Judentum sind eine dunkle Seite seines Vermächtnisses, und ihre Auswirkungen sind bis heute spürbar. Sie werfen die Frage auf, wie es einem so bedeutenden Reformator möglich war, einen so tiefen Hass gegen eine ganze Gruppe von Menschen zu entwickeln – und wie sehr diese Ansichten bis in unsere Gegenwart nachhallen. Der junge Luther:…
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Schimons Erinnerungen: Was eine Fahne in mir auslöste
Heute Morgen habe ich mich auf den Weg nach Bretzfeld-Schwabbach gemacht. Ich genieße es, über Land zu fahren, besonders wenn der Verkehr nicht so stark ist und die aufgehende Sonne die tolle Landschaft in ein schönes Licht rückt. Es gibt mir Raum zum Nachdenken. Die Fahrt durch das beschauliche Gundelsheim am Neckar weckte Erinnerungen in mir, als ich an einem Haus vorbeifuhr, in dessen Vorgarten eine schwarz-rot-goldene Fahne im Wind flatterte. Die Farben der Nation, die stolz an einem hohen Mast emporragten, lösten eine ganze Welle von Gedanken aus. Was mag diese Familie bewegt haben, diese Fahne zu hissen? Heimatverbundenheit? Nationalstolz? Oder vielleicht eine stille politische Botschaft an die Nachbarschaft?…
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Entnazifizierung in Deutschland: Erfolge, Herausforderungen und langfristige Auswirkungen auf die Gesellschaft
Die Entnazifizierung war zweifellos eine der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Maßnahmen, die von den Alliierten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland durchgeführt wurden. Ihr Ziel war es, den Einfluss des Nationalsozialismus dauerhaft zu bekämpfen und eine demokratische Gesellschaft zu fördern. Doch die Entnazifizierung, die viele als den zentralen Hebel zur politischen und moralischen Erneuerung Deutschlands betrachteten, war nicht ohne ihre Tücken. Ihre Durchführung und die Ergebnisse riefen von Beginn an Kritik hervor, und ihre langfristige Wirkung ist bis heute umstritten. Die Anfänge der Entnazifizierung – Ein ambitionierter Plan Die ersten Schritte der Entnazifizierung begannen nicht erst nach der deutschen Kapitulation, sondern bereits während des Krieges. Die Alliierten, allen…