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25.02.1994 – Narben in Hebron: Warum wir uns an das Massaker von 1994 erinnern müssen

Es gibt Tage, die brennen sich wie eine tiefe Narbe in das Gedächtnis einer ganzen Region ein. Der 25. Februar ist für die Menschen in Hebron ein solcher Tag. Wenn ich mir die Ereignisse von 1994 anschaue, sehe ich nicht nur die nackten Zahlen eines Verbrechens. Ich sehe den Moment, in dem die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander im Heiligen Land fast zerbrochen wäre. Es war ein Freitagmorgen, an dem Menschen beider Religionen ihrem Glauben nachgehen wollten – und durch die Tat eines Einzelnen in eine Katastrophe gerissen wurden.

Der Morgen in der Machpela

Die Höhle der Patriarchen, die Machpela, ist ein Ort, den man kaum beschreiben kann, ohne seine tiefe Bedeutung zu spüren. Hier sollen Abraham, Isaak und Jakob begraben liegen. Juden und Muslime teilen sich diesen Ort seit Jahrhunderten, auch wenn das Zusammenleben oft von Misstrauen geprägt war. An jenem Morgen im Februar 1994 war die Lage besonders angespannt: Die jüdische Gemeinde feierte Purim, während für die Muslime der Fastenmonat Ramadan lief.

Rund 800 Palästinenser waren zum Morgengebet in der Ibrahimi-Moschee versammelt, als Baruch Goldstein den Raum betrat. Er trug seine Uniform und sein Sturmgewehr – eine Tarnung, die leider funktionierte, weil die Wachposten ihn schlicht für einen Soldaten hielten, der dort Dienst tat. Was dann geschah, ist blanker Horror. Goldstein schoss auf die betenden Menschen, die mit dem Rücken zu ihm auf dem Boden knieten. 29 Menschen starben noch in der Moschee, über 120 wurden verletzt. Die Gewalt endete erst, als Überlebende den Attentäter überwältigten. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und führte zu tagelangen Unruhen mit vielen weiteren Opfern.

25.02.1994 - Narben in Hebron: Warum wir uns an das Massaker von 1994 erinnern müssen
Das Freitagsgebet nach dem Massaker in Hebron.

Ein tiefer Riss im Friedensprozess

Politisch gesehen war dieser Tag eine Katastrophe. Nur Monate zuvor hatten sich Jassir Arafat und Jitzchak Rabin in Washington die Hände gereicht, um den Oslo-Friedensprozess zu starten. Goldsteins Tat traf diesen Prozess mitten ins Herz. Zwar verurteilte die israelische Regierung den Mord sofort und verbot die extremistischen Gruppen hinter Goldstein, aber das Vertrauen war weg. Das Gefühl der Palästinenser, vom Staat Israel nicht geschützt zu werden, saß tief. In der Folge radikalisierte sich die Stimmung: Die Hamas begann mit einer Welle von Anschlägen, was wiederum das Sicherheitsgefühl der Israelis zerstörte und den Rückhalt für den Frieden zermürbte.

„Heute ist ein schrecklicher und schwerer Tag für Juden und Araber in diesem Land. Für diese schreckliche Tat gibt es kein Verständnis, keine Vergebung und keine Sühne.“ Staatspräsident Ezer Weizman

Hebron wurde nach diesem Tag nie wieder die Stadt, die sie einmal war. Die Grabstätte wurde baulich strikt getrennt – ein Denkmal der Unversöhnlichkeit, das man bis heute sieht. Ganze Straßen in der Altstadt wurden für Palästinenser gesperrt, und die Stadt wurde in Zonen unterteilt, die den Alltag der Bewohner bis heute massiv einschränken. Wenn wir uns an diesen 25. Februar erinnern, sehen wir, was religiöser Fanatismus anrichten kann. Es ist eine Mahnung, wie schnell ein einziger Mensch durch eine Tat des Hasses die Arbeit von Jahren zunichtemachen kann. Die Wunden von Hebron sind auch nach über 30 Jahren nicht verheilt. Sie zeigen uns, wie unglaublich schwer der Weg zum Frieden ist.

Wie denkt Ihr über solche Gedenktage – helfen sie uns, aus der Geschichte zu lernen, oder reißen sie die alten Wunden nur immer wieder auf? Schreibt mir Eure Gedanken dazu gerne in die Kommentare.

Euer Schimon

Titel-Bild:

Die Unruhen in Jerusalem folgten dem Massaker in der Machpela-Höhle in Hebron, bei dem 29 Palästinenser getötet und zahlreiche weitere verletzt wurden. Der Anschlag ereignete sich während des Freitagsgebets. Zwei Wochen nach Beginn des heiligen muslimischen Monats Ramadan war das Gebiet voller betender Menschen. Polizeichef Shahal Moshe (rechts) und Polizeikommandant Rafi Peled waren in Alarmbereitschaft, um gewalttätige arabische Demonstrationen beim ersten Freitagsgebet nach dem Massaker in Hebron zu verhindern.

Quellenangabe zu den Bildern:

Fotograf: Gideon Markowiz / Israelische Presse- und Fotoagentur (IPPA) / Sammlung Dan Hadani,  Nationalbibliothek Israels / CC BY 4.0


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Peter Winkler ist Aquaponiker, Coach und Blogger. Sein theologisches Studium war die Basis für eine langjährige Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Seit 2012 beschäftigt er sich mit der Aquaponik. Durch seine Expertise entstanden mehrere Produktionsanlagen im In.- und Ausland. Mit dem Blog "Schimons Welt" möchte er die Themen teilen, die ihn bewegen und damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

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