Versagen wir als Gesellschaft? Warum unsere Bildungslücke das Land zerreißt
Habt ihr euch in letzter Zeit auch mal gefragt, wann wir eigentlich verlernt haben, vernünftig miteinander zu reden? Wenn ich mir die aktuellen Nachrichten anschaue, sehe ich ein Land, das unter Hochspannung steht. Eine aktuelle Forsa-Umfrage bestätigt das jetzt schwarz auf weiß: 88 % von uns haben mittlerweile richtig Angst vor den wachsenden Spannungen in unserer Gesellschaft. Und wisst ihr, was das Beunruhigende ist? Mit 90 % wird das Problem im Bildungssystem sogar als noch größere Gefahr für unsere Zukunft wahrgenommen. Aber hängen diese beiden Dinge nicht untrennbar zusammen?
Ich sitze hier und denke an meine vielen Jahre in der sozialen Arbeit mit Jugendlichen zurück. Da wird mir eines bewusst: Wir suchen den Fehler oft an der völlig falschen Stelle. Wir starren wie gebannt auf marode Schulen und den Mangel an Fachkräften, aber wir übersehen dabei die Familie als Fundament und „Bildungsort“ für die Persönlichkeitsentwicklung. Ich erinnere mich noch gut an mein eigenes Elternhaus. Da wurde am Küchentisch über Politik gestritten, da wurde uns erklärt, wie wirtschaftliche Zusammenhänge funktionieren und vor allem, wie man respektvoll miteinander umgeht. Das war kein Schulfach, das war Erziehung. Wir bekamen Sozialkompetenzen vermittelt, die uns als Gesellschaft verbinden und nicht trennen.
Doch in meiner Arbeit mit den Kids musste ich oft das Gegenteil erleben. Ich habe festgestellt, dass diese Art der Erziehung in vielen Familien völlig unterbelichtet war. Das war nicht ein böser Wille, sondern es war schlichtweg Überforderung, Zeitmangel oder die Tatsache, dass die Eltern selbst zu wenig Bildung erhalten hatten. Wir verlangen heute von unserem Bildungssystem, dass es den Kindern all das vermittelt, was eigentlich im Elternhaus passieren müsste. Das kann nicht funktionieren, wenn wir die Erwachsenen dabei völlig allein lassen.
Wir tun immer so, als müssten wir nur bei den Kindern ansetzen, weil die junge Generation einmal unsere Schlüsselpositionen besetzen wird. Aber das ist ein fataler Denkfehler, den wir seit Jahrzehnten begehen. Wir müssen viel mehr in die Bildung der Erwachsenen investieren. Junge Eltern müssen wieder lernen, wie sie ihre Kinder im Schulalltag begleiten und ihnen Werte vorleben können. Wir haben zugesehen, wie die Erwachsenenbildung – und damit auch Institutionen wie die Volkshochschulen – für einen großen Teil der Bevölkerung fast völlig aus dem Blickfeld verschwunden ist.
Es ist Zeit für einen bildungspolitischen Aufbruch, der direkt in unseren Kommunen beginnt. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der Bildung nicht mit dem Schulabschluss endet, sondern ein lebenslanger Prozess ist, der uns befähigt, wieder Brücken zu bauen. Wenn wir die Eltern stärken, stärken wir auch die Kinder und nehmen den extremen Spannungen in unserem Land den Nährboden. Bildung fängt am Küchentisch an – sorgen wir dafür, dass dort wieder miteinander gesprochen wird.
Was meinst Du dazu? Haben wir die Verantwortung für die Erziehung zu sehr auf den Staat abgeschoben und dabei die Rolle der Eltern unterschätzt? Schreib mir Deine Gedanken dazu in die Kommentare – ich bin gespannt auf Deine Sichtweise.
Euer Schimon
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