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18.12.1932 – Ein leiser Tod in Schöneberg und das Ende einer Ära
Es ist der vierte Advent, ein grauer und kalter Sonntag, der über Berlin liegt. In den Wohnzimmern brennen vier Kerzen, und der Duft von Tannennadeln mischt sich mit dem Geruch von Kohleöfen, die gegen den frostigen Winter ankämpfen. Doch während sich die Stadt auf das Weihnachtsfest vorbereitet, senkt sich in Schöneberg eine tiefe Stille über die Bozener Straße 18. Dort schließt an diesem Tag Eduard Bernstein für immer die Augen. Es ist ein Tod, der symbolischer kaum sein könnte, denn mit dem zweiundachtzigjährigen Vordenker der Sozialdemokratie stirbt in gewisser Weise das Gewissen der Republik, nur wenige Wochen bevor diese endgültig zerschlagen wird. Bernstein war der Mann, der an die Reform…
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13.12.1932 – Der Zorn in Rom, die Angst im Kaiserhof und eine trügerische Ruhe
Stell Dir vor, wir blättern gemeinsam zurück, fast ein Jahrhundert, an einen nasskalten Dienstag im Dezember. Wenn wir an das Jahr 1932 denken, haben wir oft sofort die Bilder von Fackelzügen und Marschierern im Kopf, doch der 13. Dezember 1932 erzählt uns eine ganz andere, leisere und zugleich unheimlichere Geschichte. Es ist ein Tag, an dem das Schicksal der Welt auf Messers Schneide stand, getarnt als ein ganz normaler Wintertag. Während die Menschen ihre Krägen gegen den feuchten Wind hochschlugen und sich auf das Weihnachtsfest vorbereiteten, brodelte es unter der Oberfläche. Es ist der Tag, an dem die Dunkelheit, die bald über Europa hereinbrechen sollte, noch einmal zögerte und sich…