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20.01.1933 – „Es wird weiter gestützt“: Wenn der Weizenpreis fällt und der Staat einspringt
Ich blättere durch die Berliner Morgenpost vom 20. Januar 1933, und auf der Handels-Seite bleibt mein Blick an einer Überschrift hängen, die mit wenigen Worten den ganzen Frust benennt: „Es wird weiter gestützt“. Darunter steht „Vergeudete Getreide-Millionen“. Und in dem Moment war mir klar: Das ist nicht nur irgendeine Rand-Notiz. Das ist ein Blick in eine Zeit, in der Landwirtschaft, Politik und soziale Not ineinander verhakt sind – so fest, dass man unweigerlich anfängt, nach Parallelen zu heute zu suchen. Der Text beschreibt die „Getreidestützung“, die schon seit Jahren über staatliche Stellen am Großmarkt läuft. Die Idee ist simpel: Wenn die Preise wegrutschen, wird Getreide dem Markt entzogen, damit der…
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19.01.1933 – Geld regiert die Welt: Wie Reiche damals und heute die Politik beeinflussen
Während ich hier an meinem Schreibtisch sitze, liegt die vergilbte Ausgabe der Berliner Volks-Zeitung vom 19. Januar 1933 direkt vor mir, und ich merke ziemlich schnell: Das ist nicht einfach nur staubige Geschichte, die man in Archiven vergraben sollte. Die Schrift ist zwar vergilbt und brüchig, doch vieles, was dort zwischen den Zeilen steht, fühlt sich heute, im Jahr 2026, erstaunlich gegenwärtig an. Es ist nicht so, dass jede Einzelheit identisch wäre, aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man bestimmte soziale und politische Abläufe, die sich mit einer fast unheimlichen Präzision wiederholen. In dieser historischen Ausgabe findet sich ein kurzer Hinweis auf ein sogenanntes Herrenessen. Das klingt zunächst fast harmlos,…
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18.01.1933 – Reichsgründungstag und Flaggenstreit: Wenn Symbole zu Waffen werden
Mitten im Januar 1933 gab es in Ostdeutschland leichte Schneefälle. In Ostpreußen war es immer noch bitterkalt, um die minus 15 Grad. Dieses Wintergefühl, dieses Graue und Harte, lag aber nicht nur über den Straßen, es spiegelte sich auch in der politischen Landschaft. In den Zeitungen liest man von einer unruhigen Welt, innenpolitisch wie außenpolitisch, und trotzdem gibt es diesen Anlass, bei dem die Regierung gern so getan hätte, als gäbe es etwas zu feiern. Der 18. Januar ist so ein Datum – jedenfalls auf dem Papier. Das historische Ereignis des Tages Der sogenannte Reichsgründungstag erinnert an den 18. Januar 1871, als im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich symbolisch…
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17.01.1933 – Staats-Versagen in der Landwirtschaft: Massive Kürzungen und neue Steuern bedrohen die Höfe
In der Ausgabe der Deutschen Tageszeitung vom 17. Januar 1933 wird deutlich, dass die Landwirtschaft in der damaligen Krise kein isoliertes Thema war, sondern als zentraler wirtschaftlicher Faktor betrachtet wurde. Die Berichterstattung auf der Seite „Die Deutsche Landwirtschaft“ fungiert hierbei als Indikator für die tiefe strukturelle Krise: Es geht um massive staatliche Etatkürzungen, die Verteuerung von Produktionsmitteln und den Versuch, durch neue Kontrollmechanismen wieder Stabilität in die Märkte zu bringen. Die Texte spiegeln eine Situation wider, in der kurzfristige Sparpolitik langfristige Entwicklungschancen zu untergraben drohte. Bildungskürzungen unter dem Spardiktat Ein zentraler Beitrag unter dem Titel „Falsche Sparmaßnahmen!“ setzt sich mit der Notwendigkeit staatlicher Einsparungen auseinander, warnt jedoch vor Kürzungen im…
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16.01.1933 – Schleichers Forderung nach Wehrpflicht und die Macht des Kyffhäuser-Bundes
Heute habe ich für dieses Kalenderblatt eine Tageszeitung ausgewählt, die auf der ersten Seite über die Forderung nach einer allgemeinen Wehrpflicht berichtet: Die Putlitzer Nachrichten vom 16. Januar 1933. Inmitten einer Zeit massiver Staatsverschuldung und wirtschaftlicher Not trat Reichskanzler von Schleicher vor den Kyffhäuser-Bund und forderte die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Es war ein Moment, in dem die Sprache der Diplomatie durch die Sprache der Aufrüstung ersetzt wurde, während das Deutsche Reich finanziell mit dem Rücken zur Wand stand. Dieser Tag markiert nicht nur eine politische Forderung, sondern offenbart die tiefsitzende Sehnsucht nach einer Stärke, die am Ende in einer globalen Katastrophe münden sollte. Der Ruf nach militärischer Souveränität inmitten der…
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15.01.1933 – Die Schicksalswahl in Lippe, die Agonie des Kabinetts Schleicher und der Antisemitismus an den Universitäten
Es ist dieser schicksalshafte Sonntag, der 15. Januar 1933, an dem ich beim Lesen der Berliner Morgen Zeitung das Gefühl bekomme, in die Abgründe einer Gesellschaft zu blicken, die gerade ihren moralischen Kompass verliert. Die Schlagzeilen schreien uns förmlich entgegen, dass das Kabinett umgebildet werden soll , während im kleinen Lippe eine Wahl stattfindet, die ein Spiegel für die Zukunft des ganzen Landes ist. Es ist eine Zeit, in der politische Intrigen wie dunkle Schatten durch die Korridore der Macht schleichen und die Hoffnung auf Stabilität so zerbrechlich wirkt wie dünnes Glas in einem Wintersturm. Das Orakel von Lippe und der Tanz auf dem Vulkan Der heutige Tag steht ganz…
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13.01.1933 – Der Bruch mit dem Landbund, Eskalation der Agrarkrise und die Isolation der Industrie
Stell Dir vor, Du schlägst eine Zeitung auf und spürst schon beim Umblättern, dass die Welt, wie Du sie kennst, gerade in tausend Scherben zerbricht. Genau dieses Gefühl beschleicht mich, wenn ich die Ausgabe der Zeitung „Der Tag“ vom 13. Januar 1933 vor mir sehe. Es ist ein grauer Freitag in Berlin, und zwischen den Zeilen der Frakturschrift tobt ein politischer Vernichtungskrieg, der den Boden für das bereitet, was nur siebzehn Tage später die Welt in den Abgrund reißen sollte. An diesem Tag wurde der „Ruf nach dem starken Mann“ nicht mehr nur geflüstert – er wurde durch das totale Versagen der alten Eliten förmlich herbeigeschrien. Ein politisches Kartenhaus bricht…
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12.01.1933 – Konflikt mit dem Reichslandbund, Haushaltsdebatten im Reichstag und der Suizid der Tochter Trotzkis
Am 12. Januar 1933 trifft die kühle, mathematische Perfektion eines neuen Zeiss-Refraktors für die Vatikan-Sternwarte auf die erschütternde Einsamkeit von Sinaida Wolkowa in Berlin. Während die Wissenschaft den Blick zu den fernen Sternen lenkt, verliert sich eine verzweifelte Mutter im Schatten der Geschichte und hinterlässt nur die flehenden Zeilen, ihren Jungen gut zu behandeln. Für mich verdeutlicht dieser Tag den schmerzhaften Kontrast zwischen dem glänzenden Fortschritt einer Epoche und dem stillen, oft übersehenen Leid des einzelnen Menschen.
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09.01.1933 – Die Strukturkrise der Industrie und der Kampf um den Weltmarkt
In diesem Beitrag nehme ich Dich mit zum 9. Januar 1933 und zeige Dir, wie die damalige „Strukturkrise“ der Stahlindustrie unsere heutige wirtschaftliche Verunsicherung auf unheimliche Weise spiegelt. Ich beschreibe, wie Deutschland schon damals vom industriellen Jäger zum Gejagten wurde, während politische Intrigen im Hintergrund den Boden für dunkle Zeiten bereiteten. Für mich ist diese historische Analyse ein Weckruf, den heutigen Wandel nicht aus Angst zu verschlafen, sondern ihn wacher und entschlossener zu gestalten als die Generationen vor uns.
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08.01.1933 – Machen wir heute denselben tödlichen Fehler wie kurz vor Hitlers Machtergreifung?
An diesem Sonntag im Januar 1933 lese ich in einer alten Zeitung von einer „Politik ohne Charakter“ und erkenne darin eine Warnung, die mich heute tief berührt. Ich erzähle Dir von der Sehnsucht nach dem „starken Mann“, dem einsamen Arbeitslosen in der Berliner U-Bahn und der bitteren Erkenntnis, dass einfache Lösungen oft in den Abgrund führen. Ein Blick zurück, der uns heute mehr denn je zum Nachdenken bringen sollte.