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    15.12.1932 – Kurt von Schleicher am Mikrofon: Die letzte Hoffnung vor dem Abgrund?

    Es ist Donnerstagabend und über Deutschland liegt ein nasskalter, trüber Dezembernebel, der tief in die Kleidung kriecht. In den schlecht beheizten Wohnungen der Millionen Arbeitslosen herrscht eine gedrückte Stimmung, typisch für diesen grauen Advent. Doch um Punkt 20:00 Uhr verstummen die Gespräche in den Wohnstuben und Kneipen. Die Menschen rücken näher an ihre Radiogeräte, an die klobigen Röhrenempfänger oder die billigen Detektoren, denn eine Stimme erklingt, die das Schicksal der Republik wenden will. Reichskanzler Kurt von Schleicher, der erst seit knapp zwei Wochen im Amt ist, tritt vor das Mikrofon. Es ist mehr als nur eine Regierungserklärung, es ist der verzweifelte Versuch eines Mannes, das Ruder herumzureißen. Der soziale General…

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    12.12.1932 – Genfer Hoffnung, der Pakt des Drachen und das Zittern vor dem Zahltag

    Wenn ich heute auf diesen Montag im Dezember 1932 blicke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Es ist einer dieser Tage, an denen die Geschichte kurz den Atem anhält, bevor sie sich in eine dunkle Richtung wendet. Stell Dir vor, Du gehst an diesem Morgen durch das graue, kalte Berlin. Es ist Advent, aber von besinnlicher Vorfreude ist wenig zu spüren. Die Luft riecht nach Braunkohle und Angst, denn der Winter ist hart und weit über fünf Millionen Menschen haben keine Arbeit. Doch wenn Du an diesem 12. Dezember die Zeitung aufschlägst, springt Dir ein Wort entgegen, das wie ein wärmendes Feuer wirkt: Gleichberechtigung. Es fühlt sich an diesem…

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    10.12.1932 – Nobelpreise in Stockholm, Verfassung für Siam und die Genfer Erklärung

    Es ist ein Samstag im Advent, dieser 10. Dezember 1932. Wenn wir heute auf dieses Datum zurückblicken, fühlt es sich an, als würden wir einen tiefen Atemzug tun, kurz bevor man unter Wasser getaucht wird. Die Welt scheint sich für einen flüchtigen Moment noch einmal in ihre schönste Robe zu werfen, sie feiert den Geist, den Fortschritt und die Diplomatie. Doch wer genau hinhört, vernimmt unter dem Klirren der Sektgläser und dem Rascheln der Verträge bereits das leise, bedrohliche Grollen, das den Untergang einer Epoche ankündigt. Es ist ein Tag der extremen Kontraste, an dem das Licht der Aufklärung in Stockholm hell erstrahlt, während sich in den deutschen Gassen und…

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    08.12.1932 – Gregor Strassers Rücktritt: Wie der Weg für Hitler frei wurde

    Am 8. Dezember 1932 liegt eine seltsame Zweiteilung über dem Kontinent. Während in den katholischen Regionen des Reiches die Glocken zum Hochfest Mariä Empfängnis läuten und die Arbeit vielerorts ruht, ringen Diplomaten in Genf bei der Abrüstungskonferenz noch immer um eine Formel für die militärische Gleichberechtigung Deutschlands. Doch während dort international um Frieden und Stabilität verhandelt wird, zerbricht in Berlin in einer Atmosphäre eisiger Unruhe das letzte politische Bollwerk, das eine absolute Machtübernahme Adolf Hitlers noch hätte verhindern können. Der stille Abgang im Hotel Kaiserhof Im Berliner Hotel Kaiserhof spielt sich an diesem Vormittag ein Drama ab, das äußerlich unspektakulär wirkt, dessen Konsequenzen jedoch fatal sind. Gregor Strasser, bis zu…

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    07.12.1932 – Die trügerische Stille, bevor Deutschland zerbrach

    Wenn ich an diesen Mittwoch im Dezember 1932 denke, spüre ich fast körperlich die Kälte, die damals durch die undichten Fenster der Berliner Mietskasernen kroch. Es war nicht nur der Winterfrost, der die Menschen frösteln ließ; es war eine bleierne Müdigkeit, die sich über das ganze Land gelegt hatte. Die Straßen waren grau, die Tage erschreckend kurz, und überall herrschte das Gefühl, dass die junge Republik ihren Atem angehalten hatte. Während die Menschen Öfen am Laufen hielten und versuchten, mit dem Wenigen, das sie hatten, über die Runden zu kommen, spürte man instinktiv: Dies ist kein gewöhnlicher Dezember. Es war eine Zeit des Wartens, aber nicht auf Weihnachten, sondern auf…

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    Richard Huber 1940: Das dunkle Geheimnis um das Gemälde „Zigeuner“

    Manchmal stehe ich in einer Ausstellung und ein Bild lässt mich nicht mehr los. Nicht, weil es das lauteste oder bunteste im Raum wäre, sondern weil es mir eine Geschichte zuflüstert, die auf den ersten Blick gar nicht da ist. So erging es mir im Dachauer Bezirksmuseum, als ich vor einem Ölgemälde stand, das den schlichten Titel „Zigeuner“ trägt. Es zeigt eine Szene, wie sie romantischer kaum sein könnte: Wohnwagen stehen unter Bäumen, Pferde warten ruhig und eine Frau ist mit einer Ziege unterwegs. Der Maler Richard Huber hat diese Szene mit einem kräftigen, lebendigen Pinselstrich eingefangen. Die Farben sind erdig und gedeckt, man spürt förmlich die Stimmung eines längst…