
Zwischen Idealbild und Alltag – Warum perfekte Erziehung nicht existiert
Wenn ich auf die Anfänge unseres Familienlebens zurückblicke, dann erinnere ich mich noch sehr gut: Bevor unser erstes Kind geboren wurde, wollten wir alles richtig machen. Und mit „alles“ meine ich wirklich: alles. Wir haben Zeitschriften abonniert, Kurse besucht, uns mit anderen Eltern ausgetauscht, Hebammen befragt, uns überlegt, welches Babyfell im Bettchen das Beste sei – wir wollten es richtig machen. Nicht nur im Versorgen, sondern auch in der Erziehung.
Und weißt Du was? Dieses Idealbild hat uns lange begleitet. Immer mit dem Wunsch, gute Eltern zu sein. Vorbilder. Ein sicherer Hafen. Und dann kamen die ersten Situationen, in denen wir merkten: Wir schaffen es nicht. Nicht immer. Nicht perfekt. Manchmal haben wir es zu spät gemerkt. Manchmal hatten wir ein schlechtes Gewissen. Und mit der Zeit wurde klar: Der Anspruch, alles richtig zu machen, ist eine Illusion – und eine große Belastung.
„Komm mal in mein Büro …“
Einen Wendepunkt gab es bei uns nicht – es war eher ein langsamer Prozess. Aber wir haben für uns etwas Wichtiges erkannt: Unsere Kinder sollen nicht perfekte Eltern erleben, sondern echte. Eltern, die Fehler machen. Die sich entschuldigen. Die sagen können: „Ich hab’s falsch gemacht.“
Reden war bei uns ein zentraler Bestandteil. Mein Büro war im Haus – und wann immer etwas vorgefallen war, haben wir gesagt: „Komm mal in mein Büro …“ Das war bei uns ein geflügeltes Wort. Meistens bedeutete es: Ein Kind hat etwas verbockt und wir mussten reden. Aber manchmal war ich es auch, der gerufen hat – um mich zu entschuldigen. Um zu sagen: „Das war nicht okay, wie ich reagiert habe.“ Diese Gespräche – ehrlich, ruhig, ohne Drama – waren für unsere Familie Gold wert.
Behandle Dein Kind so, wie Du behandelt werden willst.
Das ist mein einfachstes und zugleich tiefstes Prinzip in der Erziehung. Kein Fachbuch, keine Super-Nanny, keine Methode – einfach dieser Satz. Er bedeutet: Respekt. Zuhören. Fehler zugeben. Grenzen setzen mit Liebe. Und es bedeutet, das Kind als Mensch ernst zu nehmen – mit all seinen Gefühlen, Unsicherheiten, Bedürfnissen.
Ich sehe heute bei meinen Kindern, wie sie selbst Eltern sind. Und weißt Du, was mich richtig stolz macht? Dass sie nicht versuchen, perfekte Mama oder Papas zu sein. Sie machen Fehler – so wie wir. Aber sie gehen offen damit um. Sie entschuldigen sich. Sie verstecken sich nicht hinter Rechthaberei. Sie geben nicht vor, alles zu wissen. Und ich glaube, genau das haben sie bei uns gesehen.
Druck raus – Herz rein.
Wenn Du gerade mitten im Erziehungsalltag steckst, wenn Du das Gefühl hast, Du müsstest funktionieren, alles im Griff haben, perfekt sein – dann atme kurz durch. Wirklich. Du darfst Fehler machen. Du wirst Fehler machen. Aber wenn Du ehrlich bleibst, liebevoll bleibst und bereit bist, zu lernen – dann bist Du genau richtig. Genau so, wie Du bist.
Perfekte Erziehung? Gibt es nicht. Aber echte. Und die bleibt.
🎧 Im heutigen Podcast erzähle ich Dir noch mehr über diesen Weg – mit eigenen Beispielen, mit einem Augenzwinkern und einer großen Portion Ehrlichkeit. Hör gern rein. Du findest ihn auf YouTube und Spotify…

