Selbstfürsorge als Eltern – Warum Du Dich nicht selbst vergessen darfst
Das unaufhörliche Ticken der Küchenuhr verschwindet meist im permanenten Grundrauschen des Alltags, bis zu jenem einen Moment der absoluten Stille, in dem das eigene System plötzlich signalisiert, dass die Belastungsgrenze nicht nur erreicht, sondern längst überschritten ist. Wenn Du als Mutter, vielleicht sogar als Alleinerziehende, Tag für Tag funktionierst, verlierst Du schleichend den Blick für Dich selbst. Die To-do-Listen diktieren den unerbittlichen Rhythmus zwischen Beruf, Haushalt, Hausaufgabenbetreuung, Arztterminen und den unzähligen unsichtbaren mentalen Lasten, die das Management einer Familie mit sich bringt. Es ist ein Zustand des permanenten Abgebens von Energie, ohne jemals neuen Treibstoff zuzuführen. Und irgendwann bricht er sich Bahn, dieser lähmende Gedanke, dass der eigene Körper und der Geist einfach nicht mehr können, während das Pflichtgefühl im Hinterkopf unbarmherzig flüstert, dass man doch funktionieren muss, weil es sonst niemand tut. Doch genau an dieser Stelle dürfen und müssen wir innehalten, denn das blinde Weiterlaufen im Hamsterrad führt unweigerlich in die totale Erschöpfung.
Es ist ein gefährlicher Trugschluss zu glauben, dass diese dauerhafte Selbstaufgabe eine unumgängliche Pflicht darstellt. Wer ununterbrochen über die eigenen physischen und psychischen Grenzen geht, zahlt einen extrem hohen Preis, der sich oft zuerst in einer schleichenden Wesensveränderung zeigt. Aus der eigentlich liebevollen, geduldigen Bezugsperson wird durch pure, chronische Überlastung ein gereizter, ungeduldiger und bisweilen lauter Mensch. Die Warnsignale des Körpers und der Seele sind laut, wenn wir erst einmal lernen, wieder hinzuhören. Eine plötzliche Ungerechtigkeit gegenüber den Liebsten, ein permanent erhöhter Puls bei unbedeutenden Kleinigkeiten und das Gefühl, innerlich regelrecht auszubrennen, sind keine Charakterfehler. Sie sind der verzweifelte Notschrei eines Systems, das dringend eine Pause benötigt. Sich einzugestehen, dass die Kräfte am Ende sind, erfordert paradoxerweise oft weit mehr Mut, als einfach stumpf weiterzufunktionieren und den inneren Zusammenbruch zu riskieren.
Das Video wird von YouTube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google.
Die unsichtbare Last des Funktionierens und der Mut zum Stopp
Auch wenn ich die spezifische Situation einer alleinerziehenden Mutter nicht aus eigener Erfahrung als Betroffener kenne, so ist mir das erdrückende Gefühl, wenn die gesamte Verantwortung einer Existenz schwer auf den eigenen Schultern lastet, zutiefst vertraut. In unserem Leben gab es Phasen, in denen das Schicksal mit unbarmherziger Härte zuschlug. Der verheerende Hausbrand, schwere Krankheiten in der Familie und die damit einhergehenden, nackten Existenzängste haben uns an die absoluten Grenzen des Machbaren geführt. Es gab Zeiten, in denen meine Frau Dani körperlich und seelisch kaum noch in der Lage war, den Alltag zu bewältigen, und ich derjenige war, der die alleinige Verantwortung tragen musste, um den gesamten Laden irgendwie zusammenzuhalten. In diesen Momenten wird einem schmerzhaft bewusst, dass es selten die reine Erziehungsarbeit oder die alltägliche Beschäftigung mit den Kindern ist, die uns in die Knie zwingt. Es ist das erdrückende Drumherum, die unbarmherzige Summe aller Verpflichtungen, Sorgen und Schicksalsschläge, die wie ein bleierner Mantel auf einem liegt.
Was mich damals vor dem völligen emotionalen Absturz bewahrt hat, war die bewusste Erschaffung kleiner, fast unscheinbarer Inseln im Alltag. Struktur war mein persönlicher Rettungsanker in einem Ozean aus Chaos und Sorgen. Wenn die Welt im Außen zusammenbricht, bringt eine klare innere und äußere Gliederung das dringend benötigte Gefühl von Kontrolle und Klarheit zurück, und Klarheit wiederum ist der direkte Nährboden für neue Kraft. Für mich bedeutete das, mir bewusste Momente der Isolation zu schenken, und seien sie noch so kurz. Ein einsamer Spaziergang im Wald, ein ungestörter Moment am Schreibtisch mit einem leeren Blatt Papier und einem Stift, das Festhalten von Gedanken, ein tiefes, ehrliches Gebet oder schlichtweg die bewusste, absolute Stille, in der keine Erwartungen von außen an mich herangetragen wurden. Diese Mikropausen verändern vielleicht nicht sofort die Gesamtsituation, aber sie kalibrieren das Nervensystem neu und verhindern, dass wir die Kontrolle über unsere Reaktionen verlieren.
Selbstfürsorge ist der größte Liebesdienst an Deinen Kindern
Es existiert ein tief sitzender gesellschaftlicher Irrglaube, dass Selbstfürsorge eine Form von Egoismus sei. Besonders Mütter neigen dazu, sofort von massiven Schuldgefühlen geplagt zu werden, sobald sie sich Zeit für die eigenen Bedürfnisse einräumen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Deine Kinder besitzen feine Antennen für Deinen emotionalen Zustand und sie spüren instinktiv, wenn Deine inneren Reserven restlos aufgebraucht sind. Ein leerer Brunnen kann kein Wasser spenden. Wenn Du Dir Pausen gönnst und Deine eigenen Grenzen achtest, lebst Du Deinen Kindern eine der wichtigsten Lektionen überhaupt vor: die Kunst der gesunden Selbstbehauptung und echten Lebenskunst. Du zeigst ihnen, dass jeder Mensch wertvoll ist und achtsam mit seinen Ressourcen umgehen muss, womit Du ihnen ein gesundes Fundament für ihr eigenes späteres Leben schenkst.
Niemand muss den schweren Weg des Alltags ganz alleine bestreiten, und es ist keine Schande, professionelle oder private Unterstützung einzufordern. Wenn der Punkt erreicht ist, an dem kein Ausweg mehr sichtbar scheint, ist der Gang zu einer Freundin, die Zusammenarbeit mit einem Coach, der gemeinsam mit Dir den Alltag strukturiert, oder das Nutzen von Beratungsstellen, dem Jugendamt und Elternnetzwerken ein Act der Stärke, nicht der Schwäche. Manchmal bedarf es gar keiner monumentalen Lebensveränderung, um eine spürbare Entlastung zu erfahren. Oft reicht ein einziges, tiefes Gespräch, eine halbe Stunde ungestörte Zeit nur für Dich oder der eine, radikal ehrliche Gedanke: Ich bin wichtig, ich darf einfach nur sein, und ich darf tief durchatmen. Ich wünsche mir, dass diese Zeilen und mein Podcast für Dich ein solcher Moment des Innehaltens sind, ein kleiner, stabiler Anker im stürmischen Alltag, und wenn Du das Gefühl hast, Du brauchst auf diesem Weg Begleitung, bin ich da – als Coach oder einfach als Mensch, der Dir zuhört.
Wie gehst Du mit Phasen extremen Stresses um, und welche kleinen Inseln der Ruhe retten Dir im Alltag den Tag? Lass uns in den Kommentaren an Deinen Erfahrungen teilhaben, denn oft hilft schon das Wissen, dass man mit diesen Gefühlen nicht alleine ist.
Euer Schimon
🎧 Du möchtest den Podcast zum Artikel hören? Du findest ihn auf YouTube und Spotify…
Entdecke mehr von Schimons Welt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.