
Sag mir die Wahrheit – aber bitte mit Herz
Es ist ein seltsames Spannungsfeld: Wir sehnen uns nach Ehrlichkeit in unseren Beziehungen – und gleichzeitig fürchten wir sie. Warum ist das so?
Vielleicht, weil wir ahnen, dass ehrliche Worte etwas in uns bewegen. Sie durchdringen die Schutzschicht, hinter der wir uns verstecken. Sie zeigen uns, wie andere uns wirklich sehen – und wie wir auf andere wirken. Und genau deshalb brauchen wir sie.
Ich erinnere mich gut an eine Szene nach einem Vortrag. Ich war richtig zufrieden mit meinem Auftritt, dachte: Das war rund, das kam gut an. Und dann kam jemand auf mich zu, bat mich um ein kurzes Gespräch – und sagte mir ganz offen: „Peter, du hast viel zu viel drum herum geredet. Der Vortrag hätte viel früher auf den Punkt kommen können.“
Im ersten Moment war ich ehrlich getroffen. Ich hatte Lob erwartet – und bekam Kritik. Aber weißt du was? Diese Rückmeldung hat mich weitergebracht. Ich habe sie nicht als Angriff verstanden, sondern als Einladung, besser zu werden. Und genau das habe ich getan.
Diese ehrliche Begegnung hat nicht nur meinen Vortrag verändert. Sie hat auch die Beziehung zu dieser Person verändert. Aus der Offenheit entstand Vertrauen. Und später hatte ich selbst den Mut, dieser Person einmal eine Rückmeldung zu geben. So wurde aus einer kritischen Bemerkung eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Und zuletzt waren wir beruflich ein starkes Team.
Ehrlichkeit vertieft Beziehungen
Aber nur dann, wenn sie mit Respekt geschieht. Wenn sie nicht verurteilt, sondern erklärt. Wenn sie nicht belehrt, sondern berührt.
Viele Menschen scheuen sich davor, ehrlich zu sein – aus Angst, jemanden zu verletzen. Oder weil sie glauben, dass es eh nichts bringt. Aber das Gegenteil ist der Fall: Gerade dann, wenn wir uns trauen, ehrlich zu sein, können wir Nähe schaffen. Nicht durch Kritisieren, sondern durch echtes Interesse. Durch Zuhören. Durch die Bereitschaft, auch mal ein unbequemes Thema anzusprechen – liebevoll, aber klar.
Und genauso wichtig ist das andere: Offen zu sein für Rückmeldungen. Auch wenn sie wehtun. Auch wenn sie überraschen. Denn manchmal liegt in einem kritischen Satz genau der Schlüssel, den wir brauchen, um weiterzukommen.
Ich glaube, dass wir mehr Mut zur Ehrlichkeit brauchen – im Beruf, in der Partnerschaft, in Freundschaften. Und gleichzeitig mehr Fingerspitzengefühl. Denn es geht nicht darum, die Wahrheit wie ein Schwert zu benutzen. Sondern sie wie ein Licht zu tragen – das Orientierung gibt, ohne zu blenden.
Vielleicht gibt es in deinem Leben gerade eine Beziehung, die oberflächlich geworden ist. Vielleicht fehlt die Tiefe, das Vertrauen. Dann frag dich: Habt ihr euch in letzter Zeit wirklich ehrlich ausgetauscht? Oder schweigt ihr aus Bequemlichkeit?
Ehrlichkeit braucht Zeit. Und den richtigen Moment. Aber sie lohnt sich. Immer.
🎧 Die passende Podcast-Folge „Sag mir die Wahrheit – aber bitte mit Herz“ findest du hier bei YouTube und auf Spotify.

