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    14.12.1932 – Ein General hofft, ein Diktator handelt

    Es ist ein grauer, nasskalter Mittwoch in Berlin. In den Schaufenstern am Kurfürstendamm glitzert die Weihnachtsdekoration, doch davor stehen Menschen mit hochgeschlagenen Kragen und leeren Taschen. Es sind nur noch zehn Tage bis Heiligabend – ein „Weihnachten der Armut“ steht bevor. Die Stadt hält den Atem an, erschöpft von einem Jahr voller Wahlen, Straßenschlachten und Notverordnungen. Wer heute in die Zeitungen blickt, könnte fast glauben, das Schlimmste sei überstanden. Aber der 14. Dezember ist ein Tag der optischen Täuschung. Der General, der sich zu sicher ist In der Reichskanzlei herrscht fast so etwas wie Optimismus. Reichskanzler Kurt von Schleicher, der „soziale General“, fühlt sich an diesem Morgen stark. Erst vor…

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    13.12.1932 – Der Zorn in Rom, die Angst im Kaiserhof und eine trügerische Ruhe

    Stell Dir vor, wir blättern gemeinsam zurück, fast ein Jahrhundert, an einen nasskalten Dienstag im Dezember. Wenn wir an das Jahr 1932 denken, haben wir oft sofort die Bilder von Fackelzügen und Marschierern im Kopf, doch der 13. Dezember 1932 erzählt uns eine ganz andere, leisere und zugleich unheimlichere Geschichte. Es ist ein Tag, an dem das Schicksal der Welt auf Messers Schneide stand, getarnt als ein ganz normaler Wintertag. Während die Menschen ihre Krägen gegen den feuchten Wind hochschlugen und sich auf das Weihnachtsfest vorbereiteten, brodelte es unter der Oberfläche. Es ist der Tag, an dem die Dunkelheit, die bald über Europa hereinbrechen sollte, noch einmal zögerte und sich…

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    12.12.1932 – Genfer Hoffnung, der Pakt des Drachen und das Zittern vor dem Zahltag

    Wenn ich heute auf diesen Montag im Dezember 1932 blicke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Es ist einer dieser Tage, an denen die Geschichte kurz den Atem anhält, bevor sie sich in eine dunkle Richtung wendet. Stell Dir vor, Du gehst an diesem Morgen durch das graue, kalte Berlin. Es ist Advent, aber von besinnlicher Vorfreude ist wenig zu spüren. Die Luft riecht nach Braunkohle und Angst, denn der Winter ist hart und weit über fünf Millionen Menschen haben keine Arbeit. Doch wenn Du an diesem 12. Dezember die Zeitung aufschlägst, springt Dir ein Wort entgegen, das wie ein wärmendes Feuer wirkt: Gleichberechtigung. Es fühlt sich an diesem…

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    11.12.1932 – Die Fünf-Mächte-Erklärung, der Fall Strasser und die trügerische Ruhe

    Es ist der dritte Advent, ein kalter, grauer Sonntag, an dem sich eine trügerische Stille über Deutschland legt. Während in den Wohnzimmern die Kerzen brennen und die Menschen versuchen, die wirtschaftliche Not für einen Moment zu vergessen, atmet die Weltpolitik scheinbar auf. Die Zeitungen sind voll von einer Nachricht, die wie ein Befreiungsschlag wirkt und doch, ohne dass es die Leser ahnen, das Tor zur Hölle einen Spalt weiter öffnet. In Genf, weit weg vom Berliner Nieselregen, haben sich die Großmächte geeinigt. „Gleichberechtigung“ ist das Wort der Stunde, das an diesem Tag von den Kanzeln und Stammtischen widerhallt. Man glaubt an Entspannung, an einen diplomatischen Erfolg der Regierung Schleicher, und…

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    10.12.1932 – Nobelpreise in Stockholm, Verfassung für Siam und die Genfer Erklärung

    Es ist ein Samstag im Advent, dieser 10. Dezember 1932. Wenn wir heute auf dieses Datum zurückblicken, fühlt es sich an, als würden wir einen tiefen Atemzug tun, kurz bevor man unter Wasser getaucht wird. Die Welt scheint sich für einen flüchtigen Moment noch einmal in ihre schönste Robe zu werfen, sie feiert den Geist, den Fortschritt und die Diplomatie. Doch wer genau hinhört, vernimmt unter dem Klirren der Sektgläser und dem Rascheln der Verträge bereits das leise, bedrohliche Grollen, das den Untergang einer Epoche ankündigt. Es ist ein Tag der extremen Kontraste, an dem das Licht der Aufklärung in Stockholm hell erstrahlt, während sich in den deutschen Gassen und…

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    9.12.1932 – Einsteins leiser Abschied, trügerische Amnestie und der Beginn eines fernen Krieges

    Wenn ich heute auf den 9. Dezember 1932 zurückschaue, dann spüre ich vor allem die Kälte dieses Freitags. Es war ein Tag mitten im harten Winter, geprägt von Arbeitslosigkeit und der täglichen Sorge ums Überleben. Die Menschen in Deutschland waren müde von den politischen Kämpfen und sehnten sich einfach nur nach Ruhe. Es ist ein Datum, das mich sehr nachdenklich stimmt, weil es uns zeigt, wie ahnungslos wir oft mitten in historischen Wendepunkten stecken. Während die meisten nur auf das kommende Weihnachtsfest hofften, wurden im Hintergrund – teils laut, teils ganz leise – die Weichen für eine dunkle Zukunft gestellt. In Berlin, in Asien und in einem kleinen Haus in…

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    08.12.1932 – Gregor Strassers Rücktritt: Wie der Weg für Hitler frei wurde

    Am 8. Dezember 1932 liegt eine seltsame Zweiteilung über dem Kontinent. Während in den katholischen Regionen des Reiches die Glocken zum Hochfest Mariä Empfängnis läuten und die Arbeit vielerorts ruht, ringen Diplomaten in Genf bei der Abrüstungskonferenz noch immer um eine Formel für die militärische Gleichberechtigung Deutschlands. Doch während dort international um Frieden und Stabilität verhandelt wird, zerbricht in Berlin in einer Atmosphäre eisiger Unruhe das letzte politische Bollwerk, das eine absolute Machtübernahme Adolf Hitlers noch hätte verhindern können. Der stille Abgang im Hotel Kaiserhof Im Berliner Hotel Kaiserhof spielt sich an diesem Vormittag ein Drama ab, das äußerlich unspektakulär wirkt, dessen Konsequenzen jedoch fatal sind. Gregor Strasser, bis zu…

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    07.12.1932 – Die trügerische Stille, bevor Deutschland zerbrach

    Wenn ich an diesen Mittwoch im Dezember 1932 denke, spüre ich fast körperlich die Kälte, die damals durch die undichten Fenster der Berliner Mietskasernen kroch. Es war nicht nur der Winterfrost, der die Menschen frösteln ließ; es war eine bleierne Müdigkeit, die sich über das ganze Land gelegt hatte. Die Straßen waren grau, die Tage erschreckend kurz, und überall herrschte das Gefühl, dass die junge Republik ihren Atem angehalten hatte. Während die Menschen Öfen am Laufen hielten und versuchten, mit dem Wenigen, das sie hatten, über die Runden zu kommen, spürte man instinktiv: Dies ist kein gewöhnlicher Dezember. Es war eine Zeit des Wartens, aber nicht auf Weihnachten, sondern auf…