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15.01.1933 – Die Schicksalswahl in Lippe, die Agonie des Kabinetts Schleicher und der Antisemitismus an den Universitäten
Es ist dieser schicksalshafte Sonntag, der 15. Januar 1933, an dem ich beim Lesen der Berliner Morgen Zeitung das Gefühl bekomme, in die Abgründe einer Gesellschaft zu blicken, die gerade ihren moralischen Kompass verliert. Die Schlagzeilen schreien uns förmlich entgegen, dass das Kabinett umgebildet werden soll , während im kleinen Lippe eine Wahl stattfindet, die ein Spiegel für die Zukunft des ganzen Landes ist. Es ist eine Zeit, in der politische Intrigen wie dunkle Schatten durch die Korridore der Macht schleichen und die Hoffnung auf Stabilität so zerbrechlich wirkt wie dünnes Glas in einem Wintersturm. Das Orakel von Lippe und der Tanz auf dem Vulkan Der heutige Tag steht ganz…
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15.12.1932 – Kurt von Schleicher am Mikrofon: Die letzte Hoffnung vor dem Abgrund?
Es ist Donnerstagabend und über Deutschland liegt ein nasskalter, trüber Dezembernebel, der tief in die Kleidung kriecht. In den schlecht beheizten Wohnungen der Millionen Arbeitslosen herrscht eine gedrückte Stimmung, typisch für diesen grauen Advent. Doch um Punkt 20:00 Uhr verstummen die Gespräche in den Wohnstuben und Kneipen. Die Menschen rücken näher an ihre Radiogeräte, an die klobigen Röhrenempfänger oder die billigen Detektoren, denn eine Stimme erklingt, die das Schicksal der Republik wenden will. Reichskanzler Kurt von Schleicher, der erst seit knapp zwei Wochen im Amt ist, tritt vor das Mikrofon. Es ist mehr als nur eine Regierungserklärung, es ist der verzweifelte Versuch eines Mannes, das Ruder herumzureißen. Der soziale General…
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11.12.1932 – Die Fünf-Mächte-Erklärung, der Fall Strasser und die trügerische Ruhe
Es ist der dritte Advent, ein kalter, grauer Sonntag, an dem sich eine trügerische Stille über Deutschland legt. Während in den Wohnzimmern die Kerzen brennen und die Menschen versuchen, die wirtschaftliche Not für einen Moment zu vergessen, atmet die Weltpolitik scheinbar auf. Die Zeitungen sind voll von einer Nachricht, die wie ein Befreiungsschlag wirkt und doch, ohne dass es die Leser ahnen, das Tor zur Hölle einen Spalt weiter öffnet. In Genf, weit weg vom Berliner Nieselregen, haben sich die Großmächte geeinigt. „Gleichberechtigung“ ist das Wort der Stunde, das an diesem Tag von den Kanzeln und Stammtischen widerhallt. Man glaubt an Entspannung, an einen diplomatischen Erfolg der Regierung Schleicher, und…
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08.12.1932 – Gregor Strassers Rücktritt: Wie der Weg für Hitler frei wurde
Am 8. Dezember 1932 liegt eine seltsame Zweiteilung über dem Kontinent. Während in den katholischen Regionen des Reiches die Glocken zum Hochfest Mariä Empfängnis läuten und die Arbeit vielerorts ruht, ringen Diplomaten in Genf bei der Abrüstungskonferenz noch immer um eine Formel für die militärische Gleichberechtigung Deutschlands. Doch während dort international um Frieden und Stabilität verhandelt wird, zerbricht in Berlin in einer Atmosphäre eisiger Unruhe das letzte politische Bollwerk, das eine absolute Machtübernahme Adolf Hitlers noch hätte verhindern können. Der stille Abgang im Hotel Kaiserhof Im Berliner Hotel Kaiserhof spielt sich an diesem Vormittag ein Drama ab, das äußerlich unspektakulär wirkt, dessen Konsequenzen jedoch fatal sind. Gregor Strasser, bis zu…
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07.12.1932 – Die trügerische Stille, bevor Deutschland zerbrach
Wenn ich an diesen Mittwoch im Dezember 1932 denke, spüre ich fast körperlich die Kälte, die damals durch die undichten Fenster der Berliner Mietskasernen kroch. Es war nicht nur der Winterfrost, der die Menschen frösteln ließ; es war eine bleierne Müdigkeit, die sich über das ganze Land gelegt hatte. Die Straßen waren grau, die Tage erschreckend kurz, und überall herrschte das Gefühl, dass die junge Republik ihren Atem angehalten hatte. Während die Menschen Öfen am Laufen hielten und versuchten, mit dem Wenigen, das sie hatten, über die Runden zu kommen, spürte man instinktiv: Dies ist kein gewöhnlicher Dezember. Es war eine Zeit des Wartens, aber nicht auf Weihnachten, sondern auf…