Aquaponik – Wissen & Anwendungen

Wie aus einem 60-Liter-Aquarium ein großer Traum wuchs: Mein holpriger Start in die Aquaponik

Es war im April 2012. Irgendwie bin ich im Internet auf das Thema Aquaponik gestoßen. Damals war der große Hype um das Berliner Projekt „Tomatenfisch“ noch nicht einmal angelaufen. Aus den USA, Australien und vielen anderen Ländern schwappten Videos zu „Backyard Aquaponics“ zu uns rüber. Ich war fasziniert von all den Möglichkeiten, die die Aquaponik bietet. Ich hatte zuvor noch nie von dieser Synergie zwischen Fisch und Gemüse gehört – die Vorstellung, beides gemeinsam in einem Kreislauf zu kultivieren, hat mich sofort elektrisiert. Ich arbeitete damals in der sozialen Arbeit und hätte am liebsten sofort eine riesige Anlage im Garten gebaut. Das Problem war nur: Ich hatte keinen Garten.

Was ich hatte, war mein Büro. Ein Zimmer mit einem Dachfenster. Und genau unter dieses Fenster, so mein Plan, sollte meine erste Anlage. Ich war damals wirklich grün hinter den Ohren, hatte kaum Ahnung von der Materie, aber ich wollte unbedingt experimentieren. Also besorgte ich mir ein kleines 60-Liter-Aquarium und ein einfaches Metallregal aus dem Baumarkt, das perfekt in die Nische passte. Das Aquarium kam ganz nach unten.

Zwei Regalfächer darüber platzierte ich zwei Kunststoffschalen, die ich ebenfalls im Baumarkt gefunden hatte. Die kleine Pumpe des Aquariums schaffte es tatsächlich, das Wasser bis ganz nach oben zu befördern. Mein Plan war simpel: Das Wasser sollte in die oberste Schale gepumpt werden, von dort in die zweite fließen und schließlich zurück ins Aquarium plätschern. Einen Filter hielt ich für überflüssig – ich füllte die Schalen einfach mit Blähton und baute den Auslauf so hoch, dass permanent ein Drittel des Wassers in den Schalen stand, während die oberen zwei Drittel als Trockenzone dienten.

Dann brauchte ich Bewohner. Speisefische kamen für das winzige Becken natürlich nicht infrage, und das Budget war ohnehin knapp. Ein Freund meines Sohnes hatte massenweise Guppys, die er mir schenkte. Also setzte ich eine ganze Ladung dieser flinken Kerlchen ein, fütterte sie fleißig und beobachtete fasziniert, wie das Wasser unaufhörlich durch mein selbst gebautes System zirkulierte. Der Nährstoffkreislauf war mir zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt noch ein Rätsel, aber es funktionierte – zumindest floss das Wasser.

Wie aus einem 60-Liter-Aquarium ein großer Traum wuchs: Mein holpriger Start in die Aquaponik
Erste Versuche mit der Bewässerung und dem Blähton.

Ein paar Tage später kaufte ich die ersten Setzlinge: Salat und Schnittlauch. Ich hatte in YouTube-Videos gesehen, dass man die Erde vorsichtig von den Wurzeln abwaschen muss, bevor man sie in den Blähton setzt. Anfangs hingen die Blätter traurig herunter – der Stress des Umzugs –, aber nach einer Weile erholten sie sich. Ich muss gestehen, dass ich die Wasserqualität anfangs überhaupt nicht getestet habe. Erst viel später besorgte ich mir Teststreifen und fing an zu verstehen, was da biologisch eigentlich passierte.

Das Licht unter dem Dachfenster war spärlich, eine spezielle Pflanzenleuchte hatte ich nicht. Der Salat wuchs zwar etwas spiddelig und streckte sich extrem dem Licht entgegen, aber für mich war es ein riesiger Erfolg! Später entdeckte ich das Thema Weizengras für mich. Da die Kunststoffschalen leicht milchig-durchsichtig waren, konnte ich fasziniert beobachten, wie sich unter dem Weizengras eine dichte, weiße Wurzelmatte bildete. Das war für mich das Zeichen: Das Wasser ist sauerstoffreich, den Pflanzen geht es gut.

Wie aus einem 60-Liter-Aquarium ein großer Traum wuchs: Mein holpriger Start in die Aquaponik
Weizengras wächst im Blähton.

Wochenlang experimentierte ich herum, veränderte Schläuche, sprühte mal über den Blähton oder ließ das Wasser direkt einfließen. Irgendwann packte mich der Ehrgeiz: Ein größeres System musste her! Ich ging zu meiner Frau und sagte: „Die Aquaponik ist so faszinierend, ich habe schon einen Plan für eine große Anlage im Kopf. Wir brauchen ein Haus mit Garten.“ Und tatsächlich, kurz darauf fanden wir im Nachbarort ein kleines Häuschen zur Miete. Dort entstand dann meine zweite, deutlich größere Anlage – aber davon erzähle ich dir im nächsten Artikel.

Was ich dir heute mitgeben möchte: Träume beginnen oft in ganz kleinen Schritten. Es ist wichtig, diese ersten Schritte zu gehen und nicht beim Träumen stehen zu bleiben. Meine Mini-Anlage war technisch gesehen sicher nicht optimal, aber sie war mein Startschuss. Der Vorteil an so einem kleinen System ist, dass man Fehler schnell bemerkt und daraus lernt, ohne gleich ein Vermögen zu verlieren oder ein großes Fischsterben zu riskieren. In so einem kleinen Becken reagiert die Biologie extrem schnell – innerhalb einer Stunde kann alles kippen, aber man sieht eben auch sofort, ob eine Veränderung am System positiv oder negativ wirkt.

Welche Träume hast du, vielleicht sogar in Bezug auf Aquaponik? Vor welchen ersten Schritten stehst du gerade, um deinen Traum zu realisieren? Oder hast du vielleicht auch schon einmal ganz klein angefangen und bist heute an einem ganz anderen Punkt? Schreib es mir gerne in die Kommentare – ich bin gespannt auf deine Geschichte!

Euer Schimon


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Peter Winkler ist Aquaponiker, Coach und Blogger. Sein theologisches Studium war die Basis für eine langjährige Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Seit 2012 beschäftigt er sich mit der Aquaponik. Durch seine Expertise entstanden mehrere Produktionsanlagen im In.- und Ausland. Mit dem Blog "Schimons Welt" möchte er die Themen teilen, die ihn bewegen und damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

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