Podcast

Worte, die heilen – Warum Lob so viel mehr ist als nette Worte

Es gibt diese Momente im Leben, da wünscht man sich einfach nur ein einziges Wort. Ein ehrliches „Das hast du gut gemacht“. Ein kleines „Ich sehe, was du leistest“. Und manchmal bleibt genau das aus. Nicht, weil es keiner meint. Sondern weil viele verlernt haben, es zu sagen.

Ich erinnere mich gut an Phasen in meinem Leben, in denen ich mit voller Überzeugung neue Wege gegangen bin. Ich hatte Träume, Ideen, Projekte – aber sie passten nicht zu dem, was sich meine Familie oder mein Umfeld vorgestellt hatte. Statt Lob kam Schweigen. Oder Skepsis. Und ich stand da mit der Frage: Lohnt sich das überhaupt, wenn es niemand würdigt?

Die Wahrheit ist: Wir alle sind hungrig nach Anerkennung. Und das ist nichts Schlechtes.

Schon als Kinder wachsen wir in einem Klima auf, in dem Lob und Tadel unsere Handlungen steuern. Wer gelobt wird, blüht auf. Wer ignoriert wird, verkümmert innerlich. Und so tragen viele von uns bis ins Erwachsenenleben eine tiefe Sehnsucht in sich – gesehen zu werden, anerkannt zu werden, gehört zu werden.

Aber was tun, wenn das Lob ausbleibt?

Diese Frage ist keine Kleinigkeit. Sie entscheidet mitunter über die Richtung unseres Lebens. Denn wenn wir nur dann weitermachen, wenn jemand klatscht, machen wir uns abhängig. Und wenn wir alles hinschmeißen, weil keiner unseren Einsatz sieht, dann verraten wir vielleicht unsere eigene Berufung.

Ich habe gelernt: Es ist wichtig, Lob nicht zur Bedingung zu machen. Aber es ist genauso wichtig, es nicht zu unterschätzen.

Lob ist Nahrung für die Seele. Und wie bei echter Nahrung kommt es auf die Qualität an. Oberflächliches Loben – so à la „Du bist der Beste“ – kann sogar das Gegenteil bewirken. Aber ehrliches, konkretes Lob – das wirkt tief. Es bestärkt, es beflügelt, es heilt. Es sagt: Du bist wertvoll. Nicht nur für das, was du tust – sondern auch für das, was du bist.

Ich wünsche mir, dass wir in unserer Gesellschaft wieder lernen, großzügiger mit Anerkennung umzugehen. Nicht nur in Beziehungen, sondern auch im Beruf, in der Familie, im Alltag.

Es beginnt mit einem bewussten Blick. Mit der Entscheidung, Gutes nicht nur zu denken, sondern auszusprechen. Und mit dem Mut, Lob auch anzunehmen – ohne sich dafür zu rechtfertigen.

Ich weiß, wie schwer das manchmal sein kann. Gerade, wenn man lange ohne diese Rückmeldung unterwegs war. Vielleicht hast du dir in deinem Leben eine dicke Rüstung zugelegt. Weil du zu oft enttäuscht wurdest. Weil du gelernt hast, dich selbst zu motivieren, wenn keiner klatscht. Das ist stark. Aber vielleicht darf diese Rüstung langsam wieder weicher werden.

Denn wir brauchen einander. Wir brauchen ehrliche Worte. Wir brauchen Anerkennung – als Brücke zwischen Menschen.

Und wenn du heute nur eine Sache mitnimmst, dann vielleicht diese:

Warte nicht darauf, Lob zu bekommen. Fang an, es zu geben.

Sag jemandem, was dich beeindruckt hat. Sag es konkret. Sag es ehrlich. Und wenn du selbst Lob bekommst – nimm es an. Einfach so. Ohne Abwehr. Ohne „Ach, das war doch nichts“.

Denn Worte haben Kraft. Und manchmal reicht ein einziger Satz, um in einem Menschen etwas zum Blühen zu bringen, das lange geschlummert hat.

🎧 Die Podcast-Folge zu diesem Thema findest Du unter YouTube und Spotify

Peter Winkler ist Aquaponiker, Coach und Blogger. Sein theologisches Studium war die Basis für eine langjährige Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Seit 2012 beschäftigt er sich mit der Aquaponik. Durch seine Expertise entstanden mehrere Produktionsanlagen im In.- und Ausland. Mit dem Blog "Schimons Welt" möchte er die Themen teilen, die ihn bewegen und damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert