Mein Blick

Trump wirft Kanada aus dem „Friedensrat“ – und ich merke, wie viel Macht sich Trump angehäuft hat

Als ich diese Meldung las, spürte ich sofort dieses unangenehme Ziehen in der Magengegend, diesen kalten Hauch von Kontrollverlust. Es ist die Erkenntnis, wie Donald Trump Politik versteht: nicht als mühsamen Prozess der Diplomatie, sondern als reine Bühne. In Davos wird ein „Friedensrat“ präsentiert, nur um wenige Stunden später Kanada per Truth-Social-Post wieder auszuladen, weil Mark Carney es wagte, in seiner Rede eine Gegenposition zu beziehen. Das ist kein politisches Handeln im klassischen Sinne, es ist eine nackte Machtdemonstration, die eine klare Botschaft sendet: Wer widerspricht, fliegt raus. Genau diese Willkür macht die Geschichte für mich so brisant. Trump nennt das Konstrukt „Board of Peace“, als wäre der Name allein schon der Beweis für seine Größe, während er gleichzeitig die Einladung an einen langjährigen Verbündeten öffentlich widerruft. Kein Gespräch, keine diplomatische Note, kein Versuch, den Anschein von Staatshandeln zu wahren – stattdessen nur ein paar Zeilen auf seiner eigenen Plattform. Was das in mir auslöst, ist mehr als nur Ärger; es ist ein fassungsloses Staunen darüber, wie schnell sich Grenzen verschieben lassen, wenn man Politik konsequent als Show aufzieht. Heute trifft es Kanada, morgen vielleicht jeden, der es wagt, eine eigene Haltung zu zeigen. Mark Carney sprach in Davos von einer Ruptur, einem Bruch der Weltordnung, der nicht mehr nur theoretisch ist. Trumps Reaktion darauf wirkt fast gekränkt, wie die eines Mannes, dessen Selbstbild keine Kritik erträgt. Wenn er behauptet, Kanada lebe nur wegen der USA, und eine Warnung hinterherschickt, zeigt das ein tiefes Unverständnis für partnerschaftliche Souveränität. Carney konterte später in Québec mit einer bewundernswerten Ruhe: Kanada gedeihe, weil Kanadier Kanadier sind. Ich mag diesen Satz, weil er nicht aggressiv ist, sondern einfach gerade. Es ist dieses Rückgrat ohne Theater, das mir in unserer heutigen Welt so oft fehlt.

Die Logik der Macht und die Stille der Anpassung

Hinter diesem „Friedensrat“ verbirgt sich ein Konstrukt, das mich zutiefst misstrauisch macht. Wenn man liest, dass eine permanente Mitgliedschaft mit einer Einzahlung von einer Milliarde Dollar verknüpft sein soll, fühlt sich das nicht nach internationaler Ordnung an, sondern nach der Logik eines exklusiven Clubs, in dem man sich Einfluss erkauft. Dass klassische Verbündete wie Frankreich und Großbritannien auf Distanz gehen und auf die UN-Charta verweisen, ist kein bloßes Detail, sondern ein lautes Warnsignal. Auch Kanzler Merz betonte, dass er eine deutsche Mitgliedschaft in Trumps „Friedensrat“ ablehne. Besonders beunruhigend finde ich die Nachricht, dass auch Putin eingeladen wurde und nun mit eingefrorenen Vermögenswerten jongliert, um seinen Platz am Tisch zu sichern. Es wirkt, als würden fundamentale Werte wie Bausteine hin- und hergeschoben, um Dominanz zu testen und Provokation als Prinzip zu etablieren. Meine Sorge gilt dabei weniger dem Erfolg oder Scheitern dieses Gremiums, sondern der Art und Weise, wie Trump diplomatische Regeln demonstrativ beiseiteschiebt, nur um zu beweisen, dass er es kann. Dieser Größenwahn wird durch das Schweigen und Lächeln anderer Staatschefs nur noch genährt. Schmeichelei ist in einer solchen Situation keine kluge Diplomatie, sondern Treibstoff für jemanden, der sich für unantastbar hält.

Mich erinnert das an Mechanismen, die wir aus der Geschichte kennen. Macht testet immer aus, wie weit sie gehen kann, sie belohnt das Wegducken und bestraft Haltung. In der Anfangszeit des Nationalsozialismus haben viele das Kommende belächelt oder sich angepasst, weil es kurzfristig einfacher war – bis die Institutionen so geschwächt waren, dass kein Widerstand mehr möglich war. Dieses Muster sitzt mir im Nacken, wenn ich sehe, wie ein US-Präsident per Kurznachricht Länder sortiert wie Figuren auf einem Brett. Die Geschwindigkeit, mit der diese Veränderungen geschehen, lässt kaum Zeit, überhaupt noch eine gemeinsame Haltung zu organisieren. Wir dürfen uns nicht einreden lassen, dass dies nur ein besonderer „Stil“ sei. Es entsteht eine neue Machtlogik, die Regeln durch Laune ersetzt. Wenn du das hier liest: Ist das für dich einfach nur Trumps Ego-Show, oder siehst du darin auch dieses gefährliche Signal, dass unsere weltweiten Regeln gerade zerbrechen? Schreib mir deine Gedanken dazu bitte in die Kommentare.

Euer Schimon


Entdecke mehr von Schimons Welt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Peter Winkler ist Aquaponiker, Coach und Blogger. Sein theologisches Studium war die Basis für eine langjährige Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Seit 2012 beschäftigt er sich mit der Aquaponik. Durch seine Expertise entstanden mehrere Produktionsanlagen im In.- und Ausland. Mit dem Blog "Schimons Welt" möchte er die Themen teilen, die ihn bewegen und damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

Kommentar verfassen