Mein Blick

Wenn getroffene Hunde bellen: Der schwere Entschluss, die politische Notbremse zu ziehen

Wie heißt es so treffend im Volksmund? Getroffene Hunde bellen. Gestern Morgen habe ich mich selbst bellen gehört. Die Nachrichtensprecherin verkündete nüchtern, dass der Bundestag eine spürbare Erhöhung der Tabaksteuer beschlossen hat und eine Schachtel Zigaretten wohl um rund zwei Euro teurer werden soll. Nun könnte man sagen: Selbst schuld, Schimon. Hör halt einfach auf zu rauchen. Es ist ungesund, kostspielig und stinkt. Das stimmt alles, ich mache mir da überhaupt nichts vor und will mein Laster auch gar nicht schönreden. Mein erster Gedanke war sogar ein ganz sachlicher: Wenn ich schon rauche und damit Krankheitskosten riskiere, dann soll dieses zusätzliche Geld bitteschön direkt in unser marodes Gesundheitssystem fließen, um die Kassen zu stützen und die Folgeschäden abzufedern. Aber genau das passiert eben nicht. Das Geld versickert als reine Deckungsmasse im riesigen Bundeshaushalt. In diesem Augenblick hat etwas in mir umgeschaltet, und aus dem persönlichen Ärgernis wurde eine Kaskade von Gedanken, die mich den ganzen Tag über begleitet hat.

Immer auf die, die sowieso schon am Limit sind

Es geht nämlich längst nicht mehr um zwei Euro für eine Packung Tabak, sondern um ein zynisches Muster, das sich seit Jahren durch unser Land zieht. Ob Plastikabgaben oder Zuckersteuern: Wer zahlt das am Ende? Es ist der ganz normale Bürger, der bei Aldi oder Lidl die abgepackte Wurst kaufen muss, weil das Monatsbudget den Gang zum Bio-Metzger gar nicht hergibt. Während Großvermögen über Stiftungsmodelle und ausgeklügelte Steuerarchitekturen geschützt werden, setzt der staatliche Hebel immer dort an, wo der Widerstand am geringsten ist. Bei den Menschen, die morgens früh aufstehen, Überstunden schieben, sich vielleicht einmal im Jahr einen kleinen Urlaub absparen und bei jeder größeren Autoreparatur ins Schwitzen geraten. Mir kam dabei ein ungemütliches Bild in den Sinn: Wie dressiert man eigentlich ein Haustier? Sicher nicht, indem man ständig zutritt, zwischendurch kurz über den Kopf streichelt – etwa mit einem winzigen Rentenaufschlag – und im nächsten Moment wieder zuschlägt. Welcher Hund lässt sich das auf Dauer gefallen? Irgendwann fängt er an zu bellen. Und wenn das Bellen ignoriert wird, fängt er an zu beißen, sei es an den Wahlurnen oder durch das Abwandern an politische Ränder. Man muss diese Entwicklung weder teilen noch gutheißen, um zu verstehen, aus welchem Schmerz und welcher Ohnmacht sie erwächst. Es ist das verzweifelte Signal von Menschen, die sich schlicht nicht mehr gesehen fühlen.

Vom Rückzug auf den Balkon und der eigenen Psychohygiene

Als mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, merkte ich plötzlich eine bleierne Schwere auf meiner Brust. Ich ertappte mich bei Vokabeln wie Krieg gegen den Bürger und dachte an alte Filme wie „Hunde, wollt ihr ewig leben?“. Genau an diesem Punkt musste ich innerlich eine Vollbremsung hinlegen. Denn was passiert hier gerade mit mir? Was passiert mit uns allen, wenn wir Tag für Tag diese Nachrichten konsumieren? Wir rutschen ab in eine Abwärtsspirale aus Wut und Bitterkeit. Wir vergiften unsere eigene Innenwelt und merken gar nicht, wie die permanente Empörung über Dinge, die wir heute mit unserer Tastatur ohnehin nicht drehen können, uns die Lebensfreude raubt. Nach den großen Umbrüchen des neunzehnten Jahrhunderts zogen sich die desillusionierten Menschen in der Biedermeierzeit ins Private zurück. Lange galt das als feiger Rückzug, doch je älter ich werde, desto mehr begreife ich diesen Schritt als reine Notwehr der Seele und als elementare Psychohygiene. Wenn die politische Maschinerie dich nur noch zermürbt, musst du den Stecker ziehen. Für mich bedeutet das nicht, dass ich mich in einem fernen Gemüsegarten vergrabe, sondern dass ich mich ganz bewusst auf meinen großen Balkon setze. Zwischen meine Pflanzenkübel, auf die bequemen Gartenmöbel, mit dem Blick hinaus in die weite Natur. Ich werde meinen Blog nicht zur Müllhalde für tagespolitischen Frust machen. Schimons Welt war immer gedacht für ein bewusstes Leben, für echte Begegnungen, Alltagsphilosophie und das Ringen um eine menschlichere Welt im Nahbereich. Ich kann nicht verhindern, dass der Staat mir tiefer in die Tasche greift, als mir lieb ist. Aber ich kann entscheiden, ob ich ihm auch noch meinen inneren Frieden überlasse.

Wie geht es Dir, wenn Du morgens die Nachrichten liest: Spürst Du auch diese wachsende Ohnmacht und den Drang, Dich ins Private zurückzuziehen, oder gelingt es Dir noch, Dich von solchen Beschlüssen nicht innerlich vergiften zu lassen? Schreib mir Deine Gedanken dazu gerne in die Kommentare.

Euer Schimon

Bild: Symbolbild / KI-generiert


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