Wenn das Kaufen plötzlich zum Sparen wird: Wie die Werbung unsere Sprache verdreht
Heute Morgen schaffte es eine kleine Benachrichtigung auf meinem Smartphone, mein Gedankenkarussell so richtig in Gang zu bringen. Es war die Pop-up-Nachricht einer Fotodruckerei, die mir freudig mitteilte, wie viel Prozent ich sparen würde, wenn ich mir jetzt sofort ein Fotobuch bestelle. Ich blieb an diesem einen Wort hängen, das uns täglich unzählige Male entgegengeschleudert wird: Sparen. In mir stieg eine Erinnerung an früher auf, an Zeiten, in denen Sparen bedeutete, Geld auf die hohe Kante zu legen. Man trug Münzen und Scheine zur Bank, ließ sie auf einem Sparbuch wachsen und verzichtete im Hier und Jetzt auf Ausgaben, um für einen bestimmten Anlass oder für schlechtere Zeiten etwas zu besitzen. Heute wiederum versucht uns die Werbewelt mit aller Macht einzureden, dass wir genau dann sparen, wenn wir unser hart erarbeitetes Geld möglichst schnell ausgeben.
Die feine Grenze zwischen Sprachwandel und gezielter Verdrehung
Natürlich ist mir klar, wie die Werbestrategie dahinter funktioniert, denn wer einen Rabatt nutzt, zahlt weniger als den vollen Preis. Doch wenn man genauer hinschaut, offenbart sich eine faszinierende und zugleich bedenkliche Verschiebung unserer Sprache. Das Wort Sparen wird heutzutage mit einer völlig neuen Bedeutung aufgeladen, die seinem ursprünglichen Zweck genau entgegensteht. Aus dem Verzicht und dem Zurücklegen von Mitteln ist der konsumorientierte Ausruf geworden, der zum Geldverprassen anregt. Diese Entfremdung von Begriffen beschränkt sich längst nicht mehr nur auf das Sparen. Wir begegnen ihr überall, wo Adjektive wie nachhaltig, individuell oder einmalig als verlockende Hüllen genutzt werden, die oft das genaue Gegenteil von dem bedeuten, was sie eigentlich ausdrücken sollten.
Der ehrliche Blick auf die Worte und ihren eigentlichen Zweck
Wenn Sprache schrittweise umgedeutet wird, verlieren wir ein Stück weit das Gespür für die wahre Bedeutung der Dinge. Die Werbung nutzt psychologische Mechanismen, um uns ein gutes Gefühl beim Geldausgeben zu verschaffen, indem sie Ausgaben als kluge Vorsorge tarnt. Wir sollten wieder beginnen, über Worte bewusster nachzudenken und sie in ihrem ursprünglichen Sinn zu gebrauchen. Wenn wir Begriffe hinterfragen und nicht ungefiltert übernehmen, durchschauen wir die feinen Manipulationen unseres Alltags viel schneller. Es lohnt sich, innezuhalten und genau hinzuhören, welche Worte man uns in den Mund legt und was sie eigentlich wirklich bedeuten.
Wie gehst Du mit solchen Werbeversprechen um und ist Dir eine solche Verdrehung von Worten im Alltag auch schon aufgefallen? Schreib mir Deine Meinung unbedingt in die Kommentare!
Euer Schimon
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