Selbstreflexion & Sinnfindung

Kleopatra und das Milchbad: Warum wir manchmal einfach abtauchen müssen

Glaubt man den alten Legenden, dann hat Kleopatra in Eselsmilch gebadet, um ihre Haut für die Ewigkeit zu bewahren. Historisch gesehen ist das natürlich Unsinn, ein schöner Mythos, der irgendwann einmal einer römischen Kaiserin angedichtet wurde, weil man in der Geschichte gerne das Exzessive auf die ohnehin schon schillernden Figuren projiziert. Aber wenn ich heute in meine Badewanne steige, dann geht es mir nicht um antiken Glanz oder das Streben nach ewiger Jugend. Es geht um den Moment, in dem ich die Tür hinter mir schließe und die Welt da draußen für eine halbe Stunde einfach mal Welt sein lasse.

Manchmal fühlt sich mein Kopf an wie ein vollgestopfter Schreibtisch, auf dem sich viele unbearbeitete Akten stapeln, während die täglichen Nachrichten aus aller Welt ihren Beitrag dazu leisten. Früher habe ich in solchen Phasen versucht, noch mehr von mir selbst zu fordern, noch schneller zu laufen, bis ich irgendwann fast ausgebrannt bin. Heute weiß ich, dass ich das nicht brauche. Mein persönliches Heilmittel ist banal und doch so wirksam, dass es fast schon wieder revolutionär wirkt, in unserer auf Optimierung getrimmten Zeit. Ich lasse warmes Wasser ein, schütte einen Liter gute Vollmilch hinein, rühre einen ordentlichen Löffel Honig unter und tauche ab.

Es ist erstaunlich, wie viel Chemie wir uns im Alltag auf die Haut schmieren, oft ohne darüber nachzudenken, wie sehr das unseren natürlichen Schutzmantel stresst. Die Milch in der Wanne ist da das genaue Gegenteil. Die Fette und Proteine legen sich wie ein ganz zarter Schutzfilm über den Körper, die natürliche Milchsäure wirkt wie ein Peeling, das sehr schonend und zart zur Haut ist. Es schäumt nicht wie diese künstlichen Badezusätze aus dem Drogeriemarkt, es riecht nicht nach künstlichem Ozean oder künstlichen Blüten, aber es fühlt sich natürlich an und, na ja, sagen wir ehrlich. Es ist ein Bad, das nicht nur den Körper pflegt, sondern auch den Geist wieder erdet. Wenn ich da so liege, im warmen, milchigen Wasser, wird der Lärm in meinem Kopf leiser. Ich brauche dann kein großes Programm, keine Ablenkung durch mein Smartphone, nur diesen einen Moment der Stille.

Ganzheitliche Entspannung hört für mich aber nicht am Wannenrand auf. Wenn ich danach mit der Haut in ein weiches Handtuch schlüpfe, ohne mich trocken zu reiben, damit die Pflege auf dem Körper bleibt, dann spüre ich eine Ruhe, die ich früher oft vermisst habe. Und weil der Körper nach dem Baden Wärme und ein wenig sanfte Energie braucht, rundet ein leichtes Essen den Abend erst richtig ab. Ein Teller mit Wildkräutern, ein paar Feigen und etwas Ziegenkäse, dazu ein Hauch Honig-Dressing. Das ist kein Essen, das schwer im Magen liegt, sondern eines, das den Abend genauso leicht ausklingen lässt, wie er begonnen hat. Es ist das bewusste Erleben der kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Nicht das, was wir besitzen, sondern das, was wir uns an Zeit und Aufmerksamkeit schenken, bestimmt am Ende, wie wir durch unser Leben gehen. Wir müssen nicht in Eselsmilch baden wie eine ägyptische Königin, um uns königlich zu fühlen, wir müssen nur lernen, unsere eigenen Bedürfnisse wieder ernster zu nehmen.

Was sind die Rituale, die dir helfen, den Kopf nach einem langen Tag wirklich auszuschalten, und bist du eher der Typ für ein ausgiebiges Wannenbad oder brauchst du ganz andere Momente der Ruhe? Schreib es mir bitte unten in die Kommentare.

Euer Schimon

Bild: Symbolbild, KI-generiert


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