Mentale Resilienz & Alltagspsychologie

Berufliche Neuorientierung: Die Kündigung als Chance nutzen

Vor mehr als fünfzehn Jahren habe ich junge Menschen als Jobcoach auf ihrem Weg begleitet, und damals dachte ich noch, ich hätte auf jede Frage eine passende Antwort parat. Danach kamen Jahre der Selbstständigkeit, mit der Aquaponik, jede Menge Höhen und Tiefen und eigene Umwege, durch die ich mich hindurchzukämpfen hatte. Heute sitze ich wieder an einem Schreibtisch und arbeite als Jobcoach bei einem Bildungsträger, aber mein Blick auf die Menschen, die zu mir in die Maßnahme kommen, hat sich von Grund auf gewandelt. Wenn jemand vor mir sitzt, sehe ich längst nicht mehr nur die Akte oder die harten Fakten auf dem Papier, sondern die Brüche in der Biografie. Ich kenne dieses ohnmächtige Gefühl genau, wenn von heute auf morgen der Teppich unter den Füßen weggezogen wird, weil eine Firma Insolvenz anmeldet oder aus sonst einem Grund die Kündigung ins Haus flattert.

In solchen Momenten bricht erst einmal das pure Chaos im Kopf aus. Die ersten Fragen kreisen fast immer um die Schuldfrage – warum das ausgerechnet jetzt mir passieren musste. Das ist völlig normal und zutiefst menschlich, weil wir nach Halt suchen, wenn der Boden wankt. Aber genau da liegt der Punkt, an dem sich der Blickwinkel verändern sollte. Wir betrachten den Verlust des Arbeitsplatzes meistens nur als nacktes Defizit, als einen schmerzhaften Bruch, der so schnell wie möglich wieder geflickt werden muss. Dabei ist dieser erzwungene Stopp in Wahrheit eine der ganz wenigen Gelegenheiten im Leben, in denen das Hamsterrad für einen Moment stillsteht.

In meinen Kursen erlebe ich das Woche für Woche. Viele Menschen merken erst durch diesen erzwungenen Ausstieg aus der täglichen Routine, dass sie in den vergangenen Jahren nur noch funktioniert haben. Sie sind in Spuren gelaufen, die andere für sie gelegt haben, und haben dabei die eigenen Wünsche und Sehnsüchte irgendwo im Alltagstrott begraben. Eine Krise wirkt im ersten Moment zerstörerisch, fast wie ein Feuer, das alte Gewohnheiten niederbrennt. Aber so schmerzhaft das ist: Asche ist der fruchtbarste Boden, den man sich vorstellen kann. Was dort neu keimt, ist oft genau das, was jahrelang vergraben war und nie genug Luft zum Wachsen und Gedeihen bekommen hat.

Niemand redet den Schmerz einer solchen Situation schön, denn das wäre schlichtweg unehrlich. Es geht vielmehr darum, diese radikale Zäsur als das zu begreifen, was sie ist: eine Chance, den eigenen Lebensweg nicht einfach nur zu verwalten, sondern neu zu entwerfen. Wir dürfen aufhören, uns nur als Getriebene auf dem Arbeitsmarkt zu sehen, und stattdessen den Mut aufbringen, die Architekten unseres eigenen Lebens zu werden. Wenn der alte Weg versperrt ist, wird im Kopf endlich wieder der Platz frei für die Frage, die im Lärm des Alltags viel zu oft untergeht: Was wollte ich eigentlich wirklich tun, bevor ich gelernt habe, mich anzupassen?

Manchmal braucht es erst den Einsturz alter Gewohnheiten, um zu erkennen, welches berufliche Lebensziel man wirklich erreichen will. Wenn du gerade an genau diesem Punkt stehst und alles ins Wanken gerät, dann atme erst einmal tief durch, statt überstürzt und blindlings nach einem Weg zu suchen, um in die alten Spuren zurückzukehren. Ich lade dich ein, zuerst eine ganz ehrliche, persönliche Bestandsaufnahme zu machen.

Was ist der Traum, den du in deinem Berufsleben bisher immer wieder hinten angestellt hast, weil es angeblich nie der richtige Zeitpunkt dafür war? Befindest du dich vielleicht selbst in einem Hamsterrad und hast verlernt, deine eigenen Ziele anzugehen? Schreib mir deine Gedanken dazu gerne in die Kommentare.

Euer Schimon

Bild: Symbolbild / KI-generiert


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