Resilienz – Die geheime Kraft, die dich jede Krise überstehen lässt
Schlafentzug, nagender Hunger, absolute Erschöpfung und trotzdem dieser unbändige Wille, nicht aufzugeben. Im Frühjahr 1988 stand ich in Breisach vor einer der härtesten Prüfungen meines Lebens: dem Kommandolehrgang der französischen Armee. Es war kein gewöhnlicher Lehrgang, sondern eine brutale Zerreißprobe für Körper und Geist. Damals wurde mir eine Wahrheit unmissverständlich bewusst, die mich seither mein ganzes Leben lang begleitet: Echtes Überleben beginnt immer im Kopf, niemals beim Feuermachen oder bei der Ausrüstung. Wer in solchen Extremsituationen keine mentale Stärke besitzt, hat keine Chance. Genau diese Fähigkeit, schwierige Situationen nicht nur irgendwie zu überstehen, sondern psychisch gestärkt aus ihnen hervorzugehen, nennen wir Resilienz. Das Wort selbst mag für manche sperrig klingen, doch seine Wurzeln erklären seine tiefe Bedeutung perfekt. Es leitet sich vom lateinischen Begriff resiliere ab, was so viel wie zurückspringen oder abprallen bedeutet. Resiliente Menschen sind wie eine elastische Feder, die unter enormem Druck tief gebogen wird, aber danach wieder in ihre Ursprungsform zurückspringt, anstatt zu zerbrechen. Es ist die psychische Widerstandskraft, die in einer immer unberechenbareren Welt darüber entscheidet, ob wir an den Krisen des Lebens zerbrechen oder an ihnen wachsen.
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Die Entdeckung des inneren Kompasses
Das erste Mal, dass ich diese mentale Widerstandskraft ganz bewusst an mir selbst erlebte, liegt noch weiter zurück. Mit gerade einmal sechzehn Jahren ging ich eine Wette gegen meinen Bruder ein. Es war ein brutaler Gewaltmarsch von meinem Heimatort Bretzfeld über Schwabach bis zum Ebnisee und wieder zurück, eine Strecke von über achtzig Kilometern. Den Hinweg schaffte ich mit hängender Zunge, doch auf dem Rückweg verließen mich die Kräfte vollständig, und ich musste aufgeben. Obwohl ich die Wette verloren hatte, passierte in meinem Inneren etwas Erstaunliches. Ich war unendlich stolz auf mich, weil ich eine fundamentale Lektion gelernt hatte: Der Kopf kann oft noch meilenweit weiterlaufen, selbst wenn der Körper schon längst kapituliert hat und jeden Dienst verweigert. Diese Erkenntnis hat sich später in meinen Jahren als Leiter von Survivalkursen und bei der Bundeswehr immer wieder bestätigt. In einem speziellen Gefangenentraining der Bundeswehr erlebte ich hautnah, wie eng mentale Stärke und das bloße Überleben verknüpft sind. Viele gestandene Soldaten brachen dort schon nach wenigen Stunden psychisch völlig zusammen und hätten für eine einzige warme Mahlzeit jedes Geheimnis verraten. Es sind in der Realität eben selten die körperlich Stärksten oder die am besten Ausgerüsteten, die eine Krise meistern. Es sind diejenigen, die gelernt haben, strukturiert zu denken, ein klares Ziel vor Augen zu behalten und die Ruhe zu bewahren, wenn ringsum das Chaos ausbricht.
Das Sinnbild der unzerstörbaren Brombeere
Wenn ich nach einem passenden Bild in der Natur suche, das diese unbändige Kraft der Resilienz verkörpert, lande ich immer wieder bei der Brombeere. Man kann diese Pflanze bis auf den Boden niederbrennen, sie mit Unkrautvernichtungsmittel besprühen oder hungrige Ziegen an ihr knabbern lassen, doch sie kommt unweigerlich wieder. Jedes noch so winzige, im Verborgenen überlebende Wurzelstück in der Erde trägt die Kraft für einen vollständigen, kraftvollen Neuanfang in sich. Genauso müssen wir uns aufstellen, wenn das Leben uns herausfordert. Resilienz ist glücklicherweise keine genetische Lotterie und keine angeborene Eigenschaft, sondern ein mentaler Muskel, den wir täglich trainieren können. Dieser Prozess beginnt immer mit der radikalen Akzeptanz der Realität. Wer seine Energie damit verschwendet, gegen unveränderliche Krisen anzukämpfen oder in die Opferrolle zu verfallen, verliert die Kraft für den eigentlichen Weg. Resiliente Menschen richten ihren Fokus ausschließlich auf die Dinge, die sie in diesem Moment aktiv kontrollieren und beeinflussen können, und steuern ihre eigene Reaktion auf das Unabwendbare. Sie fragen sich in der Dunkelheit nicht verzweifelt, warum dieses Schicksal ausgerechnet sie treffen musste, sondern sie suchen lösungsorientiert nach dem nächsten, machbaren Schritt. Jede auf diese Weise überstandene Herausforderung wird zu einer wertvollen Lektion, die das Fundament für zukünftige Stürme stärkt.
Wenn der Boden unter den Füßen wegbricht
Mentale Stärke wird jedoch nicht nur im Militär oder in simulierten Extremsituationen gebraucht, sondern vor allem dann, wenn das private Leben uns völlig unvorbereitet den Boden unter den Füßen wegzieht. Ich erinnere mich noch genau an den schmerzhaften Moment, als in unserem Haus plötzlich der Gewölbekeller einstürzte. Wir standen als Familie von einer Sekunde auf die andere vor Trümmern und in einer existenziellen, finanziellen Katastrophe. Das war mein persönlicher Tiefpunkt, an dem ich dachte, dass es tiefer eigentlich nicht mehr gehen kann. Doch genau in dieser absoluten Dunkelheit zeigte sich die wahre Natur der Resilienz. Wir haben uns als Familie nicht entfremdet oder gegenseitig zerfleischt, sondern wir haben uns gegenseitig aufgerappelt und sind enger zusammengerückt als je zuvor. Auch wenn ich mich in meinem Leben oft als Einzelkämpfer durchgeschlagen habe, so habe ich durch solche Krisen gelernt, dass ein starkes soziales Umfeld der wichtigste Schutzschild überhaupt ist. Meine Frau Dany, unsere drei Kinder, die mittlerweile ihre eigenen Familien gegründet haben, und unser enges Netzwerk sind in Zeiten der Not der sichere Hafen. Geteiltes Leid halbiert die Last tatsächlich. Resilienz bedeutet niemals, unverwundbar zu sein, keine Angst zu haben oder Krisen kaltlächelnd zu ignorieren. Es bedeutet ganz einfach, die Gewissheit in sich zu tragen, dass man nach jedem noch so harten Sturz wieder aufstehen und einen neuen Anfang finden kann.
Mich interessiert Deine Geschichte, denn der Austausch untereinander macht uns alle stärker. Welche schweren Krisen oder unerwarteten Rückschläge hast Du in Deinem Leben schon meistern müssen, und aus welchen inneren Quellen hast Du damals die Kraft geschöpft, um wieder aufzustehen? Schreib mir Deine Erfahrungen und Gedanken unbedingt unten in die Kommentare und lass uns gemeinsam darüber diskutieren.
Euer Schimon
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