Selbstreflexion & Sinnfindung

Retter-Rolle ablegen: Eigene Grenzen wahren

Tagesimpuls: Freitag Vormittag, das Handy vibriert kurz auf der Küchenanrichte und schon beim Blick auf den Namen zieht sich dir der Magen zusammen. Es ist wieder diese lange Sprachnachricht, dieses vertraute Klagen der Schwester über ihr ewiges Beziehungsdrama, das Jammern des Kollegen über das Projekt oder der genervte Stoßseufzer des Partners. Niemand hat dich gefragt: Kannst du das für mich regeln? Und trotzdem springt in deinem Kopf sofort der Notfallmodus an. Wie ferngesteuert suchst du nach Auswegen, schreibst ungefragt Lösungsvorschläge, willst telefonieren, schlichten und das Chaos in Ordnung bringen. 

Anstatt einfach nur zuzuhören, neigen wir häufig dazu, sofort voller Tatendrang einzugreifen. Viele von uns haben früh verinnerlicht, dass wir nur dann wertvoll sind, wenn wir nützlich sind, oder wir halten schlicht die Unruhe und Hilflosigkeit des anderen im Raum nicht aus. Aber jedes Mal, wenn du ungefragt das Steuer übernimmst und fremde Baustellen zu deinen eigenen machst, entmündigst du ein Stück weit dein Gegenüber. Damit raubst du ihm die Chance, Verantwortung für die eigenen Herausforderungen zu übernehmen und persönliche Stärke daran zu entwickeln. Zugleich lässt dich dieser Einsatz am Ende der Woche erschöpft zurück, während sich eine leise Bitterkeit breitmacht, da deine eigenen Reserven aufgezehrt sind. Zuhören bedeutet nicht, dass Du sofort die Lösung parat haben oder handeln musst. Wenn sich heute jemand bei dir emotional entlädt, halte diesen Automatismus für einen Moment an. Hör einfach nur mitfühlend zu, behalte deine Ratschläge für dich und halte die Stille aus, ohne gleich den Werkzeugkasten auszupacken.

Kennst du diesen inneren Zwang, sofort nach Lösungen zu suchen, sobald jemand in deinem Umfeld klagt, und wo fällt es dir am schwersten, dich zurückzuhalten? Schreib mir deine Erfahrungen dazu unbedingt in die Kommentare.

Euer Schimon

Bild: Symbolbild / KI-generiert


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