• Stark durchs Leben

    Fluchtpunkt Freiheit: Wenn die Angst vor der Verbindlichkeit die Liebe ausbremst

    Es gibt Fragen, die mich immer wieder einholen, besonders wenn ich über unser menschliches Miteinander nachdenke. Eine davon ist die Frage nach dem Warum. Warum zerbrechen so viele Verbindungen, die doch mit so viel Hoffnung begonnen haben? In den Geschichten der Paare, die mir begegnen, zeigt sich oft, dass es nicht der eine große Knall ist, der alles zerstört. In den Lebenswegen der Menschen sehe ich vielmehr ein schleichendes Gift, ein langsames Verblassen der Nähe, dem wir oft zu lange tatenlos zusehen. Heute schließen wir unsere Serie mit dem vierten Punkt ab: der Flucht vor der Verantwortung. In meinen Begegnungen habe ich oft erlebt, dass Beziehungen an einer unsichtbaren Glaswand…

  • Kalenderblatt

    08.02.1950 – Die Geburtsstunde der Stasi und das dunkle Erbe der Täter

    Am Mittwoch, dem 8. Februar 1950, beschließt die Volkskammer der DDR ein Gesetz, das auf dem Papier harmlos wirkt, aber in der Wirklichkeit ein Machtinstrument von historischer Bedeutung schafft: das „Gesetz über die Bildung eines Ministeriums für Staatssicherheit“. Es ist kurz, fast nüchtern. Und gerade diese Nüchternheit ist das Erschreckende daran. Ein Staat baut sich sein Überwachungsorgan – nicht weil ein besonderer Bedarf besteht, sondern weil er diese ganz „normale“ staatliche Institution als Ministerium zum Machterhalt haben möchte. Vier Monate nach Gründung der DDR wird damit die bisher dem Innenministerium unterstellte „Hauptverwaltung zum Schutze der Volkswirtschaft“ herausgelöst und in ein eigenständiges Ministerium überführt. So steht es im Gesetztext. Politisch bedeutet…

  • Antisemitismus

    Wannsee – der Moment, in dem Mord zum Verwaltungsakt wurde

    Heute ist so ein Tag, der mir beim Lesen der Nachrichten und beim Blick auf den Kalender kurz den Atem nimmt. Der 20. Januar ist nicht einfach irgendein Datum. Am 20. Januar 1942 trafen sich in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin fünfzehn Männer aus SS, Partei und Ministerien, um die „Endlösung der europäischen Judenfrage“ in eine Form zu bringen, die man in Akten, Zuständigkeiten und Abläufen abarbeiten konnte. Und genau das macht es so schwer auszuhalten: Nicht das Bild von „Wahnsinn“ oder „Chaos“, sondern dieses kalte Funktionieren. Dieses „wir regeln das“. Bürokratie, die sich geschniegelt gibt, während sie den Massenmord organisiert. Was damals in Wannsee wirklich passierte Die…

  • Nachrichten

    Skandal um Maccabi-Fans in Birmingham und das Versagen der West Midlands Police

    Die Aufarbeitung eines Fan-Verbots in Großbritannien enthüllt erschreckende Fehlentscheidungen der Sicherheitsbehörden und wirft grundlegende Fragen zum Umgang mit Antisemitismus auf. Es kam ans Licht, dass die Polizei Fakten manipulierte, um jüdische Fußballfans von einem Spiel auszuschließen und so möglichen Konflikten mit radikalen Gruppen aus dem Weg zu gehen. Im November 2025 wurde den Anhängern des israelischen Fußballvereins Maccabi Tel Aviv der Zutritt zum Stadion in Birmingham untersagt, wo ihre Mannschaft gegen Aston Villa antrat. Die verantwortliche West Midlands Police rechtfertigte diesen Ausschluss damals mit dringenden Sicherheitsbedenken und verwies auf die Gefahr von Ausschreitungen. Doch aktuelle Untersuchungen des britischen Parlaments und die Veröffentlichung interner Korrespondenzen zeichnen ein völlig anderes Bild der…

  • Schimon

    Warum mich die Frage nach Menschlichkeit nicht mehr loslässt

    Es gibt Tage, an denen etwas in mir arbeitet, ohne dass ich es gleich benennen kann. Gedanken, die sich festsetzen. Gefühle, die nicht einfach wieder verschwinden. Heute war so ein Tag. Ich habe am Morgen die Nachrichten gelesen – nicht besonders lange, einfach kurz überflogen – und doch sind mir mehrere Schlagzeilen den ganzen Tag nachgegangen. Da war diese Meldung über ein Huthi-Gericht, das siebzehn Menschen zum Tode verurteilt hat, als wären sie Figuren in einem Spiel. Menschen, die erschossen werden sollen, weil irgendein Regime seine Macht demonstrieren will. Und dann die nächste Meldung: eine klare Lüge von Trump über Selenski. Eine Behauptung, die so offensichtlich falsch ist, dass man…

  • Unsere Welt von morgen

    Heimat ist kein Ort, sondern eine Tat – Warum wir neu darüber sprechen müssen

    Manchmal gibt es politische Kampagnen, die mich seltsam kaltlassen, und dann gibt es Momente, in denen ein Slogan plötzlich einen Nerv trifft, der tief verborgen lag. „Heimat wird gemacht“ ist der Titel einer neuen Aktion des hessischen Heimatministeriums, und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr spüre ich, wie viel Wahrheit in diesen drei kleinen Worten steckt. Heimat ist für viele von uns ein schwieriger, oft schwer beladener Begriff. Wir scheuen uns manchmal, ihn zu benutzen, aus Sorge, missverstanden oder in eine falsche Ecke gestellt zu werden. Doch genau deshalb finde ich es so wichtig, dass dieses Thema jetzt politisch und gesellschaftlich aufgegriffen wird. Denn wenn wir die Definition von…