09.01.1933 – Die Strukturkrise der Industrie und der Kampf um den Weltmarkt
Es gibt Momente in der Geschichte, da fühlt man förmlich, wie der Boden unter den Füßen nachgibt, während die da oben uns noch erzählen, alles sei in bester Ordnung. Wenn ich heute, im Jahr 2026, die vergilbten Seiten der Vossischen Zeitung vom 9. Januar 1933 aufschlage, läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Es ist dieser eine Montag, an dem die Masken fielen, auch wenn die bürgerliche Presse noch versuchte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Während die Menschen in Berlin versuchten, ihren Alltag zwischen Arbeitslosigkeit und der Angst vor der nächsten Miete zu bewältigen, trafen sich der amtierende Kanzler Schleicher und sein Vorgänger Papen zu einer Aussprache. Offiziell hieß es, man wolle nur „Verschwörungsgerüchte“ ausräumen. Doch wir wissen heute, dass hinter diesen schweren Vorhängen längst der Ausverkauf der Demokratie besiegelt wurde. Es war ein abgekartetes Spiel der alten Eliten, die glaubten, sie könnten den Wolf zähmen, indem sie ihn ins Haus lassen. Wenn ich sehe, wie heute oft über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird, während uns „Sachzwänge“ als alternativlos verkauft werden, spüre ich dieses bittere Echo von damals. Es ist die Arroganz der Macht, die damals wie heute den Nährboden für das ganz große Unheil bereitet hat.
Die Schwerindustrie und das Problem mit dem Weltmarkt
Besonders erschütternd ist der Blick in den Wirtschaftsteil dieser Ausgabe, wo unter der Schlagzeile „Alterndes Industrieland?“ die bittere Wahrheit über den deutschen Stahl ausgesprochen wurde. Es geht um das Herzstück der deutschen Identität: unsere Industrie, und ganz besonders um das Eisen und den Stahl. Der Autor des Artikels beschreibt eine tiefe Verunsicherung, die damals die gesamte Nation erfasste, weil man spürte, dass die alten Rezepte nicht mehr funktionierten. Es ist dieses beklemmende Gefühl, wenn man merkt, dass das Fundament, auf dem man jahrzehntelang sicher stand, plötzlich Risse bekommt. Ich lade Dich ein, mit mir gemeinsam tiefer in diesen Text einzutauchen, denn er lehrt uns, dass wir nicht die Ersten sind, die vor dem Trümmerhaufen einer alten Epoche stehen.
Die schmerzhafte Diagnose der Schwerindustrie
Die Problematik der Stahlindustrie im Januar 1933 war keine gewöhnliche Flaute, wie man sie nach einem schlechten Jahr kennt. Es war das schmerzhafte Erwachen aus einem Traum von unendlichem Wachstum. Die Vossische Zeitung zitiert hierzu fast prophetisch: „Befinden wir uns gegenwärtig in einer Strukturkrise, aus der uns nur ein organisatorischer Umbau der Wirtschaft wirklich zu befreien vermag, oder handelt es sich um eine jener zyklischen Krisen, wie sie das kapitalistische System mit sich zu bringen pflegt?“ Damals wie heute lautete die bittere Wahrheit, dass die Schwerindustrie ihren Zenit überschritten hatte. Während Eisen und Stahl 1928 noch gewaltige 61 Prozent der Gesamterzeugung ausmachten, spürte man bereits das Stocken des Motors. Die Technik veraltete, die Kosten stiegen, und die Nachfrage im Inneren brach durch die Weltwirtschaftskrise zusammen. Es war die Zeit, in der man begriff, dass man nicht einfach so weitermachen konnte wie bisher. Die Stahlbarone von damals standen vor derselben Herausforderung wie unsere heutigen Manager: Die alten Hochöfen waren zwar noch mächtig, aber die Welt um sie herum hatte sich bereits verändert.
Zwischen Weltmarkt und Technologie-Vorsprung
Was mich besonders nachdenklich macht, ist die Schilderung der globalen Konkurrenz, die Deutschland damals bereits unter Druck setzte. Der Artikel warnt eindringlich davor, dass Deutschland in die Rolle des „alten Mannes“ rutscht, genau wie es England Jahrzehnte zuvor ergangen war. Dort steht geschrieben, dass Deutschland „…in die Reihe der alten Industrieländer eingerückt ist, die an Schnelligkeit des Wachstums von den jüngeren bisher im Hintergrund gebliebenen Ländern überflügelt werden.“ Das ist die Geburtsstunde der Angst, die wir auch heute fühlen, wenn wir nach Osten blicken. Damals begannen Länder, die zuvor nur Agrarstaaten waren, ihre eigenen Stahlwerke zu bauen und ihre Märkte abzuschotten. Sie brauchten den deutschen Stahl nicht mehr, sie wurden selbst zu Jägern auf dem Weltmarkt. Diese Verschiebung der Machtverhältnisse ist ein Echo, das wir heute in jeder Nachricht über Überkapazitäten und Billigstahl aus Fernost wiederfinden. Die Geschichte zeigt uns hier ganz deutlich, dass technologischer Vorsprung kein ewiges Privileg ist, sondern jeden Tag aufs Neue hart erarbeitet werden muss.
Wenn die Ordnung zerbricht und die Gewalt die Straße übernimmt
Aber es war nicht nur die große Politik oder die schwächelnde Wirtschaft, die diesen Januartag so düster machte; es war der schleichende Verlust der Sicherheit im Kleinen. Mitten am Alexanderplatz, direkt vor den Augen des Polizeipräsidiums, wurde ein Zigarrenhändler niedergeschossen und ausgeraubt. Die Täter entkamen einfach in der Menge. Diese Dreistigkeit zeigt uns mehr über den Zustand einer Gesellschaft als jede Statistik. Wenn die Menschen das Vertrauen in den Schutz des Staates verlieren, bricht das Fundament unseres Zusammenlebens. Gleichzeitig tobte draußen im Land der Terror der SA, wie die Berichte aus Fulda und Lippe zeigen, wo politische Gegner am Bahnhof überfallen wurden. Die Nationalsozialisten nutzten damals schon die perfide Taktik der Täter-Opfer-Umkehr, um ihre Gewalt zu rechtfertigen – eine Methode, die wir auch heute wieder in den sozialen Medien beobachten können, wo Fakten verdreht werden, bis sie ins eigene Weltbild passen. Wir müssen aus der Geschichte lernen, dass wirtschaftliche Not und politisches Taktieren immer die Türen für jene öffnen, die mit einfachen Lösungen und Gewalt locken. Der Blick zurück auf diesen Montag im Januar 1933 muss uns eine Mahnung sein: Wohlstand und Sicherheit sind keine Naturgesetze, sondern zerbrechliche Güter, die wir jeden Tag verteidigen müssen. Wie siehst Du das, wenn Du heute auf unsere Stahlindustrie und die politische Stimmung im Land blickst – haben wir aus den Fehlern der Vergangenheit wirklich genug gelernt, oder steuern wir sehenden Auges auf einen ähnlichen Abgrund zu? Schreib mir Deine Meinung dazu unbedingt in die Kommentare, ich möchte wissen, wie Du darüber denkst.
Euer Schimon
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