Kulinarik

Die Kartoffel – Von der Lebensretterin zur Wegwerfware

Es bricht mir das Herz, wenn ich die Nachrichten vom aktuellen Kartoffelmarkt lese. Wir haben in diesem Jahr eine wunderbare, reiche Ernte eingefahren. Doch was eigentlich ein Grund zur Freude und Dankbarkeit sein sollte, wird in unserer heutigen Marktlogik zum Problem: Die Preise sind im Keller, und weil der Absatz fehlt, landen tonnenweise beste Speisekartoffeln in Biogasanlagen. Nahrungsmittel, die vernichtet werden, weil sie „zu viel“ sind. Wenn ich das höre, muss ich an die Geschichte denken, die wir fast vergessen haben. Es gab Zeiten, da war diese knollige „Zitrone des Nordens“ die einzige Rettung vor dem Skorbut im Winter. Friedrich der Große musste sie einst von Soldaten bewachen lassen – nicht um sie wegzusperren, sondern um durch diesen psychologischen Trick den Wert der Knolle in den Köpfen der Menschen zu verankern. Was der König bewacht, muss kostbar sein, dachten die Bauern und stahlen sie nachts, um sie selbst anzubauen. Heute scheinen wir diesen Wert wieder aus den Augen verloren zu haben, wenn wir das, was einst Überleben sicherte, einfach entsorgen.

Dabei steckt in diesem unscheinbaren Geschenk der Anden so viel mehr als nur Sättigung. Sie ist ein Stück Kulturgeschichte, das sogar Kriege und Propaganda überdauert hat – man denke nur an den Kartoffelkäfer, der fälschlicherweise als biologische Waffe herhalten musste. Doch für mich persönlich beginnt die wahre Magie im Kleinen, in meiner Küche. Es gibt für mich ein klares „Draußen“ und ein „Drinnen“. Draußen herrschen Marktpreise, Hektik und Verschwendung. Aber drinnen, an meinem Herd, finde ich meinen Rückzugsort. Kochen ist für mich wie Malen oder Kunst; es ist mein kreativer Ausgleich, in den ich vollkommen abtauchen kann. Wenn ich am Herd stehe, bleibt die Welt kurz stehen.

Mein Atelier am Herd

In meiner Küche behandle ich die Kartoffel so, wie sie es verdient: mit Respekt und am liebsten ganz natürlich, mit ihrer Schale. Ich mag das Echte, das Unverfälschte, deshalb bleiben meine Pellkartoffeln „angezogen“. Besonders liebe ich es, wenn aus den kalten Knollen vom Vortag – denn nur die haben diese wunderbare, schnittfeste Struktur entwickelt – Bratkartoffeln werden. Es ist fast ein meditativer Prozess: Die Zwiebeln, die in reichlich Pflanzenöl glasig dünsten, der Duft, der langsam den Raum erfüllt, und das geduldige Warten, bis die Scheiben außen kross und innen noch herrlich cremig sind. Ein bisschen Petersilie, Knoblauch, Paprika, Salz und Pfeffer dazu – mehr braucht es nicht zum Glück. Wenn ich dann dieses einfache, aber mit Liebe zubereitete Essen serviere, spüre ich, wie wahr das alte Sprichwort ist: Liebe geht durch den Magen. In diesem Moment ist die Kartoffel wieder das, was sie immer sein sollte: etwas Kostbares, das uns nährt und verbindet.

Wie geht ihr mit diesem Thema um? Achtet ihr beim Einkauf bewusst auf regionale Produkte, um unsere Landwirte zu unterstützen, oder habt ihr vielleicht sogar ein eigenes Lieblingsrezept für die tolle Knolle, das ihr mit mir teilen möchtet? Ich freue mich sehr auf eure Gedanken in den Kommentaren.

Euer Schimon

Peter Winkler ist Aquaponiker, Coach und Blogger. Sein theologisches Studium war die Basis für eine langjährige Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Seit 2012 beschäftigt er sich mit der Aquaponik. Durch seine Expertise entstanden mehrere Produktionsanlagen im In.- und Ausland. Mit dem Blog "Schimons Welt" möchte er die Themen teilen, die ihn bewegen und damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

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