Schmutzige Scheiben und klare Gedanken – danke, Sharan!
Vor einiger Zeit war ich unterwegs. Ein paar Termine standen an, und wie so oft habe ich mich in meinen treuen Sharan gesetzt – mein Mini-Camper, mein kleines mobiles Zuhause, mein treuer Reisegefährte auf vier Rädern. Ja, er ist schon etwas in die Jahre gekommen, das gebe ich offen zu. Aber er läuft und ich liebe ihn. Auch wenn er hin und wieder mal in die Werkstatt muss, weil wieder eine Kleinigkeit kaputtgeht – so ist das eben mit alten Freunden.
Als ich an jenem Morgen losgefahren bin, stand die Sonne noch relativ tief. Und genau das war der Moment, der mich ganz unvorbereitet zum Nachdenken gebracht hat. Denn als das grelle Sonnenlicht direkt auf die Windschutzscheibe fiel, habe ich plötzlich fast nichts mehr gesehen. Die Scheibe war einfach schmutzig. Nicht komplett verdreckt, aber so voll von einem feinen, fast unsichtbaren Film, dass das Licht sich in den Ablagerungen brach. Es war, als hätte ich von einer Sekunde auf die andere den Durchblick verloren.
Tagsüber, wenn es bewölkt ist, merkt man das oft gar nicht. Man fährt einfach, alles wirkt normal und die Sicht scheint auszureichen. Aber sobald die Sonne durchbricht, wird schlagartig sichtbar, wie viel Schmutz sich über die Wochen angesammelt hat. Und genau das war mein persönlicher Hallo-Wach-Moment. Ich beschloss, direkt nach den Terminen eine Waschanlage anzusteuern. Es wurde Zeit.
Als ich wenig später aus der Waschanlage rollte, war alles plötzlich ganz klar. Die Scheiben glänzten, die Sicht war völlig frei und die Welt draußen erschien mir auf einmal in einem ganz anderen, intensiveren Licht. Die Farben der Felder, die Bäume, der weite Himmel – alles wirkte lebendiger, schärfer und greifbarer.
In diesem Moment dachte ich mir: Wie oft ist das eigentlich im Leben ganz genauso? Wie oft fahren wir durch unseren Alltag mit einer verschmutzten Scheibe, ohne es überhaupt zu bemerken? Weil der Alltag eben so ist, wie er ist. Weil es in uns bewölkt ist. Sorgen, Stress, Verpflichtungen oder alte, ungeklärte Geschichten legen sich wie ein feiner, schleichender Film über unser Herz. Wir funktionieren noch, ja. Wir sehen den Weg vor uns irgendwie. Aber wir sehen nicht mehr klar. Nicht mehr in voller Farbe, ohne die echte Freude am Moment.
Erst wenn das Licht kommt – ein ungeschönter, ehrlicher Moment, ein tiefes Gespräch, ein einschneidendes Erlebnis oder vielleicht auch eine bewusste Auszeit –, dann merken wir plötzlich: Hoppla. Da hat sich etwas angesammelt. Da ist eine Schicht zwischen mir und der Welt. Zwischen mir und dem, was mir eigentlich Lebensfreude schenken sollte.
Für mich war dieser Stopp mehr als nur eine Autowäsche. Es war ein kleines, kraftvolles Bild für das Leben selbst. Es zeigt, wie überlebenswichtig es ist, ab und zu mal ganz bewusst innezuhalten, sich ehrlich anzuschauen und sich zu fragen: Was vernebelt mir gerade eigentlich den Blick? Was müsste ich mal wieder abwischen – nicht mit Gewalt, sondern mit ganz viel Achtsamkeit?
Während ich draußen stand und zusah, wie die mächtigen Bürsten über meinen geliebten Sharan fuhren, hatte ich insgeheim die Hoffnung, dass alles gutgeht. Dass kein Kratzer reinkommt, dass er hinterher einfach schöner ist und nicht beschädigt. Und genau so sollten wir auch mit uns selbst umgehen, wenn wir unsere innere Windschutzscheibe putzen. Wenn wir alte Themen anschauen, wenn wir loslassen oder aufräumen, dann bitte behutsam. Mit ganz viel Selbstliebe und Mitgefühl. Nicht mit dem Hammer, sondern mit sanfter Fürsorge.
Ich wünsche dir heute genau diesen einen klaren Moment. Vielleicht scheint bei dir ja auch gerade die Sonne durch das Fenster. Nimm dir kurz Zeit, schau mal ganz genau hin und fühle nach, was du vielleicht schon viel zu lange nicht mehr richtig gesehen hast.
Welche Dinge vernebeln dir im Alltag manchmal die Sicht und wie schaffst du dir deine ganz persönlichen Momente der Klarheit? Schreib es mir unbedingt in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch mit dir.
Euer Schimon
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