Kalenderblatt

19.01.1933 – Geld regiert die Welt: Wie Reiche damals und heute die Politik beeinflussen

Während ich hier an meinem Schreibtisch sitze, liegt die vergilbte Ausgabe der Berliner Volks-Zeitung vom 19. Januar 1933 direkt vor mir, und ich merke ziemlich schnell: Das ist nicht einfach nur staubige Geschichte, die man in Archiven vergraben sollte. Die Schrift ist zwar vergilbt und brüchig, doch vieles, was dort zwischen den Zeilen steht, fühlt sich heute, im Jahr 2026, erstaunlich gegenwärtig an. Es ist nicht so, dass jede Einzelheit identisch wäre, aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man bestimmte soziale und politische Abläufe, die sich mit einer fast unheimlichen Präzision wiederholen. In dieser historischen Ausgabe findet sich ein kurzer Hinweis auf ein sogenanntes Herrenessen. Das klingt zunächst fast harmlos, so als wäre es eine gesellschaftliche Randnotiz, und ich hätte es beinahe überlesen. Aber genau solche unscheinbaren Artikel und kurzen Informationen sind oft alles andere als unwichtig. Wenn die Politik sich aus der hellen Öffentlichkeit zurückzieht und in geschlossenen Hinterzimmern aktiv wird, dann beginnt der Moment, in dem es für uns alle spannend und zugleich gefährlich wird. Es ist nicht so, dass ein einzelnes Abendessen allein den Lauf der Welt bestimmt, sondern es offenbart vielmehr, wo die eigentliche Geschichte geschrieben wird. Es zeigt uns jene Orte, an denen hinter verschlossenen Türen Entscheidungen getroffen werden, die das Leben von Millionen Menschen tatsächlich verändern.

Das Herrenessen 1933: Macht, Manipulation und das Geld, das die Politik beeinflusst

Der Januar 1933 war eine Phase, in der Deutschland politisch bereits auf extrem wackligen Beinen stand. Die Regierung unter Kurt von Schleicher besaß kaum noch Halt, die parlamentarischen Mehrheiten zerbröselten zusehends, und hinter den Kulissen wurde längst fieberhaft an radikalen Alternativen gearbeitet. Genau in diese hochexplosive Stimmung passt dieses Herrenessen, von dem die Zeitung berichtet: Adolf Hitler und Hermann Göring trafen sich in einem exklusiven Kreis, zu dem auch Fritz Thyssen gehörte, ein einflussreicher Industrieller, der schon damals als einer der wichtigsten Geldgeber der Nationalsozialisten galt. Bei Thyssen lohnt es sich ganz besonders, genauer hinzuschauen, denn er fungierte als ein zentraler Wegbereiter für den Aufstieg der NSDAP. Man darf dabei nicht den Fehler machen, die Wirtschaft als einen einheitlichen Block zu betrachten, denn das war sie keineswegs. Viele Unternehmer waren skeptisch, manche lehnten die Radikalen ab, und viele verhielten sich schlicht opportunistisch. Aber einzelne, extrem finanzstarke Unterstützer waren enorm erfolgreich, weil sie über riesige Netzwerke verfügten und Türen öffnen konnten, die anderen Akteuren verschlossen blieben. Dass Thyssen die Partei finanziell massiv unterstützte, ist historisch keine bloße Vermutung mehr, sondern klar belegt. Spenden aus dem Kreis dieser großen Industriellen ermöglichten beispielsweise den Kauf des Barlow-Palais in München, das später als Braunes Haus zum berüchtigten Zentrum der Partei wurde. Das NS-Dokumentationszentrum München sowie die Chronik des Deutschen Historischen Museums halten zudem fest, dass die Finanzierung über großzügige Darlehen und Sonderabgaben von Männern wie Fritz Thyssen und Friedrich Flick lief. Nur wenige Wochen nach diesem Essen, am 20. Februar 1933, kam es zu einem weiteren Geheimtreffen, bei dem Hitler führenden Wirtschaftsvertretern sein Programm vorstellte, woraufhin unglaubliche drei Millionen Reichsmark für den Wahlkampf flossen. Wenn man diese Puzzleteile zusammenfügt, ergibt sich ein bitteres Bild: Eine Bewegung, die auf der Straße mit Hass und Gewalt arbeitet, wird in gewissen Elitezirkeln gleichzeitig als Schanze für die eigene Zukunft und den Schutz vor politischer Umverteilung gesehen. Geld war dabei nie ein Randthema, sondern das notwendige Schmiermittel, das den gesamten Propaganda- und Machtapparat erst am Laufen hielt. Einfluss kostet Geld, und wer zahlt, erkauft sich oft Mitspracherechte, die im Parlament niemals zur Debatte standen. Dieses Herrenessen zeigt uns, wie sich der Ort des Politischen verschieben kann – weg vom öffentlichen Diskurs, hin zu Absprachen unter Wenigen.

Heute: Vermögenskonzentration, Einfluss und das Gefühl, dass die Regeln für wenige geschrieben werden

Wenn ich den Blick nun auf unsere heutige Welt richte, auf die aktuellen Studien, die nackten Zahlen und die Schlagzeilen, dann merke ich schmerzlich, wie sich dieses Muster in einer modernen Form erneut zeigt. Das Vermögen konzentriert sich immer stärker, der daraus resultierende Einfluss wächst, während das Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen weltweit bröckelt. Oxfam hat erst heute, am 19. Januar 2026, einen neuen Bericht veröffentlicht, der einen Rekordstand des globalen Milliardärsvermögens von 18,3 Billionen US-Dollar beschreibt. Allein im Jahr 2025 gab es demnach einen massiven Zuwachs. Speziell für Deutschland wird genannt, dass das Vermögen der Milliardäre inflationsbereinigt um 30 Prozent gestiegen ist und wir mit 172 Milliardären weltweit einen Spitzenplatz einnehmen. Das könnte man als reine Statistik abtun, doch es wird in dem Moment hochpolitisch, in dem man diese Zahlen mit der Realität der breiten Masse vergleicht. Die Bundesbank betont in ihrer jüngsten Vermögensstudie, dass die privaten Vermögen zwar nominal gestiegen sind, inflationsbereinigt jedoch für viele Menschen zurückgingen. Die vermögendsten zehn Prozent besitzen weiterhin deutlich mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens in Deutschland, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung trotz leichter Verbesserungen nur bei einem Anteil von etwa zweieinhalb Prozent liegt. Hier beginnt für mich die erschreckende Verbindung zu den Ereignissen von 1933, ohne dass ich dabei eine plumpe oder direkte Gleichsetzung vornehmen will. Wir leben heute in einem anderen System, aber der Mechanismus ist ähnlich: Wenn Vermögen extrem konzentriert ist, dann konzentriert sich unweigerlich auch die politische Gestaltungsmacht. Oxfam weist heute sehr deutlich darauf hin, dass mit dem Reichtum auch der Einfluss der Superreichen auf die Steuerpolitik und Gesetzgebung wächst. Heute fließt dieser Einfluss vielleicht seltener über einen diskreten Geldumschlag im Hinterzimmer, sondern vielmehr über komplexe Lobbystrukturen, enorme Medienmacht, die gezielte Finanzierung von Wahlkampfkampagnen und exklusive Zugänge zu Entscheidungsträgern. In den USA sehen wir diese Entwicklung in ihrer extremsten Form, wo die Wahlkampffinanzierung 2024 Rekorddimensionen erreichte und Milliardärsgelder eine alles entscheidende Rolle spielten. Es gibt belegte Fälle wie den von Elon Musk, der laut offiziellen Unterlagen mindestens 277 Millionen Dollar für politische Kampagnen ausgab. Es geht mir dabei gar nicht darum, mich an einer einzelnen Person festzubeißen, sondern um das dahinterliegende Prinzip: Wenn einzelne Menschen mit ihrem extremen privaten Vermögen politische Weichenstellungen kaufen können, verändert das den Kern unserer Demokratie. Es entsteht ein Gefühl, das ich immer öfter im Alltag spüre: Viele Menschen haben den Eindruck, dass ihre eigene Stimme kaum noch zählt, weil das Gewicht des großen Geldes alles andere erdrückt. Wenn dieses Vertrauen erst einmal verloren ist, wächst die Resignation oder die Wut, und Populisten haben ein leichtes Spiel, indem sie behaupten, das System sei ohnehin gekauft.

Was wir von 1933 lernen können

Die Illusion, die mir in diesem Zusammenhang am gefährlichsten erscheint, ist der Glaube, dass die Demokratie nur dann in Gefahr sei, wenn jemand ganz offen ihren Sturz verkündet. Die Geschichte von 1933 zeigt uns jedoch, dass ein System oft nicht nur durch Radikalität von unten, sondern durch das kühle Kalkül von oben beschädigt wird. Damals gab es Kreise, die fälschlicherweise glaubten, sie könnten radikale Kräfte kontrollieren und für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren. Es gab handfeste Interessen, die Ruhe, Stabilität und den Schutz vor Gewerkschaften oder Umverteilung suchten und bereit waren, dafür einen hohen Preis zu zahlen. Das Geld half dabei, den Apparat der Macht zu finanzieren, während sich politisch die Türen wie von Geisterhand öffneten. Das Geheimtreffen vom Februar 1933 wirkt in der Rückschau wie ein Brennglas für diesen Prozess: Es gab ein klares Programm, die notwendige Zustimmung der Eliten und einen unmittelbaren Geldfluss. Natürlich ist unser heutiger Kontext ein anderer; wir leben nicht in der instabilen Weimarer Republik, und unsere Institutionen sind wesentlich gefestigter. Doch genau deshalb sollte das Fazit nicht in Panik bestehen, sondern in einer geschärften Wachsamkeit. Wir müssen lernen, die Muster zu erkennen, auch wenn die Bühne heute modern aussieht. Wenn extreme Vermögenskonzentration auf direkten politischen Einfluss trifft und gleichzeitig das Gefühl in der Bevölkerung zunimmt, nur noch Zuschauer im eigenen Land zu sein, dann gerät das demokratische Fundament unter Druck. Zynismus breitet sich aus, der gesellschaftliche Ton wird härter, und viele Menschen ziehen sich frustriert zurück oder suchen nach gefährlich einfachen Lösungen für komplexe Probleme. Der Satz „Geld regiert die Welt“ wird oft so beiläufig und fast schon achselzuckend gesagt, aber ich glaube, er ist in Wahrheit eine ernste Warnung. Denn wenn das Geld beginnt zu regieren, wird das demokratische Prinzip „eine Person, eine Stimme“ schleichend durch das Gewicht von Kapital und Zugang ersetzt. Das ist für mich die eigentliche Parallele zwischen dem historischen Herrenessen und unserer Gegenwart: Es geht damals wie heute nicht nur um nackte Zahlen, sondern um die fundamentale Frage, wer tatsächlich mit am Tisch sitzt und wessen Interessen draußen vor der Tür bleiben müssen. Wenn Du diese Entwicklungen heute siehst – diese enorme Konzentration von Reichtum und die wachsende Härte in unserer Gesellschaft – glaubst Du dann auch, dass wir die gefährlichen Muster von damals gerade wiederholen, nur in einer modernen Verpackung? Schreib mir Deine Gedanken dazu bitte in die Kommentare, denn dieser Austausch ist wichtiger denn je.

Euer Schimon


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Peter Winkler ist Aquaponiker, Coach und Blogger. Sein theologisches Studium war die Basis für eine langjährige Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Seit 2012 beschäftigt er sich mit der Aquaponik. Durch seine Expertise entstanden mehrere Produktionsanlagen im In.- und Ausland. Mit dem Blog "Schimons Welt" möchte er die Themen teilen, die ihn bewegen und damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

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