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    20.01.1933 – „Es wird weiter gestützt“: Wenn der Weizenpreis fällt und der Staat einspringt

    Ich blättere durch die Berliner Morgenpost vom 20. Januar 1933, und auf der Handels-Seite bleibt mein Blick an einer Überschrift hängen, die mit wenigen Worten den ganzen Frust benennt: „Es wird weiter gestützt“. Darunter steht „Vergeudete Getreide-Millionen“. Und in dem Moment war mir klar: Das ist nicht nur irgendeine Rand-Notiz. Das ist ein Blick in eine Zeit, in der Landwirtschaft, Politik und soziale Not ineinander verhakt sind – so fest, dass man unweigerlich anfängt, nach Parallelen zu heute zu suchen. Der Text beschreibt die „Getreidestützung“, die schon seit Jahren über staatliche Stellen am Großmarkt läuft. Die Idee ist simpel: Wenn die Preise wegrutschen, wird Getreide dem Markt entzogen, damit der…

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    28.12.1932 – Milliardennot der Kommunen, das Notwerk der Jugend und die Teuerung des Überlebens

    Wenn Du an diesem Mittwoch, dem 28. Dezember 1932, durch die Straßen Berlins oder einer der vielen kleinen brandenburgischen Gemeinden läufst, spürst Du sofort, dass die bleierne Schwere der Weihnachtstage noch nicht gewichen ist. Der Himmel hängt tief und grau über uns, und stellenweise kriecht ein dichter Nebel durch die Gassen, der nicht nur die Sicht nimmt, sondern auch symbolisch für die undurchsichtige Zukunft steht, auf die wir alle zuwanken. Es ist ein Tag, an dem die blanke Not in Zahlen gegossen wird, die so gigantisch sind, dass sie für den einfachen Arbeiter, der gerade überlegt, ob er sich den Silvesterkarpfen überhaupt leisten kann, kaum noch fassbar sind. Die Zeitungen…

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    25.12.1932 – Aufruf der Reichsregierung und Kampagne gegen Bernhard Weiß

    Ich sitze heute an meinem Schreibtisch und halte eine digitale Kopie des Reichsbote vom 25. Dezember 1932 in den Händen. Wenn ich diese vergilbten Zeilen lese, fühle ich mich wie ein Beobachter, der aus der sicheren Distanz der Gegenwart in eine Epoche blickt, die von tiefster Verunsicherung und gleichzeitigem Hoffen geprägt war. Es ist ein seltsames Gefühl, diese Berichte zu studieren, während ich genau weiß, welche dunklen Jahre auf diesen Winter folgen sollten. Damals kostete die Zeitung gerade einmal zehn Pfennig. Draußen herrschte an diesem ersten Weihnachtsfeiertag ein fast schon frühlingshaftes Wetter, das in krassem Gegensatz zur wirtschaftlichen Kälte im Land stand. In London blühten laut den Meldungen sogar die…