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    29.12.1932 – Die braune Mordpest, der Aufschrei der Gelehrten und das schmutzige Tauwetter der Republik

    Wenn Du an diesem Donnerstag, dem 29. Dezember 1932, Deine Wohnung verlässt, hörst Du als Erstes das unaufhörliche, fast schon aggressive Tropfen von den Dächern. Es ist ein Geräusch, das wie ein unheimlicher Countdown wirkt. Die weiße Pracht der Weihnachtstage ist in sich zusammengesunken und hat sich in einen tückischen, graubraunen Matsch verwandelt, der Dir die Schuhe durchweicht und die Straßen Berlins in eine schmierige Rutschbahn verwandelt. Dieses Tauwetter ist mehr als nur ein Wetterumschwung; es ist eine bittere Metapher für den Zustand unserer sterbenden Republik. Der Schnee, der die Not und den politischen Schmutz für ein paar Tage gnädig zugedeckt hat, schmilzt nun gnadenlos dahin und legt die hässliche…

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    28.12.1932 – Milliardennot der Kommunen, das Notwerk der Jugend und die Teuerung des Überlebens

    Wenn Du an diesem Mittwoch, dem 28. Dezember 1932, durch die Straßen Berlins oder einer der vielen kleinen brandenburgischen Gemeinden läufst, spürst Du sofort, dass die bleierne Schwere der Weihnachtstage noch nicht gewichen ist. Der Himmel hängt tief und grau über uns, und stellenweise kriecht ein dichter Nebel durch die Gassen, der nicht nur die Sicht nimmt, sondern auch symbolisch für die undurchsichtige Zukunft steht, auf die wir alle zuwanken. Es ist ein Tag, an dem die blanke Not in Zahlen gegossen wird, die so gigantisch sind, dass sie für den einfachen Arbeiter, der gerade überlegt, ob er sich den Silvesterkarpfen überhaupt leisten kann, kaum noch fassbar sind. Die Zeitungen…

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    26.12.1932 – Tauwetter in Berlin, der Fememord der SA und die Not der Lebensmitteldiebe

    Es ist ein besonderes Gefühl, wenn wir uns gemeinsam durch diese alten Zeitungsseiten blättern und spüren, wie die Distanz der Jahrzehnte plötzlich schwindet. Wenn du dir vorstellst, wie die Menschen an diesem Montagmorgen im Dezember 1932 die Berliner Morgen-Zeitung aufschlugen, dann siehst du eine Welt, die zwischen festlicher Besinnlichkeit und dem nackten Überlebenskampf zerrissen war. Draußen vor den Fenstern vollzog sich ein radikaler Wetterumschwung, der fast wie eine Metapher für die politische Lage wirkte. Die weiße Pracht, die über die Feiertage ein wenig Reinheit vorgetäuscht hatte, schmolz unter dem einsetzenden Tauwetter dahin und hinterließ nur grauen Matsch auf dem Pflaster. Über 300.000 Berliner, die voller Hoffnung ins Umland aufgebrochen waren,…