Kalenderblatt

12.01.1933 – Konflikt mit dem Reichslandbund, Haushaltsdebatten im Reichstag und der Suizid der Tochter Trotzkis

Wenn ich heute auf die vergilbten Seiten des Teltower Kreisblatts und der Berliner Börsen-Zeitung blicke, spüre ich eine beklemmende Kälte, die weit über den leichten Frost jenes Januartages hinausgeht. Es ist, als würde man eine alte Uhr beobachten, deren Zahnräder immer unregelmäßiger greifen, bis das ganze Uhrwerk schließlich zum Stillstand kommt. Ich lade Dich ein, mit mir gemeinsam in diesen Donnerstag einzutauchen, an dem die politische Sprache immer unversöhnlicher wurde und persönliche Tragödien sich im Schatten der Weltgeschichte abspielten.

Die Front der Agrarier und das Schicksal der Republik

An diesem Januarmorgen kam es zum offenen Bruch zwischen der Reichsregierung und dem Reichslandbund, nachdem dieser eine Resolution veröffentlicht hatte, die an Schärfe kaum zu überbieten war. Darin war die Rede von einer „Ausplünderung der Landwirtschaft zu Gunsten der allmächtigen Geldbeutelinteressen der international eingestellten Exportindustrie und ihrer Trabanten“. Der Reichslandbund war in der Weimarer Republik die Speerspitze des agrarischen Lobbyismus und wurde maßgeblich vom ostelbischen Junkertum dominiert. Diese einflussreichen Großgrundbesitzer sahen in der Siedlungspolitik von Reichskanzler von Schleicher einen „Agrarbolschewismus“ und versuchten, den Kanzler über den Reichspräsidenten Hindenburg zu stürzen. Die Regierung reagierte prompt, bezeichnete die Vorwürfe des Bundesvorstandes als „demagogisch“ sowie „fachlich unbegründet“ und lehnte jede weiteren Verhandlungen mit den Vertretern ab. Es war ein Moment, in dem die diplomatischen Kanäle wie festgefrorene Schienenstränge blockierten. Da Hindenburg dem Kanzler die nötige Unterstützung versagte, trug dieser Konflikt entscheidend zum baldigen Sturz Schleichers und dem Weg Hitlers an die Macht bei.

Politische Zerreißproben zwischen Verfassung und Notstand

Zeitgleich stritt man im Haushaltsausschuss des Reichstags leidenschaftlich über die Zukunft der deutschen Finanzen. Während der Abgeordnete Dr. Hilferding von der SPD warnte, dass die Verabschiedung von Etats durch Notverordnungen dem „Geiste der Verfassung“ widerspreche, forderte der Nationalsozialist Reinhardt, die Vergabe von Steuergutscheinen strikt an den Nachweis einer Arbeitsvermehrung zu koppeln. Die Haushaltslage spiegelte die schwere Krise wider, in der sich das Land befand. Sogar innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung gab es Erschütterungen, als der Stabschef der SA die gesamte Gruppe Franken auflöste und ihren Führer Willi Stegmann seines Postens enthob. Offiziell wurde dies mit Ungehorsam gegen Befehle begründet. Tatsächlich steckte hinter der Enthebung ein erbitterter Konflikt mit dem fränkischen Gauleiter Julius Streicher über die Verwendung von Parteigeldern. Es war eine Zeit, in der Vertrauen Mangelware war und politische Fronten so unbeweglich schienen wie eine Mauer, an der jede Vernunft abprallte.

Stumme Zeugen und der Blick in die Ferne

Inmitten dieses politischen Getöses ereigneten sich menschliche Schicksale, die mich tief nachdenklich stimmen. In Berlin-Karlshorst schied Sinaida Wolkow, die Tochter von Leo Trotzki, freiwillig aus dem Leben. Sie litt unter einem schweren Lungenleiden und fühlte sich in ihrer Verzweiflung, dass ihr nicht geholfen werde, völlig allein gelassen. In ihrem Zimmer fand man einen kleinen Zettel mit den bewegenden Worten: „Behandelt meinen Jungen gut!“. Fast zur selben Zeit machte man in Potsdam eine furchtbare Entdeckung, wo eine 51-jährige Frau tot in ihrer Badewanne aufgefunden wurde; ihr Suizid wurde erst bemerkt, weil das Wasser durch die Decke der Unterwohnung lief. Doch die Menschen richteten ihre Blicke auch über die eigenen Grenzen hinaus. Die Zeisswerke in Jena erhielten den Auftrag, die neue Sternwarte des Vatikans in Castel Gandolfo mit modernsten Instrumenten auszurüsten. Gleichzeitig blickten die Leser mit Faszination auf die Geschichte der Chinesischen Mauer, die als „Wanlitichantscheng“ bekannt ist und einst China von der Welt isolieren sollte. Was denkst Du über diesen Kontrast zwischen technischem Fortschritt und menschlicher Not in stürmischen Zeiten? Schreib mir Deine Gedanken dazu doch gerne in die Kommentare.

Euer Schimon


Entdecke mehr von Schimons Welt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Peter Winkler ist Aquaponiker, Coach und Blogger. Sein theologisches Studium war die Basis für eine langjährige Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Seit 2012 beschäftigt er sich mit der Aquaponik. Durch seine Expertise entstanden mehrere Produktionsanlagen im In.- und Ausland. Mit dem Blog "Schimons Welt" möchte er die Themen teilen, die ihn bewegen und damit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

Kommentar verfassen