Ein offener Brief an Donald Trump
Hallo Donald,
ich nenne Dich bewusst Donald. Nicht „Mr. Präsident“, nicht „Anführer der freien Welt“ und schon gar nicht dieses „Du bist der Beste und Größte“, das Du so gerne von anderen hörst. Einfach Donald. Weil Du am Ende des Tages ein Mensch bist – und genau da liegt das Problem. Ein Mensch mit Launen, einem Ego in Wolkenkratzergröße und einem Zeigefinger, der gerne auf Knöpfe drückt, die ganze Volkswirtschaften zum Zittern bringen.
Weißt Du, wir starren hier in Europa ständig auf die falschen Schlagzeilen. Grönland-Kauf hier, Show-Auftritt da, das übliche Drama am Morgen. Das sind Nebelkerzen. Du schaust Fox News – und zündest sie dann im Oval Office. Während Du eigentlich versuchst, uns die Wurst vom Butterbrot zu ziehen.
Seien wir doch mal ehrlich: „America First“ ist unter Deiner MAGA-Regie zu einem ziemlich dreisten Geschäftsmodell geworden. Es geht nicht mehr um Partnerschaft. Es geht längst nur darum, wie man sich an anderen bereichern kann, oder? Nicht „fair“, sondern „wie ziehe ich dem anderen das Maximum aus der Tasche“. Für mich sieht das inzwischen weniger nach großer Politik aus und mehr nach einem wirtschaftlichen Raubzug im Brioni-Anzug.
Ich verstehe ja, dass Du nervös bist, Donald. Du sitzt auf einem Schuldenberg von über 38,5 Billionen Dollar. Die Zinskosten knacken gerade die Billionen-Grenze – das ist kein Taschengeld mehr, das ist eine finanzielle Kernschmelze. Wenn meine Kreditkarte so glühen würde, wäre ich auch unentspannt. Aber weißt Du, was ich nicht verstehe? Warum Du glaubst, dass wir in Europa Deine Rechnung bezahlen müssen. Mit Drohkulissen, Zöllen und diesem ewigen: „Hüpf, Europa, hüpf – und wehe, du springst nicht hoch genug!“
Bei mir war’s am 20. Februar vorbei. Der Supreme Court sagt Dir klipp und klar: „Nein, Donald, du darfst nicht einfach Zölle würfeln, wie es dir passt.“ 6 zu 3 gegen Dich. Ein normaler Mensch würde sagen: „Okay, Grenze verstanden.“ Aber Du? Du machst genau das, was man von jemandem erwartet, der Regeln für bloße Empfehlungen hält: Du suchst die nächste Hintertür. Einen Tag später kündigst Du an, die Importabgabe auf 15 Prozent hochzuschrauben – diesmal über eine andere Rechtsgrundlage.
Das ist das Muster, Donald. Und dieses Muster macht Dich für mich nicht „hart“ oder „smart“. Es macht Dich unberechenbar. Wie der Typ im Büro, der nur mit den Ellenbogen arbeitet – und sich dann wundert, warum keiner mehr mit ihm am Tisch sitzen will. Respekt ist keine Einbahnstraße, Donald. Und Respekt heißt vor allem nicht, dass man seine Partner wie eine kostenlose Zapfsäule behandelt.
Und jetzt mal ganz unter uns: Ich sehe nicht ein, dieses Kaspertheater auch noch indirekt mitzufinanzieren. Mit meinen Daten. Mit meinen Abos. Mit meiner Abhängigkeit von US-Plattformen, die Du im Zweifel genauso schnell als Hebel benutzt wie Deine Zölle – je nachdem, welche Laune Du morgens nach der ersten Diet Coke hast.
Deshalb mache ich’s jetzt radikal einfach: Mein Blog liegt ohnehin schon sicher in Deutschland. Warum also nicht konsequent sein? Anwendungen, Speicher, Dienste – alles rüber auf europäische Infrastruktur. Deutsche Server. Deutsches Recht. Nicht, weil wir in Europa perfekt sind oder alles besser wissen. Sondern weil Souveränität bedeutet, sich nicht erpressbar zu machen.
Vielleicht findest Du das „sad“. Vielleicht nennst Du mich in Deinem nächsten Post „anti-amerikanisch“. Geschenkt. Ich mag Amerika. Ich mag die Idee dahinter immer noch. Aber ich mag es nicht, wenn man Verbündete wie Beute behandelt, die man je nach Haushaltslage und Ego-Lage anzapfen kann.
An diesem Punkt endet meine Geduld. Nicht aus Trotz, sondern aus Würde.
Schimon
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