Hinter der Fassade der Höflichkeit: Warum ich Worte mit ehrlicher Kritik jeder Schmeichelei vorziehe
Heute Morgen saß ich mit meiner Tasse Kaffee am Küchentisch und mein Blick blieb an einem Zitat in meinem Kalender hängen, das mich seitdem nicht mehr loslässt. Da stand: „Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul.“ Ein Satz von Baruch de Spinoza, der wie ein Echo in mir nachhallt. Kennt ihr das, wenn ein einziger Satz plötzlich die ganze Art und Weise infrage stellt, wie wir über unsere Mitmenschen reden und denken? Mir wurde in diesem Moment wieder einmal schmerzhaft bewusst, dass meine Worte eigentlich wie ein Spiegel funktionieren. Alles, was ich über andere ausspreche – ob Lob oder bittere Kritik – ist im Grunde eine Offenbarung meines eigenen Charakters. Es ist, als ob ich durch meine Urteile über andere eine Landkarte meiner eigenen Seele zeichne. Wenn mein Herz voll ist, geht der Mund über, so sagt man. Und ich glaube fest daran, dass früher oder später immer das nach außen dringt, was wir tief in uns tragen.
Wir alle kennen Menschen, die gelernt haben, ihre Worte perfekt zu filtern. Sie sind meisterhaft darin, sich hinter einer Fassade aus Höflichkeit und Zuvorkommenheit zu verstecken, während in ihrem Inneren vielleicht Neid, Eifersucht oder sogar Hass brodeln. Manchmal spürt man diese Diskrepanz, wenn man ganz genau hinhört oder auf die Zwischentöne achtet. Die Gedanken sind frei, ja, aber unser Körper ist oft ein schlechter Lügner. Wer sich ein wenig mit Körpersprache auskennt, sieht das Zittern in der Stimme oder das Ausweichen der Augen, wenn das Gesagte nicht mit dem Gefühl übereinstimmt. Für mich persönlich gibt es kaum etwas Wichtigeres als Authentizität. Ich sehne mich nach Begegnungen, die echt sind. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die den Mut zur Ehrlichkeit haben, auch wenn diese Ehrlichkeit manchmal wehtut.
Die heilsame Kraft der Ehrlichkeit
Es ist wahr, konstruktive Kritik zu hören, ist nicht immer leicht. Es piekst am Ego und rüttelt an unserem Selbstbild. Aber wisst ihr was? Eine ehrliche, vielleicht sogar schmerzhafte Rückmeldung ist mir tausendmal lieber als eine verlogene Schmeichelei. Schmeicheleien sind wie süßes Gift – sie fühlen sich im ersten Moment gut an, aber sie helfen uns nicht weiter. Wenn wir über andere herziehen oder sie hinter ihrem Rücken schlechtmachen, verraten wir eigentlich nur unsere eigene Schwäche und unseren Mangel an Aufrichtigkeit. Es geht im Kern nicht nur darum, ob wir die Wahrheit sagen, sondern um das Wie, das Wann und das Wo. Ein Mensch mit Charakter braucht das Getratsche nicht, um sich selbst zu erhöhen. Lasst uns versuchen, bewusster zu wählen, was wir über andere sagen – nicht um Paul zu schützen, sondern weil es zeigt, wer wir selbst sein wollen.
Was denkt ihr darüber? Habt ihr auch schon erlebt, dass euch jemand etwas Nettes gesagt hat, ihr aber gespürt habt, dass das Herz eigentlich etwas ganz anderes spricht? Ich freue mich auf eure Gedanken in den Kommentaren!
Euer Schimon
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