• Kalenderblatt

    14.01.1933 – Hitler und Papen im Gespräch, Radikale Wirtschaftsvisionen und die moralische Elite

    Die Zeitung, die wir hier vor uns haben, ist die Nummer 2 des 14. Jahrgangs des „Reichswart“, erschienen am 14. Januar 1933 in Berlin. Als Herausgeber fungierte Graf Ernst zu Reventlow, eine prägende, wenn auch eigenwillige Figur der damaligen Zeit. Was beim Lesen sofort auffällt, ist die scharfe Abgrenzung zu dem, was Reventlow als „Nurnationale“ bezeichnet. Es geht ihm nicht nur um ein patriotisches Lippenbekenntnis, sondern um einen radikalen, nationalen Sozialismus, der sich deutlich von den „Parteien der Rechten“ und den „Repräsentanten des Kapitalismus“ distanzieren will. Man spürt ein tiefes Misstrauen gegenüber Persönlichkeiten wie von Papen, der als „Generaldirektor Gottes“ verspottet wird, und gegenüber dem Einfluss des Großgeldes. Diese Ausgabe…

  • Kulinarik

    Überleben am Herd: Die Herausforderungen in der Küche und das Rezept der Biersuppe von 1933

    Der eisige Wind des Januars 1933 kroch nicht nur durch die schlecht isolierten Mietshäuser der Vorstädte, er saß auch als unsichtbarer Gast mit am Tisch, wenn die Menschen ihre kargen Mahlzeiten einnahmen. Wenn ich mich heute in die Lage dieser Familien versetze, spüre ich eine tiefe Demut vor der Kraft, mit der sie versuchten, aus fast nichts ein wenig Geborgenheit und Wärme zu schaffen. Essen war damals weit mehr als nur Genuss oder reine Sättigung, es war eine fortwährende Herausforderung und oft ein schmerzhafter Kompromiss zwischen dem nagenden Hunger und dem, was der schmale Geldbeutel gerade noch zuließ. Die Gesellschaft war tief gespalten zwischen jenen, die in den prunkvollen Anzeigen…

  • Unsere Welt von morgen

    Geschichte wiederholt sich: Wie Autokraten die Welt erneut in den Abgrund stürzen

    Ich merke, wie mich der Satz aus Kohelet „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ heute aufrüttelt, weil ich beim Blick auf 1933 und die Weltlage von heute ähnliche Muster von Machtstreben, Angstpolitik und Grenzverschiebungen erkenne. Mir wird klar, wie gefährlich es ist, wenn wir uns an Drohungen, Entmenschlichung und das Reden über Länder wie über Beute gewöhnen. Deshalb will ich nicht hinnehmen, dass ein paar Mächtige die Welt wieder in den Abgrund reißen, sondern wach bleiben, widersprechen und Demokratie und Menschenwürde aktiv verteidigen. Am Ende frage ich mich, welchen ersten Schritt jeder von uns jetzt gehen muss, bevor das Ungeheuerliche wieder „normal“ aussieht.

  • Kalenderblatt

    07.01.1933 – Die Goebbels-Amnestie, das Hitler-Papen-Komplott und die Warnsignale für 2026

    In diesem Kalenderblatt ziehe ich eine beklemmende Parallele zwischen dem Januar 1933 und unserer Gegenwart im Jahr 2026. Ausgehend von der historischen Goebbels-Amnestie und dem politischen Komplott gegen die Regierung Schleicher beleuchte ich das gefährliche Schweigen der gesellschaftlichen Mitte. Damals wie heute erleben wir eine Erosion des Rechtsstaats, eine besorgniserregende Verschiebung der moralischen Grenzen und eine Normalisierung von politischer Gewalt – ob beim Brandanschlag auf den Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner oder Angriffen auf die Infrastruktur. Der Artikel ist ein flammendes Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit und eine Mahnung an die Politik, die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie nicht durch Zögern und Taktieren zu verspielen.

  • Kalenderblatt

    05.01.1933 – „Nur nicht drängeln“ – Hitlers taktisches Warten und das Flammeninferno auf der „Atlantique“

    Wenn ich mir heute das vergilbte Blatt der „Deutschen Tageszeitung“ vom 5. Januar 1933 ansehe, dann spüre ich ein ganz merkwürdiges Kribbeln im Nacken. Es ist dieses Wissen um das, was nur wenige Wochen später kommen wird, während die Menschen damals noch im Dunkeln tappten. Das Leitthema, das mich heute am meisten fesselt, ist die fast schon gespenstische Ruhe im Reichstag. Unter der bissigen Überschrift „Nur nicht drängeln!“ verspottet der Kommentator die Nationalsozialisten und ihre aktuelle Taktik. Es ist faszinierend zu sehen, wie die NSDAP, die sonst so lautstark gegen die Regierung von Schleicher poltert, im Parlament plötzlich ganz kleine Brötchen backt. Man hatte mit einem sofortigen Angriff gerechnet, mit…

  • Kalenderblatt

    04.01.1933 – Der Fall Professor Cohn, der Skandal um Gut Neudeck und das bittere Elend der Primitivsiedler

    Wenn ich heute die Morgenausgabe der „Vossischen Zeitung“ vom 4. Januar 1933 aufschlage, spüre ich sofort diesen bleiernen Stillstand, der über dem Land liegt. Während ganz Deutschland gebannt auf die winzige Landtagswahl in Lippe-Detmold starrt, die wie ein unheilvolles Barometer für die Macht der Nationalsozialisten über dem Reich schwebt, vollzieht sich an den Universitäten bereits der offene Bruch mit der Zivilisation. Besonders tief bewegt mich der „Fall Professor Cohn“, über den die Zeitung unter der Schlagzeile der „Breslau-Aussprache“ berichtet. Es ist herzzerreißend zu lesen, wie die akademische Freiheit, die wir heute so oft als selbstverständlich erachten, damals unter den Stiefeln radikalisierter Studenten zerbrach. Der jüdische Rechtsgelehrte Cohn konnte seine Vorlesungen…

  • Stark durchs Leben

    Zu allem Großen ist der erste Schritt Mut: Mein Kalenderblatt-Marathon beginnt

    Ich sitze hier, schaue auf diesen Kalender, den ich zu Weihnachten bekommen habe, und irgendwie fühlt sich dieses erste Blatt an wie ein kleiner Spiegel. Erste Woche im Jahr, erstes Zitat, und dann ausgerechnet Goethe: „Zu allem Großen ist der erste Schritt Mut.“ Und ich merke sofort, wie sehr das trifft. Nicht so ein weichgespülter Spruch, den man einmal liest und dann weiterblättert, sondern etwas, das einem direkt in die Rippen piekst. Weil es genau da landet, wo es wehtut: beim Anfang. Denn die erste Herausforderung in so einem neuen Jahr ist ja selten der Plan. Pläne kann ich gut. Listen, Ideen, schöne Gedanken, Vorsätze, das alles ist schnell aufgeschrieben.…

  • Kalenderblatt

    03.01.1933 – Die SA-Meuterei in Kassel, das perfide System der „weggelogenen Morde“ und das soziale Elend Berlins

    Wenn ich heute die Zeilen der Berliner Morgen-Zeitung vom 3. Januar 1933 lese, überkommt mich ein beklemmendes Gefühl der Aktualität, das weit über die bloße historische Dokumentation hinausgeht. Besonders der Leitartikel auf Seite zwei, der sich mit den „weggelogenen Morden“ befasst, hat mich tief bewegt und zum Nachdenken gebracht. Die Zeitung entlarvt dort mit messerscharfer Präzision das „schlechte Nazi-Gewissen“ und die Strategie eines Joseph Goebbels, der bereits damals ein wahrer Meister der Propaganda war. Es ist erschütternd zu sehen, wie die NSDAP versuchte, den Mord an dem Arbeiter Müller im schlesischen Neurode einfach umzudeuten. Weil sie die Tat nicht leugnen konnten, erfanden sie die Geschichte, dass die „Marxisten“ ihre eigenen…

  • Kalenderblatt

    02.01.1933 – Blutige Silvesternacht, die Krise der NSDAP und Schleichers fatale Taktik

    Wenn ich heute die vergilbten Seiten der Berliner Volks-Zeitung vom 2. Januar 1933 lese, dann sehe ich eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Während die Berliner Hausfrauen in den Kaufhäusern nach Schnäppchen im Winterschlussverkauf stöberten und die Sportseiten über die Schlappe der Nationalelf in Italien jammerten, floss auf den Straßen bereits das Blut. Es war das Ende des sogenannten Burgfriedens, jener kurzen Atempause über die Feiertage, und Berlin erwachte in einer Realität aus Schießereien und politischem Mord. Ich frage mich oft, was in den Köpfen der Menschen vorging, die zwischen dem „Füllfederkönig“ in Wien und den Berichten über tote Polizisten hin- und herblätterten. Man versuchte, eine Normalität aufrechtzuerhalten,…

  • Kalenderblatt

    01.01.1933 – Warnung vor dem Faschismus, Ruf nach dem autoritären Staat und die verzweifelte Hoffnung auf Arbeit

    Ich sitze hier an meinem Schreibtisch, draußen bereitet sich die Welt auf den Jahreswechsel 2025/2026 vor, doch meine Gedanken sind ganz woanders. Vor mir liegen die digitalisierten Seiten der Berliner Morgen-Zeitung und der Täglichen Rundschau vom Neujahrstag 1933. Es ist ein merkwürdiges, fast unheimliches Gefühl, in diese Zeit einzutauchen, während das eigene Leben im Hier und Jetzt stattfindet. Wenn ich diese Zeilen lese, spüre ich viele beklemmende Parallelen, so eine Art historisches Echo, das mich frösteln lässt. Wir schauen heute oft mit einer gewissen Überlegenheit zurück, im Wissen um alles, was danach geschah, aber wenn man so tief in die Quellen eintaucht wie ich gerade, dann erkennt man, dass die…