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11.01.1933 – Propagandaschlacht in Lippe, Brandmauer in München und das verzweifelte Ende einer Heimatlosen
Wenn ich heute, Anfang 2026, die digitalisierten Seiten der Vossischen Zeitung vom 11. Januar 1933 lese, überkommt mich ein Schauer, der wenig mit der Winterkälte zu tun hat. Es ist das Gefühl, einem Kartenhaus beim Einsturz zuzusehen, während die Bewohner noch darüber streiten, wie man die Fenster putzt. Ich sitze hier und versuche, diese mit Tinte gedruckten Artikel zu verstehen, die nur neunzehn Tage vor der Katastrophe verfasst wurden. Diese Entwicklung hätten sich die Redakteure zu diesem Zeitpunkt in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Es ist unaufhaltsam, wie das herannahen eines Tsunamis, die Geschichte ist besiegelt. In den Berichten dieses Mittwochs begegnet uns ein Deutschland, das in einer merkwürdigen…
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Geschichte wiederholt sich: Wie Autokraten die Welt erneut in den Abgrund stürzen
Ich merke, wie mich der Satz aus Kohelet „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ heute aufrüttelt, weil ich beim Blick auf 1933 und die Weltlage von heute ähnliche Muster von Machtstreben, Angstpolitik und Grenzverschiebungen erkenne. Mir wird klar, wie gefährlich es ist, wenn wir uns an Drohungen, Entmenschlichung und das Reden über Länder wie über Beute gewöhnen. Deshalb will ich nicht hinnehmen, dass ein paar Mächtige die Welt wieder in den Abgrund reißen, sondern wach bleiben, widersprechen und Demokratie und Menschenwürde aktiv verteidigen. Am Ende frage ich mich, welchen ersten Schritt jeder von uns jetzt gehen muss, bevor das Ungeheuerliche wieder „normal“ aussieht.
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05.01.1933 – „Nur nicht drängeln“ – Hitlers taktisches Warten und das Flammeninferno auf der „Atlantique“
Wenn ich mir heute das vergilbte Blatt der „Deutschen Tageszeitung“ vom 5. Januar 1933 ansehe, dann spüre ich ein ganz merkwürdiges Kribbeln im Nacken. Es ist dieses Wissen um das, was nur wenige Wochen später kommen wird, während die Menschen damals noch im Dunkeln tappten. Das Leitthema, das mich heute am meisten fesselt, ist die fast schon gespenstische Ruhe im Reichstag. Unter der bissigen Überschrift „Nur nicht drängeln!“ verspottet der Kommentator die Nationalsozialisten und ihre aktuelle Taktik. Es ist faszinierend zu sehen, wie die NSDAP, die sonst so lautstark gegen die Regierung von Schleicher poltert, im Parlament plötzlich ganz kleine Brötchen backt. Man hatte mit einem sofortigen Angriff gerechnet, mit…
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31.12.1932 – Adolf Hitler, der gefährliche Okkultismus und die Rolle des Hellsehers Hanussen
Es ist der letzte Tag eines Schicksalsjahres, und wenn ich mir vorstelle, wie die Menschen in Berlin an diesem Silvesterabend 1932 gefeiert haben, überkommt mich ein beklemmendes Gefühl. Während der Sekt floss und man sich ein frohes neues Jahr wünschte, ahnte kaum jemand, dass die Welt, wie sie sie kannten, nur noch vier Wochen existieren würde. In den Redaktionen der großen Zeitungen, wie der Berliner Volks-Zeitung, herrschte eine fast schon übermütige Stimmung gegenüber den Nationalsozialisten. Man lachte über Adolf Hitler. Er galt als politisch erledigt, seine Partei war nach den Verlusten der letzten Wahlen finanziell ruiniert und innerlich zerstritten. Doch was mich heute so tief bewegt, ist die Tatsache, dass…
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23.12.1932 – Tränen bei Hitler, Freiheit für Ossietzky und der Schrei nach Brot
Wenn ich mir das vergilbte Blatt der Berliner Volks-Zeitung vom 23. Dezember 1932 ansehe, spüre ich sofort diese beklemmende Mischung aus vorweihnachtlicher Hoffnung und dem harten Aufprall der Realität, die Berlin damals im Griff hatte. Es ist eine Zeit, in der die Republik an allen Ecken und Enden knirscht, und doch gibt es Momente, die mich tief berühren. In den politischen Spalten lesen wir von einer fast schon bühnenreifen Szene, die Otto Strasser bewirkt hat: die sogenannte „Hündchen-Szene“. Nach dem Bruch mit Gregor Strasser soll Hitler vor seinen Getreuen in Tränen ausgebrochen sein, völlig am Ende, während Männer wie Göring und Goebbels mitschluchzten. Es ist ein entlarvender Blick hinter die…
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11.12.1932 – Die Fünf-Mächte-Erklärung, der Fall Strasser und die trügerische Ruhe
Es ist der dritte Advent, ein kalter, grauer Sonntag, an dem sich eine trügerische Stille über Deutschland legt. Während in den Wohnzimmern die Kerzen brennen und die Menschen versuchen, die wirtschaftliche Not für einen Moment zu vergessen, atmet die Weltpolitik scheinbar auf. Die Zeitungen sind voll von einer Nachricht, die wie ein Befreiungsschlag wirkt und doch, ohne dass es die Leser ahnen, das Tor zur Hölle einen Spalt weiter öffnet. In Genf, weit weg vom Berliner Nieselregen, haben sich die Großmächte geeinigt. „Gleichberechtigung“ ist das Wort der Stunde, das an diesem Tag von den Kanzeln und Stammtischen widerhallt. Man glaubt an Entspannung, an einen diplomatischen Erfolg der Regierung Schleicher, und…