Wenn der Hass die Haustüre erreicht: Der Brandanschlag auf Andreas Büttner
Es war am vergangenen Sonntag, gegen halb vier Uhr morgens in Templin, als die Stille der Nacht durch das Martinshorn der Feuerwehr zerrissen wurde. Auf dem Grundstück von Andreas Büttner (52, Die Linke), dem Antisemitismusbeauftragten von Brandenburg, brannte es. Ein Gartenhaus stand in Flammen, doch es war nicht das Feuer allein, das das Blut in den Adern gefrieren ließ. An einer Tür am Tatort prangte ein rotes Dreieck. Es ist ein Zeichen, das wir aus den Videos der Hamas kennen, mit dem Terroristen ihre Ziele markieren, bevor sie angreifen. Dieses Symbol des Terrors und der Vernichtung findet sich nun mitten in unserer Nachbarschaft, an einem Ort, der eigentlich Sicherheit und Geborgenheit bieten sollte. Wenn der Hass so unmittelbar das eigene Zuhause erreicht, in dem die Familie schläft, dann ändert sich alles. Es ist kein abstrakter politischer Protest mehr, es ist ein gezielter Angriff auf die Existenz und die Sicherheit eines Menschen, der sich gegen Judenhass stellt. Andreas Büttner brachte es auf den Punkt, als er sagte, dass dies kein Zufall, sondern ein gezielter Einschüchterungsversuch war. Wer solche Zeichen nutzt, will keine Diskussion führen, er will Terror verherrlichen und Drohungen in die Tat umsetzen.
Ein rotes Zeichen des Terrors in der Nachbarschaft
Dieser Vorfall ist leider kein Einzelfall, sondern die Spitze eines Eisbergs, der seit dem 7. Oktober immer weiter aus dem „braunen Wasser“ ragt. Die Anfeindungen nehmen zu, die Hemmschwellen sinken massiv. Was mich besonders erschüttert, ist die Unverfrorenheit, mit der dieser Judenhass inzwischen wieder ganz offen ausgelebt wird. Das rote Dreieck an einer Haustür in Brandenburg ist eine Sprache, die keinen Raum für Interpretationen lässt. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir zugeben, dass in Deutschland viel zu lange weggeschaut wurde. Wir haben uns hinter dem Satz Nie wieder verschanzt und vielleicht naiv geglaubt, dass Gedenkstunden und das Niederlegen von Kränzen ausreichen, um den Antisemitismus dauerhaft zu besiegen. Doch jetzt zeigt sich, dass der Schmutz nie weg war, er blieb nur knapp unter der Grasnarbe. Nun quillt er mit aller Gewalt nach oben und überströmt unsere Straßen, unsere Universitäten und erreicht nun sogar die privaten Rückzugsorte. Die jüdische Community warnt uns seit Jahren vor dieser Entwicklung, und nun sehen wir die Konsequenzen eines Staates, der zu oft beide Augen zugedrückt hat.
Meine Gedanken sind bei Andreas Büttner und seiner Familie. Wie ich ihn kenne, wird er nach diesem Angriff nur noch entschlossener gegen Antisemitismus aufstehen.
— Ambassador Ron Prosor (@Ron_Prosor) January 4, 2026
Denn der radikale Teil der „Palästina-Solidarität“ ist nicht nur antisemitisch, sondern terroristisch. Anschläge auf… pic.twitter.com/MtgSfD7qn4
Warum schöne Worte allein nicht mehr reichen
Es reicht längst nicht mehr aus, lediglich Betroffenheit zu bekunden oder Solidarität auf sozialen Netzwerken zu posten. Ministerpräsidenten und Abgeordnete finden zwar nach solchen Taten klare Worte, doch die Realität für jüdische Menschen oder diejenigen, die sich für sie einsetzen, sieht auf Deutschlands Straßen düster aus. Sie werden in der U-Bahn angepöbelt, an Hochschulen physisch bedrängt und im Internet mit einer Flut von Hassnachrichten überschüttet, die oft genug unwidersprochen bleiben. Dieser Antisemitismus speist sich aus vielen Quellen, er kommt von rechts, von links, aus radikal-islamischen Kreisen und erschreckenderweise immer öfter aus der sogenannten bürgerlichen Mitte. Er ist wieder salonfähig geworden. Wenn ich mir diese aktuelle Entwicklung ansehe, fühle ich mich oft an die dunkelsten Jahre unserer Geschichte erinnert. Auch damals begann es nicht sofort mit dem Schlimmsten, sondern damit, dass es zum guten Ton gehörte, jüdische Mitbürger zu drangsalieren und auszugrenzen. Wir stehen heute an einem gefährlichen Scheideweg und müssen uns entscheiden, ob wir diesen Rückfall in die Barbarei tatenlos hinnehmen oder ob der Rechtsstaat endlich mit der notwendigen Härte durchgreift.
Unsere gemeinsame Verantwortung gegen den Hass
Andreas Büttner zeigt eine bewundernswerte Stärke, indem er sich nicht einschüchtern lässt und seine Arbeit entschlossen fortsetzt. Er plant bereits die nächsten Schritte und lässt den Terror nicht sein Leben diktieren. Doch er und seine Familie sollten diesen Kampf nicht alleine führen müssen. Es ist die dringende Aufgabe von uns allen, den Mund aufzumachen und Haltung zu zeigen, wenn wir Antisemitismus begegnen, sei es im Büro, im Verein oder im privaten Umfeld. Wir müssen fordern, dass Täter nicht nur ermittelt, sondern auch spürbar und schnell bestraft werden, damit die Straffreiheit für Hass nicht zur Norm wird. Das jahrelange Wegsehen muss ein Ende haben, denn aus Worten werden nun Taten, die wir „Nie wieder“ erleben wollten, oder? Wir dürfen nicht erst dann aufwachen, wenn es zu spät ist oder wenn es, wie manche bereits befürchten, die ersten Toten gibt. Es ist Zeit für echte Taten, für Zivilcourage und für einen Staat, der seine demokratischen Werte nicht nur auf dem Papier verteidigt, sondern sie in der Realität schützt. Nur wenn wir dem Hass geschlossen entgegentreten, können wir verhindern, dass die Geister der Vergangenheit unsere Zukunft zerstören.
Hast du in deinem eigenen Alltag auch schon Momente erlebt, in denen du das Gefühl hattest, dass der Hass in unserer Gesellschaft immer offener und schamloser gezeigt wird? Schreib mir deine Erfahrungen und deine Meinung dazu bitte unbedingt unten in die Kommentare.
Euer Schimon
Bild: Plattform X
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