Einsamkeit im Kopf: Wenn die eigene Innenwelt zur einsamen Insel wird
Es ist ein seltsames Phänomen, mitten unter Menschen zu sein, Gespräche zu führen, zu lachen und sich dennoch vollkommen isoliert zu fühlen. Ich spreche hier nicht von der traurigen Einsamkeit, die entsteht, wenn man niemanden hat. Ich spreche von einer ganz anderen Art der Stille. Es ist das Gefühl, dass man zwar körperlich anwesend ist, aber der eigentliche Kern des eigenen Wesens, die Gedanken, die Träume und die Art, wie man die Welt sieht, unsichtbar bleiben. Ich persönlich habe mich noch nie im klassischen Sinne einsam gefühlt, und auch Langeweile ist mir fremd. Wie könnte mir auch langweilig sein, wenn in meinem Kopf ständig neue Welten entstehen, Pläne geschmiedet werden und Visionen Gestalt annehmen? Doch genau hier liegt der Ursprung einer tieferen, verborgenen Einsamkeit.
Eine Welt voller Farben, die niemand sonst sieht
Wenn ich durch meinen Alltag gehe, sehe ich oft Dinge, die andere scheinbar übersehen. Ich nehme Details wahr, spüre Stimmungen und verliere mich in Gedankengängen, die für mich absolut real und wichtig sind. Doch wenn ich versuche, diese innere Realität zu teilen, stoße ich oft auf eine unsichtbare Wand. Manchmal ist es ein höfliches Nicken meines Gegenübers, manchmal ein leerer Blick, der mir verrät, dass meine Worte zwar gehört, aber nicht gefühlt wurden. Es fehlt die Resonanz. In diesen Momenten wird mir schmerzlich bewusst, dass meine Denkweisen und meine Träume mir ganz allein gehören. Es ist, als würde man eine wunderschöne Melodie hören, die für alle anderen unhörbar ist. Man möchte tanzen, man möchte diese Euphorie teilen, aber man steht alleine auf der Tanzfläche. Diese fehlende Spiegelung der eigenen Seele kann schmerzhafter sein als das physische Alleinsein.
Der Preis für die eigene Tiefe
Vielleicht ist diese Form der Einsamkeit der Preis, den wir für unsere Individualität zahlen müssen. Wer nicht mit dem Strom schwimmt, wer tiefer gräbt und höher hinaus will mit seinen Gedanken, der entfernt sich zwangsläufig vom Durchschnitt. Ich vergleiche das gerne mit einer Bergbesteigung. Unten im Tal ist es voll, dort ist das Leben laut und gesellig. Doch je weiter man aufsteigt, je mehr man seinen eigenen Weg geht und den Gipfel der eigenen Bestimmung sucht, desto weniger Menschen trifft man. Die Luft wird dünner, aber die Aussicht wird grandioser. Dort oben herrscht eine Klarheit und eine Weite, die berauschend ist. Aber es ist eben auch stiller. Manchmal wünsche ich mir jemanden an meiner Seite, der genau denselben Ausblick genießt, der die Welt in denselben Farben sieht wie ich. Aber oft müssen wir akzeptieren, dass wir gewisse Aussichten alleine genießen müssen, weil nur wir den Weg dorthin gegangen sind.
Einsamkeit als Quelle der Kraft
Inzwischen habe ich gelernt, dieses Gefühl nicht mehr als Defizit zu betrachten, sondern als eine Quelle der Kraft. Diese Isolation ist der geschützte Raum, in dem meine Kreativität erst richtig aufblühen kann. Weil ich mich nicht ständig anpassen muss, weil ich nicht jeden Gedanken sofort zerreden lassen muss, können meine Ideen wachsen. Ich bin ein Träumer, ja, aber ein selbstbewusster Träumer. Meine Innenwelt ist mein Zufluchtsort und mein größter Schatz. Wenn ich mich also in einer Runde von Menschen einsam fühle, dann nicht, weil ich arm an Kontakten bin, sondern weil ich reich an inneren Bildern bin. Es ist eine stolze Einsamkeit, die mir zeigt, dass ich bei mir selbst bin. Wir müssen nicht immer verstanden werden, um glücklich zu sein. Manchmal reicht es, wenn wir uns selbst verstehen und den Mut haben, unsere eigenen, einsamen Wege weiterzugehen.
Kennst Du dieses Gefühl, wenn Deine Gedanken Karussell fahren und Du merkst, dass niemand sonst zusteigen kann, und wie gehst Du damit um, wenn Du Dich in Deiner Begeisterung unverstanden fühlst? Schreib mir Deine Gedanken dazu unbedingt in die Kommentare.
Euer Schimon
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