Mamdani, der Koran und ein symbolträchtiger Amtsantritt in New York
Als Zohran Mamdani sein Amt als Bürgermeister von New York City antritt, ist das mehr als ein lokaler Machtwechsel. New York ist ein Symbol. Für Vielfalt. Für Widerspruch. Und für die größte jüdische Gemeinschaft außerhalb Israels. Genau dort setzt mein Unbehagen an – nicht aus Reflex, sondern aus Beobachtung.
Zohran Mamdani hat den Wahlkampf mit klaren, harten Positionen geführt. Er wollte sich vom Slogan „Globalize the Intifada“ nicht eindeutig distanzieren. Den Krieg in Gaza bezeichnete er als „Genozid“. Gleichzeitig betonte er, Bürgermeister aller New Yorker sein zu wollen. Dass dennoch rund ein Drittel der jüdischen Wähler ihm ihre Stimme gab, zeigt, wie vielfältig diese Community ist – und wie sehr Hoffnung, Skepsis und Angst nebeneinanderstehen können. Doch die Furcht bleibt. Nicht abstrakt, sondern im Alltag: in Schulen, Synagogen, auf der Straße.
Hinzu kommt die Reaktion von außen. Donald Trump griff Mamdani scharf an, sprach von sozialistischem Irrweg und drohte mit politischen Konsequenzen, um später wieder überraschend versöhnliche Töne anzuschlagen. Die MAGA-Community hingegen reagierte überwiegend aggressiv, teils apokalyptisch, teils offen islamfeindlich. New York wurde zum Schauplatz einer nationalen Projektion: hier das „linke Experiment“, dort der vermeintliche Untergang. Für Juden in der Stadt bedeutet das vor allem eines: zusätzliche Unsicherheit.
Dann die Vereidigung. Mamdani legte seinen Eid mit der Hand auf den Koran ab. Rechtlich ist das völlig zulässig, historisch ist es neu. Symbolisch ist es gewaltig. Und genau hier beginne ich zu fragen. Wenn eine Amtsperson ihre Hand auf die Bibel legt, sendet sie – zumindest im westlichen Verständnis – ein Signal von Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Verantwortung. Das sind die Werte, die wir mit dem Christentum verbinden, unabhängig davon, wie sehr sie im Alltag tatsächlich gelebt werden.
Was aber will Mamdani aussagen, wenn er den Koran wählt? Geht es um persönliche Identität? Um Repräsentation? Oder um eine politische Botschaft? Diese Fragen sind nicht islamfeindlich, sie sind notwendig. Denn wir erleben weltweit, dass im Namen des Islam Terror und Leid gesät werden – im Nahen Osten, aber auch auf unseren Straßen. Wir sprechen gern vom moderaten Islam und trennen Religion von Gewalt. Gleichzeitig sehen wir in Europa Demonstrationen, auf denen ein Kalifat gefordert wird. In Frankreich. In England. Auch bei uns.
Vor diesem Hintergrund wirkt das Symbol schwer. Nicht, weil ein Muslim ein Amt bekleidet – Vielfalt ist Realität. Sondern weil Symbole Macht haben. Und weil Mamdanis frühere Aussagen zu Israel, die er nicht zurückgenommen hat, mitschwingen. Wenn ein Bürgermeister bei seiner Vereidigung ein religiöses Buch wählt, stellt sich für mich die Frage, auf welchem Fundament er Politik machen will. Auf einem säkularen, rechtsstaatlichen? Oder auf einem religiösen? Und wenn religiös – welche Konsequenzen hat das langfristig?
Ich wünsche mir, dass Mamdani diese Fragen nicht als Angriff versteht, sondern als Einladung zur Klarheit. Dass er nicht nur betont, Bürgermeister aller New Yorker zu sein, sondern zeigt, wie das konkret aussieht – gerade gegenüber denen, die sich im Moment besonders verletzlich fühlen. Symbole sind nie neutral. Sie senden Botschaften, ob man will oder nicht. Und in einer Stadt wie New York, mit ihrer Geschichte, ihrer Vielfalt und ihren Wunden, tragen sie besonderes Gewicht. Was meint ihr: Ist der Eid auf den Koran ein rein persönliches Zeichen von Identität – oder ein politisches Signal? Und wo zieht ihr die Grenze zwischen religiöser Freiheit und der Sorge, dass Religion zur Grundlage staatlichen Handelns werden könnte?
Euer Schimon
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