Fluchtpunkt Freiheit: Wenn die Angst vor der Verbindlichkeit die Liebe ausbremst
Es gibt Fragen, die mich immer wieder einholen, besonders wenn ich über unser menschliches Miteinander nachdenke. Eine davon ist die Frage nach dem Warum. Warum zerbrechen so viele Verbindungen, die doch mit so viel Hoffnung begonnen haben? In den Geschichten der Paare, die mir begegnen, zeigt sich oft, dass es nicht der eine große Knall ist, der alles zerstört. In den Lebenswegen der Menschen sehe ich vielmehr ein schleichendes Gift, ein langsames Verblassen der Nähe, dem wir oft zu lange tatenlos zusehen. Heute schließen wir unsere Serie mit dem vierten Punkt ab: der Flucht vor der Verantwortung.
In meinen Begegnungen habe ich oft erlebt, dass Beziehungen an einer unsichtbaren Glaswand zerschellen. Man liebt sich, man verbringt Zeit miteinander, doch sobald es um das nächste Level an Verbindlichkeit geht – das Zusammenziehen, das Ja-Wort oder die Entscheidung für eine Familie –, weicht ein Partner zurück. Es ist die Angst, sich endgültig festzulegen und dadurch andere Optionen oder die eigene Autonomie zu verlieren. Diese Flucht vor der Verantwortung wird oft als „Freiheitsliebe“ getarnt, ist aber im Kern die Furcht davor, für das Glück eines anderen Menschen mitverantwortlich zu sein.
Das ewige „Vielleicht“ als Beziehungsbremse
Dieses Hinauszögern verbindlicher Schritte schafft eine Atmosphäre der Unsicherheit. Der Partner, der bereit wäre, den nächsten Schritt zu gehen, fühlt sich wie in einer Warteschleife. Er spürt, dass die Beziehung nur unter Vorbehalt existiert. In vielen Gesprächen habe ich gesehen, wie dieses ewige „Vielleicht“ die Seele zermürbt. Wer keine Verantwortung übernehmen will, hält die Beziehung in einem künstlichen Zustand der Unreife. Man bleibt lieber in der Leichtigkeit der Anfangsphase hängen, weil man die Schwere und die Tiefe scheut, die echte Verantwortung mit sich bringt. Doch eine Liebe, die nicht wachsen darf, fängt irgendwann an zu welken.
Verantwortung zu übernehmen bedeutet nicht, seine Freiheit aufzugeben. Es bedeutet, die Freiheit zu nutzen, um etwas Bleibendes zu erschaffen. Wer ständig flüchtet, sobald es ernst wird, findet nie die Ruhe, die eine tiefe Bindung schenken kann. Man bleibt ein ewiger Suchender, der zwar viele Türen öffnet, aber nie in einem Raum wirklich zu Hause ist. Das Paradoxe daran ist: Die größte Freiheit finden wir oft erst dort, wo wir uns ganz für eine Sache oder einen Menschen entscheiden. Denn erst die Entscheidung beendet das zermürbende Abwägen und lässt uns wirklich ankommen.
Den Mut zur „Verbindlichkeit“ finden
Wenn du merkst, dass du selbst immer dann einen Rückzieher machst, wenn es „ernst“ wird, ist es Zeit für einen ehrlichen Blick in den Spiegel. Wovor genau hast du Angst? Was glaubst du zu verlieren, wenn du dich ganz einlässt? Oft ist es die Angst vor dem Scheitern – man übernimmt lieber gar keine Verantwortung, als später für ein mögliches Ende verantwortlich zu sein. Doch kein großes Lebensglück ist ohne Risiko zu haben. Um aus dieser Falle zu entkommen, musst du lernen, Verbindlichkeit als Chance zu begreifen, nicht als Einengung.
Fang klein an. Übernimm Verantwortung für gemeinsame Projekte, triff klare Aussagen über deine Gefühle und deine Zukunftspläne. Es geht darum, das Vertrauen in dich selbst zu stärken, dass du den Anforderungen einer tiefen Partnerschaft gewachsen bist. Wahre Reife zeigt sich darin, dass wir zu unseren Entscheidungen stehen, auch wenn es mal schwierig wird. Wenn wir die Tür zur Flucht hinter uns zuschlagen, öffnet sich oft erst das Fenster zu einer Liebe, die wirklich trägt.
Das war unsere kleine Reise durch die Gründe des Scheiterns. Mich würde interessieren: Welcher dieser vier Punkte hat euch am meisten zum Nachdenken gebracht? War es die Hintertür, der Maximizer in uns, die Trägheit im Alltag oder die Angst vor der Verantwortung? Schreibt mir eure Gedanken dazu gerne in die Kommentare – ich freue mich auf einen tiefen Austausch mit euch.
Euer Schimon
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