Hörst Du Dir selbst zu? Wie Du durch Selbstreflexion zu innerer Klarheit findest
Es beginnt oft mit einem seltsamen Zögern, fast wie eine unsichtbare Schwelle, die man überschreiten muss, bevor der Finger den roten Knopf auf dem Display berührt. In der Stille des Zimmers stehe ich da, das Handy in der Hand, und plötzlich fühlt es sich absurd an, in die Leere hinein zu sprechen. Wir sind es gewohnt, unsere Stimme als Werkzeug für andere zu benutzen, um Wünsche zu äußern, Anweisungen zu geben oder Smalltalk zu führen. Doch sie gegen die eigene Stille zu richten und die Gedanken, die sonst nur im Verborgenen des Kopfes kreisen, laut werden zu lassen, erfordert einen ganz eigenen Mut. Es ist der Moment, in dem aus dem flüchtigen Gedanken ein greifbares Wort wird, das im Raum steht und nicht mehr einfach so weggewischt werden kann. Wenn ich heute meine Aufnahmen im Google Recorder starte, ist das für mich weit mehr als nur ein technisches Hilfsmittel oder eine Gedächtnisstütze. Es ist ein Akt der Selbstwerdung, ein Gespräch mit dem wichtigsten Menschen in meinem Leben, der viel zu oft überhört wird: mit mir selbst.
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Die Angst vor der eigenen Wahrheit
Vielen Menschen fällt es unglaublich schwer, ihre eigene Stimme auf einer Aufnahme zu hören, und meistens schieben wir es auf die ungewohnte Frequenz oder den Klang. Doch ich glaube, dahinter verbirgt sich eine viel tiefere Angst, die uns oft davon abhält, wirklich in die Selbstreflexion zu gehen. Wenn wir unsere eigene Stimme hören, werden wir mit unserer nackten Existenz konfrontiert, mit all den Unsicherheiten, dem Zittern in der Stimme oder der Begeisterung, die wir uns im Alltag oft verbieten. Wir tun uns so schwer damit, uns selbst zuzuhören, weil die eigene Stimme keine Maske tragen kann. Sie ist ein gnadenloser Spiegel unserer inneren Verfassung. Wer die Stille meidet und sich davor scheut, laut mit sich selbst zu sprechen, flüchtet oft vor der radikalen Ehrlichkeit, die notwendig wäre, um das eigene Leben wirklich zu verstehen. Es ist schmerzhaft zu erkennen, wo wir uns selbst belügen oder wo unsere Träume unter dem Staub der Routine begraben liegen. Aber genau in dieser Ehrlichkeit liegt der einzige Weg aus der inneren Isolation. Wir müssen lernen, das Unbehagen auszuhalten, wenn wir unsere inneren Wahrheiten laut aussprechen, denn erst durch das Aussprechen verlieren die Schatten in unserem Kopf ihren Schrecken.
Vom Gedankenkarussell zur inneren Freiheit
Wenn ich meine Gedanken laut ausspreche und sie aufnehme, passiert etwas Magisches mit dem Chaos, das ich oft in mir trage. Im Kopf sind unsere Sorgen und Visionen oft wie ein unentwirrbares Knäuel, das uns den Schlaf raubt und uns das Gefühl gibt, ein Opfer unserer Umstände zu sein. Doch sobald ich beginne zu sprechen, zwingt mich die Struktur der Sprache dazu, Ordnung zu schaffen. Ich werde vom Getriebenen zum Beobachter meiner eigenen Geschichte. In diesem geschützten Raum darf ich der Träumer sein, der seine kühnsten Visionen formuliert, ohne dass sie sofort vom rationalen Verstand oder der Kritik anderer zunichtegemacht werden. Diese Praxis hat mich gelehrt, dass meine Innenwelt ein reicher Ort ist, der keine Angst vor der Einsamkeit haben muss, solange ich im Dialog mit mir selbst bleibe. Es ist eine Form der Heilung, sich selbst ein liebevoller Zeuge zu sein und die eigene Stimme nicht mehr als Fremdkörper, sondern als engsten Verbündeten zu betrachten. Wenn wir aufhören, vor uns selbst wegzulaufen und anfangen, uns wirklich zuzuhören, finden wir eine Basis an Selbstvertrauen, die uns niemand mehr nehmen kann.
Hast Du schon einmal versucht, Deine Gedanken laut auszusprechen oder sie sogar aufzunehmen, und was hat das Gefühl in Dir ausgelöst, Deine eigene Stimme in der Stille zu hören? Schreib mir Deine Erfahrungen und Deine Gedanken dazu unbedingt in die Kommentare.
Euer Schimon
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