17.02.2024 – Wenn die Israelfahne zur Zielscheibe wird
Zwei israelische Fahnen an einer Bushaltestelle am Potsdamer Platz – leider kein alltägliches Bild in einer weltoffenen Stadt. Am 17. Februar 2024 wurde genau dieser Anblick zum Auslöser für einen Gewaltausbruch, der mich bis heute fassungslos macht. Es war ein Samstagnachmittag, der uns schmerzhaft daran erinnert, dass die Freiheit, seine Identität offen zu zeigen, für viele von uns an einer Bordsteinkante enden kann. Vor genau zwei Jahren ereignete sich im Herzen Berlins eine Szene, die mich auch heute noch fassungslos macht. Ein 41-jähriger Mann war an diesem Samstagnachmittag unterwegs, er kam gerade von einer Solidaritätskundgebung und trug zwei israelische Fahnen bei sich – ein Zeichen der Identität und Verbundenheit. Doch an einer Bushaltestelle am Potsdamer Platz wurde dieser Ausdruck seiner Überzeugung für ihn zur Gefahr. Ein erst 16-jähriger Jugendlicher trat unvermittelt an ihn heran, voller Aggression und dem festen Willen, ihm die Fahnen zu entreißen. Als der Mann sich weigerte, eskalierte die Situation: Er wurde bedrängt, gewürgt und schließlich so heftig zu Boden gestoßen, dass er Verletzungen an den Händen erlitt. Nur durch das sofortige Eingreifen von Zivilpolizisten, die das Geschehen beobachtet hatten, konnte der Angreifer festgenommen werden. Es ist dieser Moment des körperlichen Übergriffs, dieses Würgen, das einem den Atem raubt, denn es war kein zufälliger Streit, sondern gezielter Hass, der sich hier Bahn brach.
Wenn Sichtbarkeit zum Risiko wird
Dieser Vorfall am 17. Februar war leider kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer dunklen Welle. Fast zeitgleich wurde an diesem Tag am Wittenbergplatz ein weiterer Mann attackiert und gewürgt, nur weil er eine Flagge trug. Es zeigt uns ein erschreckendes Muster: Das bloße Zeigen eines Symbols reicht aus, um die Hemmschwelle zur Gewalt komplett einzureißen. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelte wegen versuchten Raubes und Körperverletzung, doch die juristische Aufarbeitung blieb für uns alle weitgehend unsichtbar. Da der Täter minderjährig war, schützte ihn das Jugendstrafrecht vor der Öffentlichkeit. Das ist Teil unseres Rechtsstaats, aber es hinterlässt bei den Betroffenen oft ein tiefes Gefühl der Ohnmacht. Während andere Fälle mediale Wellen schlugen, blieb es um diesen Angriff am Potsdamer Platz verhältnismäßig ruhig. Aber können und dürfen wir uns jemals daran gewöhnen, dass Menschen auf offener Straße angegriffen werden, weil sie zeigen, wer sie sind?
Ein Mahnmal für unsere Zivilgesellschaft
Wenn ich heute an diesen 17. Februar denke, dann frage ich mich, wie tief der Hass in einem jungen Menschen verwurzelt sein muss, um einen Fremden mit solcher Gewalt zu attackieren. Dieser Hass fällt nicht vom Himmel; er gedeiht in einer Atmosphäre, in der die Grenze zwischen Kritik und reinem Antisemitismus immer mehr verschwimmt. Wir stehen an einem Punkt, an dem wir uns fragen müssen, wie viel Raum wir diesem Gift noch lassen wollen, bevor wir uns alle nicht mehr trauen, offen Flagge zu zeigen. Für mich ist dieses Datum eine Mahnung, nicht wegzusehen und diese Gewalt niemals als Normalität zu akzeptieren. Es geht um mehr als um Fahnen; es geht um unsere Würde und das Versprechen, dass jeder Mensch ohne Angst seine Identität leben kann.
Wie erlebst Du das in Deinem Alltag? Hast Du Momente erlebt, in denen Du gezögert hast, Deine Identität oder Deine Meinung offen zu zeigen, weil Du Angst vor den Reaktionen hattest? Schreib es mir gerne in die Kommentare, ich freue mich auf einen ehrlichen Austausch mit Dir.
Euer Schimon
Bild: Symbolbild
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