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Mandelträume und Wasserrealität: Warum der Nussbaum den Weinbau nicht retten wird
Gestern gab es in Oppenheim schöne Bilder zu sehen. Das Landwirtschaftsministerium und Staatssekretär Andy Becht hatten zum ersten „Mandelgipfel“ geladen. Die Botschaft klang verlockend und fast schon romantisch: Wo der Weinbau kriselt, sollen künftig Mandeln blühen. Angesichts der Absatzkrise beim Wein und der Angst vor brachliegenden Flächen („Drieschen“) wird die Mandel als der neue Heilsbringer für eine resilientere Landwirtschaft verkauft. Man spricht von Synergien, weil Mandeln und Wein angeblich die gleichen Standortbedingungen lieben. Ich habe mir die Pressemeldung genau durchgelesen und muss sagen: Setzt man die rosarote Brille der Mandelblüte ab, sieht die Realität auf dem Acker leider ganz anders aus. Der Durst der Mandel Ich höre in letzter Zeit…
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10.12.1932 – Nobelpreise in Stockholm, Verfassung für Siam und die Genfer Erklärung
Es ist ein Samstag im Advent, dieser 10. Dezember 1932. Wenn wir heute auf dieses Datum zurückblicken, fühlt es sich an, als würden wir einen tiefen Atemzug tun, kurz bevor man unter Wasser getaucht wird. Die Welt scheint sich für einen flüchtigen Moment noch einmal in ihre schönste Robe zu werfen, sie feiert den Geist, den Fortschritt und die Diplomatie. Doch wer genau hinhört, vernimmt unter dem Klirren der Sektgläser und dem Rascheln der Verträge bereits das leise, bedrohliche Grollen, das den Untergang einer Epoche ankündigt. Es ist ein Tag der extremen Kontraste, an dem das Licht der Aufklärung in Stockholm hell erstrahlt, während sich in den deutschen Gassen und…
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Weißkohl im Winter: Eine Liebeserklärung mit kleinem Verzicht
Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, könnte ich Weißkohl eigentlich immer essen. Es ist diese einfache, ehrliche Kost, die mich erdet. Selbst im Hochsommer, wenn andere nach leichten Blattsalaten und Tomaten greifen, verspüre ich oft diesen Appetit auf die knackige Struktur des Kohls. Doch in diesem Punkt herrscht bei uns zu Hause eine liebevolle, aber strenge Ordnung. Meine Frau erinnert mich dann immer daran, dass der Kohl ein Wintergericht ist. Und sosehr ich im ersten Moment auch widersprechen möchte, tief in mir weiß ich, dass sie recht hat. Die Natur hat sich etwas dabei gedacht, uns dieses robuste Gemüse gerade dann zu schenken, wenn die Tage kürzer und die…
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Wenn alte Bäume Wurzeln schlagen – Liebe mit Gepäck
In letzter Zeit sitze ich oft mit Freunden zusammen, höre mir ihre Geschichten an und komme ins Grübeln. In meinem Bekanntenkreis gibt es viele Menschen, die den Mut gefasst haben, in der zweiten Lebenshälfte noch einmal ganz neu zu beginnen. Sie sind Mitte 40 oder älter, haben Ehen hinter sich, Kinder großgezogen oder Karrierepfade beschritten, die sie tief geprägt haben. Sie suchen die Liebe, und wenn sie sie finden, beobachte ich etwas, das mich sehr beschäftigt. Es ist nicht mehr dieses spielerische Ineinanderfließen, das wir aus der Jugend kennen. Es ist oft ein Ringen, ein ehrliches, manchmal schmerzhaftes Abarbeiten aneinander. Da kam mir neulich ein Bild in den Sinn, das…
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Die Porsche-Lüge: Nazi-Vergangenheit, Verrat am Gründer und ein Käfer zum Hohn
Wir lassen uns so gerne blenden. Wir sehen das perfekte Design, hören den satten Motorensound und denken an Ingenieurskunst „Made in Germany“. Aber manchmal wünschte ich, ich hätte nicht so genau hingesehen. Was ich bei meiner Recherche über die wahre Geschichte von Porsche gefunden habe, lässt mich fassungslos zurück. Nach EDEKA und Bahlsen dachte ich, mich könnte nichts mehr schocken, doch der Fall Adolf Rosenberger ist anders. Er erzählt nicht nur von politischer Verstrickung, sondern von einem eiskalten Verrat unter Freunden, der mich zutiefst erschüttert hat. Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, Euch heute von ihm zu erzählen, denn sein Schicksal zeigt exemplarisch, wie grausam Gier und Opportunismus Freundschaften zerstören…
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9.12.1932 – Einsteins leiser Abschied, trügerische Amnestie und der Beginn eines fernen Krieges
Wenn ich heute auf den 9. Dezember 1932 zurückschaue, dann spüre ich vor allem die Kälte dieses Freitags. Es war ein Tag mitten im harten Winter, geprägt von Arbeitslosigkeit und der täglichen Sorge ums Überleben. Die Menschen in Deutschland waren müde von den politischen Kämpfen und sehnten sich einfach nur nach Ruhe. Es ist ein Datum, das mich sehr nachdenklich stimmt, weil es uns zeigt, wie ahnungslos wir oft mitten in historischen Wendepunkten stecken. Während die meisten nur auf das kommende Weihnachtsfest hofften, wurden im Hintergrund – teils laut, teils ganz leise – die Weichen für eine dunkle Zukunft gestellt. In Berlin, in Asien und in einem kleinen Haus in…
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Millionen-Betrug und Aktenberge: Die Wahrheit über EU-Subventionen und unsere Landwirtschaft
Es gibt Tage, an denen ich morgens hier auf meiner Terrasse sitze, den Nebel über den weiten Feldern vor meinem Haus liegen sehe und eine tiefe Ruhe verspüre. Und dann gibt es Tage wie heute, an denen ich die Nachrichten lese, und diese Ruhe weicht einer Mischung aus Sorge und echtem Unverständnis. Wir schreiben den Dezember 2025, und während wir uns eigentlich auf die besinnliche Zeit vorbereiten sollten, braut sich in Brüssel und Berlin etwas zusammen, das die Arbeit der Landwirte, auf deren Felder ich hier blicke, für immer verändern könnte. Ich habe mir am Wochenende eine Pressemeldung der Grünen-Politiker Dr. Ophelia Nick und Martin Häusling angesehen. Es geht um…
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08.12.1932 – Gregor Strassers Rücktritt: Wie der Weg für Hitler frei wurde
Am 8. Dezember 1932 liegt eine seltsame Zweiteilung über dem Kontinent. Während in den katholischen Regionen des Reiches die Glocken zum Hochfest Mariä Empfängnis läuten und die Arbeit vielerorts ruht, ringen Diplomaten in Genf bei der Abrüstungskonferenz noch immer um eine Formel für die militärische Gleichberechtigung Deutschlands. Doch während dort international um Frieden und Stabilität verhandelt wird, zerbricht in Berlin in einer Atmosphäre eisiger Unruhe das letzte politische Bollwerk, das eine absolute Machtübernahme Adolf Hitlers noch hätte verhindern können. Der stille Abgang im Hotel Kaiserhof Im Berliner Hotel Kaiserhof spielt sich an diesem Vormittag ein Drama ab, das äußerlich unspektakulär wirkt, dessen Konsequenzen jedoch fatal sind. Gregor Strasser, bis zu…
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Ein Glas Rotwein, ein trojanisches Pferd und die verlorene Freiheit auf dem Teller
Es sind diese scheinbar friedlichen Momente, in denen einen die Realität manchmal am kältesten erwischt. Ich sitze hier gerade entspannt an meinem Schreibtisch, die Welt draußen ist dunkel und ruhig, und vor mir steht ein gutes Glas Rotwein. Neben mir liegt eine angebrochene Packung Salzkekse, von denen ich immer wieder einen knabbere, fast gedankenverloren. Eigentlich ein schönes Bild, oder? Doch der Frieden trügt, denn während ich hier sitze, liegt eine Pressemeldung in meinem digitalen Briefkasten, die mir den Geschmack dieser eigentlich harmlosen Kekse gehörig verdirbt. Ich habe mir die Packung genauer angesehen. Vorne drauf wird mit handwerklicher Tradition geworben, „im Ofen gebacken“ steht da in schwungvollen Lettern. Hinten erfahre ich,…
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Kunst die bewegt – Ein Blick, der vertraut wirkt
Vor vielleicht zwei Jahren bin ich zufällig über dieses Bild gestolpert. Es war in den Kleinanzeigen ausgeschrieben, schlicht als „zu verschenken“. Mehr stand nicht dabei. Kein Künstlername, keine Geschichte, nur ein Foto – und etwas an dieser Landschaft berührte mich sofort. Als wir dann feststellten, dass das Bild in einem Nachbarort abzuholen war, habe ich nicht lange gezögert. Ich packte ein kleines Dankeschön ein und machte mich auf den Weg, neugierig und ein wenig aufgeregt, denn ich wollte das Gemälde unbedingt aus der Nähe sehen. Der Besitzer öffnete mir freundlich die Tür. Er war gerade dabei, den Haushalt seiner Eltern aufzulösen, ein trauriger und zugleich notwendiger Schritt im Leben vieler…