15.02.1922 – Den Haag, ist das Völkerrecht gescheitert oder unsere einzige Chance gegen Diktatoren?
Ein Gerichtssaal kann ein kühler Ort sein, voller Paragrafen und strenger Gesichter. Doch wenn wir genau hinschauen, ist er oft die einzige Brandmauer zwischen der menschlichen Zivilisation und dem totalen Chaos. Heute möchte ich mit euch genau 104 Jahre zurückreisen, an einen geschichtsträchtigen 15. Februar im Jahr 1922.
An jenem Tag öffnete der Friedenspalast in Den Haag seine Pforten für die erste Sitzung des Ständigen Internationalen Gerichtshofs. Unter der Leitung des Niederländers Bernard Loder geschah etwas, das viele Zeitgenossen für eine bloße Träumerei hielten: Die Geburtsstunde einer echten Weltjustiz. Zum ersten Mal in der modernen Geschichte gab es ein festes Gremium aus Richtern verschiedener Nationen, das nicht nur gerufen wurde, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen war, sondern das als dauerhafte Institution über dem Zank der Nationalstaaten stehen sollte.
Die Vision von Paragrafen statt Patronen
Stellt euch die Welt damals vor – tief traumatisiert vom Ersten Weltkrieg, auf der Suche nach einem Anker. Der Völkerbund war der Versuch, eine neue Ordnung zu schaffen, und dieser Gerichtshof war sein juristisches Herzstück. Bernard Loder und seine Kollegen wollten weg von der alten Weltordnung, in der das Recht des Stärkeren galt, hin zu einer Welt, in der die Stärke des Rechts zählt. Es war der mutige Versuch, Konflikte über Grenzen, Verträge und Handelswege nicht mehr durch Mobilmachung, sondern durch Urteilsverkündungen zu lösen.
Natürlich war dieses System damals noch zerbrechlich. Die Großmächte zögerten, sich wirklich einer fremden Instanz zu unterwerfen. Doch der Grundstein war gelegt: Die Idee, dass ein Staat vor einem Richter Rechenschaft ablegen muss, war in der Welt und ließ sich nicht mehr so einfach verdrängen. Auch wenn der Völkerbund später scheiterte und die Welt in die Dunkelheit des Zweiten Weltkriegs stürzte, blieb die Vision von Den Haag lebendig. Sie bildete nach 1945 das direkte Fundament für den heutigen Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen, der heute noch im selben prächtigen Gebäude tagt.
Was uns Den Haag heute sagen kann
Wenn ich heute auf die Nachrichten blicke – auf die Spannungen im Nahen Osten, auf die Kriege in Europa und die zunehmende Missachtung internationaler Regeln –, dann spüre ich eine tiefe Sehnsucht nach diesem Geist von 1922. Wir leben in einer Zeit, in der das Völkerrecht oft wie ein zahnloser Tiger wirkt. Und doch ist es das Einzige, was uns als Weltgemeinschaft zusammenhält. Wenn wir aufhören, an die Kraft des gemeinsamen Rechts zu glauben, kehren wir zurück in eine Ära, in der nur noch die lauteste Stimme und die schwerste Waffe entscheiden.
Das Ereignis vom 15. Februar 1922 erinnert uns daran, dass Frieden kein Zufallsprodukt ist. Er ist harte Arbeit, gegossen in Verträge und verteidigt durch Menschen wie Bernard Loder, die den Mut hatten, an eine gerechtere Welt zu glauben. Es ist eine leise, aber beharrliche Kraft. Vielleicht ist es gerade heute wichtiger denn je, sich diesen Mut zur Sachlichkeit und zur Gerechtigkeit wieder in Erinnerung zu rufen – als Kompass in einer Welt, die sich oft viel zu schnell dreht.
Was denkt ihr darüber? Glaubt ihr, dass internationales Recht in unserer heutigen, komplexen Welt überhaupt noch eine echte Chance hat, oder ist die Vision von damals gescheitert? Schreibt es mir gerne unten in die Kommentare – ich bin gespannt auf eure Gedanken.
Euer Schimon
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