17.01.1933 – Staats-Versagen in der Landwirtschaft: Massive Kürzungen und neue Steuern bedrohen die Höfe
In der Ausgabe der Deutschen Tageszeitung vom 17. Januar 1933 wird deutlich, dass die Landwirtschaft in der damaligen Krise kein isoliertes Thema war, sondern als zentraler wirtschaftlicher Faktor betrachtet wurde. Die Berichterstattung auf der Seite „Die Deutsche Landwirtschaft“ fungiert hierbei als Indikator für die tiefe strukturelle Krise: Es geht um massive staatliche Etatkürzungen, die Verteuerung von Produktionsmitteln und den Versuch, durch neue Kontrollmechanismen wieder Stabilität in die Märkte zu bringen. Die Texte spiegeln eine Situation wider, in der kurzfristige Sparpolitik langfristige Entwicklungschancen zu untergraben drohte.
Bildungskürzungen unter dem Spardiktat
Ein zentraler Beitrag unter dem Titel „Falsche Sparmaßnahmen!“ setzt sich mit der Notwendigkeit staatlicher Einsparungen auseinander, warnt jedoch vor Kürzungen im Bereich der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. Die Zeitung argumentiert, dass staatliche Forschungseinrichtungen ein Kapital darstellen, das zwar nicht sofort, aber langfristig verlässliche Erträge liefert. Dennoch wurden die Budgets der landwirtschaftlichen Institute an preußischen Universitäten wie Breslau, Göttingen, Halle, Königsberg und Kiel erheblich reduziert. Die Spannweite dieser Kürzungen lag im Durchschnitt bei 26,9 % der universitären Sparmaßnahmen, wobei Spitzenwerte von bis zu 48 % in Halle erreicht wurden.
Am Beispiel der Universität Breslau lässt sich die Dimension dieser Streichungen für die Rechnungsjahre 1931 und 1932 konkret beziffern: Von den gesamten universitären Einsparungen in Höhe von 257.667,50 RM entfielen allein 83.464 RM auf die landwirtschaftlichen Institute. Diese Politik wurde scharf kritisiert, da sie die wissenschaftliche Grundlage eines Berufsstandes angriff, der bereits unter einer massiven Rentabilitätskrise litt. Man kann dies mit einem Betrieb vergleichen, der seine Forschungsabteilung auflöst, um laufende Kosten zu decken, dabei aber seine Innovationskraft für die kommenden Jahrzehnte verliert. Das Vertrauen in die Regierung galt bereits zu diesem Zeitpunkt als weitgehend verloren, da viele Zusagen nicht eingehalten wurden.
Die Kosten der Mechanisierung und der Treibstoffzoll
Ein weiteres kritisches Thema war die geplante Erhöhung der Zölle auf Gas- und Schmieröle. Die Treibstoffindustrie forderte beim Reichsfinanzminister, den Zoll auf Schmieröl um 5 RM und auf Mineralöl um 6 bis 12 RM pro 100 kg zu erhöhen. In der Praxis hätte dies eine Steigerung der Betriebskosten um etwa 40 % bedeutet. Dies betraf besonders jene fortschrittlichen Betriebe, die in moderne Maschinen investiert hatten, um ihre Produktionskosten durch Mechanisierung zu senken. Wer also versuchte, durch Eigeninitiative und Technik effizienter zu arbeiten, wurde durch diese steuerliche Mehrbelastung faktisch bestraft.
Die Zeitung bezeichnete diese Maßnahme als „wenig fortschrittlich“ und als direkte Gefahr für die Existenzgrundlage der heimischen Industrie. Während deutsche Technologie im Bereich der Motorenentwicklung international als führend galt, machten die geplanten Zölle den Einsatz dieser effizienten Maschinen im eigenen Land unwirtschaftlich. Es ist vergleichbar mit einem Logistikunternehmen, das in eine umweltfreundlichere und effizientere Fahrzeugflotte investiert, nur um dann festzustellen, dass eine neue Sondersteuer genau diesen Vorteil wieder zunichtemacht. Die Landwirtschaft lehnte diese Pläne daher energisch ab, da sie den mühsam erkämpften technischen Fortschritt entwerteten.
Internationale Lösungsansätze und heimische Marktordnung
Um der globalen Agrarkrise zu begegnen, blickte man auch auf internationale Entwicklungen wie das neue Farmer-Hilfsgesetz in den USA. Dort war das Bruttoeinkommen der Farmer von 9,4 Milliarden Dollar im Jahr 1930 auf 5,4 Milliarden Dollar im Jahr 1932 geschrumpft. Der US-Plan sah vor, die Erzeugung dem heimischen Bedarf anzupassen, indem Farmern Prämien für die freiwillige Einschränkung der Anbauflächen gezahlt wurden. Ziel war es, die Preise zu stabilisieren, indem das Überangebot auf dem Markt reduziert wurde. Diese Abkehr von reinen Stützungsmechanismen hin zu einer gesteuerten Produktionsmenge wurde in Deutschland mit großem Interesse verfolgt.
Gleichzeitig wurde im Inland versucht, die Marktordnung durch Instrumente wie die „Verladekontrolle für Obst“ zu stärken. Diese Kontrolle sollte sicherstellen, dass nur qualitativ hochwertige und korrekt sortierte Ware in den Handel gelangte. Die Erfahrungen zeigten, dass eine einheitliche Sortierung den Absatz verbesserte, auch wenn ein Teil des Handels diese Kontrolle zunächst ablehnte, da sie die individuelle Manipulation der Waren erschwerte. Heute sehen wir ähnliche Mechanismen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU, die seit 2023 verstärkt auf ökologische Standards und gezielte Förderarchitekturen setzt. Die Parallelen zum aktuellen Diskurs über den Agrardiesel oder die Herkunftskennzeichnung sind offensichtlich: Es bleibt ein ständiger Aushandlungsprozess zwischen steigenden Kosten, politischer Steuerung und der wirtschaftlichen Realität. Was glaubst Du: Reagiert die Politik heute wieder zu oft nur auf Symptome, anstatt die strukturellen Grundlagen langfristig abzusichern? Schreib mir Deine Meinung dazu in die Kommentare.
Euer Schimon
Bild: Hier siehst Du einen schweren Kettenschlepper aus dem Jahr 1933, der durch einen markanten Holzgaserzeuger an der Seite für den Betrieb unter Brennstoffmangel umgerüstet wurde. Bild ist KI-Generiert
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